Was versprechen Versicherer sich von Blockchain?

7.9.2017 – Blockchain kann man sich als eine Kette von Datenblöcken vorstellen, die Transaktionen speichert. Experten erwarten, dass die Technologie bei der digitalen Transformation in der Versicherungswirtschaft eine wichtige Rolle spielen wird. Das VersicherungsJournal berichtet in einer dreiteiligen Artikelserie über deren Möglichkeiten. Die Serie ist als gemeinsame Arbeit von Professor Dr. Philipp Sandner, Dr. Moritz Finkelnburg und Professor Dr. Alexander Braun entstanden. In Teil zwei beschäftigt sich Moritz Finkelnburg, Akademischer Direktor für den Bereich Versicherungen an der Goethe Business School, mit der Anwendung von Blockchain bei Versicherern.

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Auch in der operativen Versicherungswelt stößt die Blockchain-Technologie zunehmend auf Interesse. Schon die im Oktober 2016 von Branchenteilnehmern gegründete Blockchain-Initiative B3i (Blockchain-Insurance-Industry-Initiative) zeigt, welche Bedeutung dieser Entwicklung beigemessen wird.

Moritz Finkelnburg (Bild: privat)
Moritz Finkelnburg
(Bild: privat)

Getrieben von den Gründungsmitgliedern, den Versicherern Aegon, Allianz und Zurich sowie den Rückversicherern Munich Re und Swiss Re, gehören der Initiative mittlerweile zehn weitere Unternehmen an.

Auch die Zunft der Berater und Wirtschaftsprüfer hat das Thema „Blockchain und Insurance” bereits für sich entdeckt. Bearing Point, McKinsey, KPMG, Roland Berger oder Deloitte sind nur einige der Firmen, die mit laufenden Publikationen versuchen, dieses Thema zu besetzen.

Was aber versprechen sich die Versicherer von Blockchain?

Erstens: Kosteneffizienz

Bedingt durch die anhaltende Niedrigzinsphase und die regulatorisch erforderlichen Zinszusatzreserven sind die Versicherer unter starkem strukturellen Ertragsdruck. Die Lösung hierfür liegt einerseits in einem ausgewogen und klug gestalteten Komposit-Portfolio, andererseits in einer Optimierung der Kostenstruktur.

Der Schlüssel sind schlank gestaltete Prozesse mit maximaler Effizienz. Und diese erreicht man nur mit digitalisierten Abläufen, für die Blockchain eine zentrale Bedeutung besitzt.

Zweitens: Operative Exzellenz

Dieser von allen Versicherern strapazierte Begriff bedeutet konkret, schneller, weniger fehlerbehaftet und günstiger zu sein als die Konkurrenz. Und zwar bei den Kernabläufen des operativen Versicherungsbetriebs. Dazu gehören:

  • transparente Produkte mit wenigen Fragen,
  • schnelle Antrags- und Annahmeentscheidung,
  • digitalisierte Unterschriften und unkomplizierte Bezahlung,
  • fehlerfreie und rasche Vertragsverwaltung,
  • zügige Schadenentscheidungen nebst Auszahlung beziehungsweise Ablehnung.

Drittens: Optimierter Kundenservice

Ein Unternehmen, das seine Produkte nicht nur günstig, sondern kundenorientiert, schnell und transparent anbietet, ist ein attraktiver Partner.

Die Kostenvorteile schlanker Strukturen und Prozesse schlagen sich in den Tarifen nieder. Die Schnelligkeit bei Angebot, Antrag und Policierung differenzieren von der Konkurrenz.

Viertens: Innovation

Die Versicherungswirtschaft zeichnet sich durch Konstanz und Kontinuität aus. Nicht durch kreative Ideen, neue Deckungsansätze oder alternative Risikomodelle.

Die sich zunehmend verjüngende Kundenstruktur fragt dies aber intensiv nach: Situative Versicherungen, Pay-as-you-drive oder parametrische Produkte (sie stehen für ohne nachgewiesenen Schaden auszuzahlende Entschädigungen) sind nur einige Beispiele hierfür. Eine Technologie, die dies ermöglicht, ist interessant und führt wiederum zu Wettbewerbsvorteilen.

Vorteile im Kerngeschäft

Aber kann der Einsatz von Blockchain-Technologie dies alles bieten? Oder sind die Erwartungen zu hoch?

Für ein Fazit ist es sicherlich zu früh – wir befinden uns erst in den Anfängen. Erste Ansätze sind allerdings – trotz aller Komplexität – ermutigend. Manipulationssichere Datenbanken, Identifizierung durch die digitale Signatur, die Nutzung von „Hashing“ für die sichere und fehlerfreie digitale Datenübermittlung oder die automatische Synchronisierung der Blockchain-Datenbanken versprechen zahlreiche operative Vorteile.

Ob diese sich später vor allem im Bereich der Smart Contracts niederschlagen, bei situativen Versicherungsangeboten, parametrischen Deckungen, in der schnelleren Regulierung von Frequenzschadenfällen oder im Fraud-Prevention-Segment, bleibt abzuwarten.

Teil eins dieser Artikelserie hat sich mit der grundlegenden Funktionsweise der Blockchain-Technologie beschäftigt (VersicherungsJournal 6.9.2017). Im kommenden dritten Teil werden Insurtech-Geschäftsmodelle auf Blockchain-Basis vorgestellt.

Dr. Moritz Finkelnburg

Der Autor ist Akademischer Direktor für den Bereich Versicherungen an der Goethe Business School. Die Spezialgebiete des Rechtswissenschaftlers sind Vertrieb, Kompositversicherung und Portfoliomanagement. Vor seiner Laufbahn im Wissenschaftsbetrieb hat Finkelnburg mehrere Jahre in Management- und Vorstandspositionen in der Versicherungswirtschaft gearbeitet.

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Insurtech · Kompositversicherung
 
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