Zahlreiche Lebensversicherer schwächeln

19.10.2017 – Das Analysehaus Morgen & Morgen GmbH hat sein aktuelles Rating von 66 Lebensversicherungs-Unternehmen über neun Bilanzkennzahlen vorgelegt. Sieben Gesellschaften erhielten die Höchstnote (Allianz, Alte Leipziger, Debeka, Europa, Hannoversche, R+V a.G. und WGV), während mit der Generali, der Gothaer, der Öffentlichen Berlin-Brandenburg und der Rheinland sechs Anbieter wie im Vorjahr nur „sehr schwach“ abschnitten.

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Das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen GmbH (M&M) hat bereits zum 23. Mal die Lebensversicherer auf dem deutschen Markt hinsichtlich Kosten, Sicherheitspolster, Erträge und Marktstellung untersucht.

Zu den Bewertungskriterien des „M&M Rating LV-Unternehmen“ gehören wie üblich die neun Kennzahlen Nettoverzinsung, Überschussquote, Abschlusskostenquote, Verwaltungskostenquote, Wachstumsquote, Normalstornoquote, modifizierte Eigenmittelquote, RfB-Quote sowie Reservequote. Betrachtungszeitraum waren die zurückliegenden fünf Jahre, aktuell also 2012 bis 2016.

Zinszusatzreserve belastet

„Die Kapitalmarktsituation ist nach wie vor kritisch: Die hohen Aufwände für die Zinszusatzreserve belasten die Versicherer nach wie vor. Mit dieser Reserve soll langfristig die Lücke zwischen den zugesagten Garantien und den real am Markt erzielbaren Zinsen geschlossen werden“, erläuterte das Analysehaus anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen Ratings.

Auf Ebene der einzelnen Gesellschaften zeigen sich große Unterschiede bei der 2016 getätigten Zuführung zur Zinszusatzreserve, wie Daten aus dem Map-Report 895 „Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2016“ zeigen. Bei insgesamt elf Anbietern waren es mehr als 350 Millionen Euro.

Der Marktführer Allianz Lebensversicherungs-AG liegt mit einer Zuführung von knapp zwei Milliarden Euro an der Spitze, gefolgt vom Debeka Lebensversicherungs-Verein mit über einer Milliarde Euro sowie der R+V Lebensversicherung AG und der Generali Lebensversicherung AG mit über 500 Millionen Euro.

Bild: Wichert

Insgesamt hat die Allianz die Zinszusatzreserve mittlerweile mit annähernd acht Milliarden Euro dotiert. Bei der Debeka sind es über drei Milliarden Euro und bei der Axa Lebensversicherung AG fast 2,5 Milliarden Euro. Die Generali und die R+V liegen knapp unter der Zwei-Milliarden-Marke.

Bild: Wichert

66 Lebensversicherer im Test

Insgesamt hat Morgen & Morgen in diesem Jahr 66 Lebensversicherungs-Unternehmen unter die Lupe genommen und damit eines weniger als im Vorjahr (VersicherungsJournal 20.10.2016). Die Bewertung erfolgte wie üblich auf einer fünfstufigen Skala (fünf Sterne = „ausgezeichnet“, vier Sterne = „sehr gut“, drei Sterne = „durchschnittlich“, zwei Sterne = „schwach“, ein Stern = „sehr schwach“).

Insgesamt erhielten 23 Gesellschaften eine überdurchschnittliche Bewertung, 22 Anbieter eine durchschnittliche und 21 Lebensversicherer eine unterdurchschnittliche.

Bild: Wichert

Die Gesellschaften mit den besten und schlechtesten Bewertungen

Die Höchstnote (fünf Sterne – „ausgezeichnet“) erhielten wie im Vorjahr die Allianz, die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G., die Debeka, die Europa Lebensversicherung AG, die Hannoversche Lebensversicherung AG, die R+V Lebensversicherung a.G. und die WGV-Lebensversicherung AG.

„Sehr schwach“ (ein Stern) bewertet wurden wie im Vorjahr die Generali Lebensversicherung AG, die Gothaer Lebensversicherung AG, die Öffentliche Lebensversicherung Berlin Brandenburg AG und die Rheinland Lebensversicherung AG.

M&M Rating LV-Unternehmen 2017

ausgezeichnet (*****)

sehr gut (****)

durchschnittlich (***)

schwach (**)

sehr schwach (*)

Allianz

Bayern Versicherung

Axa

Aachen-münchener

Generali

Alte Leipziger

Condor

Basler

Barmenia

Gothaer

Debeka

Deutsche Ärzte

Continentale

Concordia Oeco

Öffentliche Berlin Brandenburg

Europa

Direkte Leben

DEVK Allgemeine

Cosmos

Rheinland

Hannoversche

DEVK a.G.

Familienfürsorge

Ergo

R+V a.G.

Huk-Coburg

Hansemerkur

Ergo Direkt

WGV-Leben

Ideal

Iduna

HDI

Interrisk

Inter

Helvetia

LVM

Itzehoer

Landeslebenshilfe

Neue Bayerische Beamten

Karlsruher

Münchener Verein

Öffentliche Braunschweig

LV 1871

Öffentliche Oldenburg

PB Leben

Mecklenburgische

Provinzial Nordwest

Stuttgarter

Neue Leben

Provinzial Rheinland

VGH

Nürnberger

Saarland

Volkswohl Bund

Öffentliche Sachsen-Anhalt

Süddeutsche

WWK

R+V AG

Targo

SV Leben

VPV

SV Sachsen

Württembergische

Swiss Life

Universa

Zurich Deutscher Herold

Auf- und Absteiger

Die Münchener Verein Lebensversicherung a.G. sowie die Provinzial Rheinland Lebensversicherung AG verbesserten sich von einem Stern auf zwei Sterne. Ebenfalls um eine Ratingstufe besser als im Vorjahr schnitten neben der Familienfürsorge Lebensversicherung AG, der Iduna Lebensversicherung a.G. und der Sparkassen-Versicherungen Sachsen Lebensversicherung AG (SV Sachsen – aktuell jeweils drei Sterne) folgende Gesellschaften mit nun vier Sternen ab:

Verschlechterungen in der Ratingeinstufung hatten die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. (von fünf auf vier Sterne), die Itzehoer Lebensversicherungs-AG, die Mecklenburgische Lebensversicherungs-AG und die R+V Lebensversicherung AG (jeweils von vier auf drei Sterne) sowie die Öffentliche Lebensversicherungs-Anstalt Oldenburg, die Süddeutsche Lebensversicherung a.G. und die Targo Lebensversicherung AG (jeweils von drei auf zwei Sterne) zu verzeichnen.

Weitere Details und Erläuterungen zur Ratingmethodik können auf dieser Morgen & Morgen-Internetseite nachgelesen werden.

Herbstzeit ist Ratingzeit für die Lebensversicherer

Der Herbst ist die Zeit für zahlreiche Untersuchungen und Ratings der Lebensversicherer. Aufgrund von verschiedenen Methodikansätzen können die Ergebnisse der nachgenannten Analysen mitunter stark voneinander abweichen.

So haben erst vor wenigen Tagen die Wirtschaftswoche ihre aktuelle Auflage des Ratings der Lebensversicherer nach der Methodik des Finanzwissenschaftlers Professor Dr. Jörg Finsinger (VersicherungsJournal 18.10.2017) sowie die Map-Report-Redaktion ihren Map-Report 896 „Klassik-Rating deutscher Lebensversicherer“ (VersicherungsJournal 17.10.2017) veröffentlicht.

In den Ausgaben 18 und 19/2017 der Zeitschrift für Versicherungswesen hat Professor Dr. Hermann Weinmann von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein die Qualität der zwölf größten Lebensversicherer untersucht (VersicherungsJournal 4.10.2017). Die Ascore Das Scoring GmbH hat die deutschen Lebensversicherer erneut einem Scoring unterzogen (VersicherungsJournal 28.9.2017).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Geschäftsbericht · Lebensversicherung · Mapreport · Rating · Scoring
 
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