Wenn ein Haus ins Erdreich absinkt

26.1.2012 – Ein Erdfall gilt als naturbedingter Einsturz des Erdbodens über natürlichen Hohlräumen. Er liegt jedoch nicht vor, wenn sich der Untergrund eines Gebäudes infolge Austrocknung senkt – so das Oberlandesgericht Koblenz in einem Beschluss vom 3. März 2011 (Az.: 10 U 1319/10).

WERBUNG

Der Kläger hatte bei der Beklagten eine Wohngebäude-Versicherung abgeschlossen. Im Rahmen des Vertrages waren unter anderem Schäden durch sogenannten „Erdfall“ mitversichert.

Schrumpfendes Erdreich

Nachdem sich an seinem Haus Risse gebildet hatten, wollte er seine Versicherung in Anspruch nehmen. Denn nach Aussage eines von dem Versicherten beauftragten Sachverständigen waren die Risse dadurch verursacht worden, dass das unter dem Gebäude befindliche Erdreich geschrumpft ist.

Dieser Schrumpfprozess wurde durch ein Austrocknen des Bodens ausgelöst, was unter anderem auf den auf dem Grundstück vorhandenen Pflanzen- und Baumbestand zurückzuführen war.

Der Kläger war der Meinung, dass es sich um einen versicherten Erdfall im Sinne der Versicherungs-Bedingungen handeln würde. Denn ein Erdfall sei einer Erdsenkung gleichzusetzen, welche bei manchen Versicherern im Rahmen einer Gebäudeversicherung mitversichert sei.

Doch dem wollten die Richter des Koblenzer Oberlandesgerichts nicht folgen. Sie wiesen die Klage als unbegründet zurück.

Eine Frage der Definition

Nach Ansicht des Gerichts ist unter einem Erdfall ein naturbedingter Einsturz des Erdbodens über natürlichen Hohlräumen zu verstehen. Diese Definition entspreche auch der des Dudens. Denn danach ist ein Erdfall eine Senke, die durch den Einsturz eines unterirdischen Hohlraums entstanden ist.

Von einem derartigen Ereignis kann man im Fall des Klägers jedoch nicht ausgehen. Denn das Gebäude hat sich nicht etwa gesenkt, weil unter ihm ein Hohlraum eingestürzt ist, sondern weil sich in dem Erdreich im Zuge eines Austrocknungsprozesses Poren gebildet hatten. Poren kann man jedoch auch aus der Sicht eines Laien nicht als unterirdische Hohlräume bezeichnen, erläuterte das Gericht. Der Kläger hat folglich keinen Anspruch auf Leistungen durch seinen Gebäudeversicherer.

Die Sache ist inzwischen rechtskräftig. Denn der Versicherte hat nach dem Beschluss des Oberlandesgerichts seine Berufung gegen eine ebenfalls abschlägige Entscheidung der Vorinstanz zurückgenommen.

Leserbriefe zum Artikel:

Rainer Taschner - Ausschluss ist das bessere Prinzip. mehr ...

Wie beurteilen Sie diesen Artikel?
sehr interessant
informativ
unwichtig
Artikel-Werkzeuge für Sie
Schlagwörter zu diesem Artikel
Gebäudeversicherung
 
WERBUNG
Service

Weitere Informationen zum Thema...

... finden Sie über Suche/Erweiterte Suche im Kopf- und im Fußbereich dieser Seite.

Beachten Sie auch unsere Bücher und Dokumentationen.

Zu Vertriebsthemen kann ein Blick in die VersicherungsJournal Extrablätter lohnen.

Service

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Ansprechpartnerin
Myrto Anna Rieger
Redaktionsassistentin
Telefon +49 (0)4102 7777898
E-Mail redaktion@versicherungsjournal.de

Weitere relevante Inhalte
21.2.2012 – Das wachsende Umweltbewusstsein kann bei Sanierungen nach Schäden erhebliche Mehrkosten verursachen. Die Nürnberger bietet für dieses zusätzliche Risiko eine erste Lösung. mehr ...
 
20.2.2012 – Die Produktentwickler haben verschiedene Tarife in der Kompositversicherung angereichert. Es gibt einige Neu-Einschlüsse und Verbesserungen, die aus Haftungsgründen zu beachten sind. mehr ...
 
3.2.2012 – Das Analysehaus Franke und Bornberg hat beim Bedingungstest von 267 Wohngebäude-Tarifen ein kräftiges Leistungsgefälle festgestellt. Welche Anbieter die besten Noten bekamen und was Vermittler beachten sollten. mehr ...
 
19.1.2012 – In der Schaden-/Unfallversicherung herrscht seit Jahren ein harter Verdrängungswettbewerb. Welche Anbieter 2010 versicherungstechnisch dennoch erfolgreich waren beziehungsweise tief in den roten Zahlen landeten, zeigt eine aktuelle Untersuchung. mehr ...
 
10.1.2012 – Angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen zeigen sich der VKB-Konzern und die BBV-Gruppe mit dem Ergebnis des Jahres 2011 zufrieden. Volkswagen Financial Services meldet gar ein deutliches Plus. mehr ...
 
22.12.2011 – Der Versicherungszweig Verbundene Wohngebäude steckt seit vielen Jahren tief in den roten Zahlen. Dennoch konnten auch im Geschäftsjahr 2010 einige Anbieter Gewinne einfahren, während andere kräftige Verluste schrieben, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt. mehr ...
 
21.12.2011 – Die stattlichen Gewinne im Versicherungszweig Haftpflicht haben in den letzten Jahren zu einem verschärften Verdrängungswettbewerb geführt. Wer 2010 beim Marktanteil kräftig zulegen konnte und wer deutliche Einbußen hinnehmen musste. mehr ...
 
7.12.2011 – Ob auch dann Versicherungsschutz durch eine Gebäudeversicherung besteht, wenn im Rahmen der Sanierung eines Gebäudes wegen eines Brandschadens eine Einbauküche verschwindet, hatte kürzlich das Oberlandesgericht Bremen zu entscheiden. mehr ...