Wenn mit einem geliehenen Wagen ein Unfall gebaut wird

7.3.2017 – Folge 86 der VersicherungsJournal-Serie „Testen Sie Ihr Versicherungswissen“ dreht sich um den Versicherungsschutz, der nach einem Kfz-Unfall besteht. Der Knackpunkt: Der Versicherte fuhr einen Wagen, der ihm nicht gehörte. Angehende Versicherungsfachwirte müssen diese DIHK-Prüfungsaufgabe in 20 Minuten lösen können.

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Bild: Nikolae, Fotolia.com / VersicherungsJournal
(Bild: Nikolae, Fotolia.com / Pieloth)

Sind Chef und Sekretärin ein gutes Team, dann leiht man sich gegenseitig schon einmal das Auto.

Doch was, wenn damit ein Unfall passiert und der Unfallgegner klagt?

Welche Rechtsschutz-Versicherung?

Dann ist zu klären, welche Rechtsschutz-Versicherung bei welchem Sachverhalt die Interessen der Beteiligten vertritt.

Zur Beantwortung dieser Prüfungsfrage hatten angehende Versicherungsfachwirte im Wahlfach „Vermögensversicherungen für private und gewerbliche Kunden – Produktmanagement für Versicherungs- und Finanzprodukte“ rund 20 Minuten Zeit.

Die Aufgabe stammt aus dem Fundus des Deutschen Industrie- und Handelskammertag e.V. (DIHK) aus dem Jahr 2014.

Ausgangssituation – Eine Firma mit Geschäftsführer und Sekretärin

Der Schreinereibetrieb Holzer GmbH ist vor allem im Bereich der Massenherstellung tätig. Neben der Produktion von Stühlen und der Belieferung von Großmärkten hat das Unternehmen einen kleinen Verkaufsbereich, in dem Einzelstücke zu einem hohen Preis verkauft werden.

Die GmbH besitzt einen Fuhrpark von drei Pkw und zehn Lieferwagen.

Aufgabe – Die Sach- und Rechtslage analysieren

Herr Nagel, der Geschäftsführer der Holzer GmbH und wohnhaft in Köln, unterhält bei der Proximus Rechtsschutz-Versicherung AG eine Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz-Versicherung nach § 26 ARB (Allgemeine Bedingungen für die Rechtsschutz-Versicherung) 2008.

Er fährt mit einem Pkw, der seiner Sekretärin gehört und der auch auf sie zugelassen ist, nach München und wird dort in einen Verkehrsunfall verwickelt. Beide Fahrzeuge werden beschädigt – die Schuldfrage ist ungeklärt. Zudem wird gegen Nagel ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet, weil der Unfallgegner ein HWS-Trauma erlitten hat.

Drei Fragen

a) Die Sekretärin will ihren Fahrzeugschaden aus obigem Unfall von der Gegenseite ersetzt bekommen. Prüfen Sie den Versicherungsschutz für diese Interessenwahrnehmung über den Rechtsschutzvertrag des Herrn Nagel und begründen Sie Ihre Ausführungen.

b) Herr Nagel will sich auf Kosten der Rechtsschutz-Versicherung gegen den Strafvorwurf zur Wehr setzen und überlegt, ob er sowohl an seinem Wohnort als auch am Unfallort einen Anwalt beauftragt. Erklären Sie den Versicherungsschutz und begründen Sie Ihre Ausführungen. Nehmen Sie dabei auch zu den versicherten Rechtsanwaltskosten Stellung.

c) Die Sekretärin, wohnhaft in Düsseldorf, hat eine eigene Rechtsschutz-Versicherung nach § 21 Absatz 1, 4 ff. ARB. Sie will ihren Fahrzeugschaden von der Gegenseite ersetzt bekommen und gegebenenfalls Klage erheben. Die Forderung der Gegenseite soll mit aller Deutlichkeit zurückgewiesen werden. Prüfen Sie den Versicherungsschutz über diesen Rechtsschutzvertrag und begründen Sie Ihre Ausführungen. Nehmen Sie dabei auch zu den versicherten Rechtsanwaltskosten Stellung.

Lösungshinweise

Fachwissen zu Fragen aus dem Bereich „Produktmanagement für Versicherungs- und Finanzprodukte“

Aufgabe

Lösung

Zu a)

Die Sekretärin ist nicht mitversicherte Person im Rahmen des Rechtsschutzvertrages des Herrn Nagel.

Herr Nagel ist als Fahrer fremder Fahrzeuge rechtsschutzversichert. Dies betrifft jedoch nur seine eigenen Ansprüche – die Schadenersatzansprüche des Fahrzeugeigentümers/ -halters kann er mit seiner Rechtsschutz-Versicherung nicht durchsetzen.

Zu b)

  • Herr Nagel ist als Fahrer fremder Fahrzeuge rechtsschutzversichert.
  • Betroffene und in § 26 ARB enthaltene Leistungsart ist der Strafrechtsschutz nach § 2 i, aa ARB.
  • Der Versicherungsfall ist mit dem behaupteten oder tatsächlichen Rechtspflichtenverstoß des Herrn Nagel (Körperverletzung) eingetreten (§ 4 Abs. 1c ARB).
  • Die Proximus Versicherung AG zahlt die gesetzlichen Gebühren eines für Herrn Nagel tätigen Anwaltes, der am zuständigen Gericht (hier München als Unfallort) niedergelassen ist.
  • Die Kosten eines sogenannten Korrespondenzanwaltes übernimmt die Rechtsschutz-Versicherung nicht, weil im Inland die Leistungsart „Strafrechtsschutz“ im Leistungskatalog der übernahmefähigen Korrespondenzanwalts-Kosten nicht genannt ist.

Zu c)

  • Die Sekretärin ist als Eigentümerin eines auf sie zugelassenen Fahrzeuges rechtsschutzversichert.
  • Betroffene und in § 21 ARB enthaltene Leistungsart ist der Schadenersatzrechts-Schutz nach § 2a ARB.
  • Der Versicherungsfall ist mit dem Schadenereignis (§ 4 Abs. 1a ARB) eingetreten.
  • Die Leistungsart beinhaltet ausschließlich die Durchsetzung eigener Ansprüche, nicht jedoch die Abwehr (hier die Zurückweisung) der gegnerischen Ansprüche (siehe auch § 3 Abs. 2a ARB).
  • Die Proximus Versicherung AG zahlt für die Durchsetzung der Schadenersatzansprüche die gesetzlichen Gebühren eines für die Sekretärin tätigen Anwaltes, der am zuständigen Gericht (hier München als Unfallort) niedergelassen ist. Zusätzlich trägt sie die Kosten eines sogenannten Korrespondenzanwaltes, weil der Gerichtsort mehr als 100 km Luftlinie vom Wohnort der Sekretärin entfernt ist.

Hinweis: Auf die passive Rechtsschutzfunktion in der Krafthaftpflicht-Versicherung einzugehen, ist auch richtig.

Frühere Beiträge aus dieser Artikelserie finden sich im Archiv des VersicherungsJournals unter diesem Link.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Ausbildung · Pkw · Rechtsschutz · Schadenersatz · Verkauf · Versicherungsfachwirt
 
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