Streit mit dem Autoversicherer wegen Referenzwerkstatt

17.2.2017 – Ein Kfz-Haftpflichtversicherer darf bei der Abrechnung eines Fahrzeugschadens nur dann die Stundensätze einer nicht markengebundenen Werkstatt zugrunde legen, wenn diese für den Geschädigten mühelos zu erreichen ist. Das geht aus einem Urteil des Amtsgerichts Detmold vom 21. September 2016 hervor (6 C 166/15).

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Geklagt hatte eine Frau, deren Personenkraftwagen beim Ausparken eines bei dem beklagten Versicherer versicherten Fahrzeugs auf einem Parkplatz beschädigt worden war.

Günstigere Stundensätze

Den Fahrzeugschaden wollte die Klägerin auf Basis der Stundensätze eines Kostenvoranschlages einer markengebundenen Fachwerkstatt abrechnen. Damit war der Versicherer jedoch nicht einverstanden. Er verwies die Klägerin vielmehr auf eine etwas mehr als 20 Kilometer von ihrem Wohnort befindliche, nicht markengebundene Werkstatt, deren Stundensätze bei gleicher Qualität der Reparatur deutlich geringer seien. So könnten knapp 300 Euro eingespart werden.

Die Klägerin beharrte jedoch auf eine Abrechnung auf Basis des von ihr eingereichten Kostenvoranschlages und klagte den ihr von dem Versicherer vorenthaltenen Betrag ein.

Vor Gericht trug der Versicherer vor, dass es sich bei der von ihm benannten Referenzwerkstatt um einen qualifizierten Meisterfachbetrieb aus der Region der Klägerin handele. Der Betrieb befinde sich gerade einmal 20,8 Kilometer vom Wohnort der Klägerin entfernt.

Die Werkstatt würde auf telefonische Anforderung in der Regel auch einen kostenlosen Hol- und Bringservice anbieten, sodass der Klägerin keine Nachteile entstehen würden. Unabhängig davon würde es bei einer fiktiven Abrechnung nicht auf die Entfernung zu einer vom Versicherer benannten Referenzwerkstatt ankommen.

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Fehlender Beweis

Doch dem wollte sich das Detmolder Amtsgericht nicht anschließen. Es gab der Klage der Geschädigten statt.

Ein Schädiger beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherer kann einen Geschädigten unter dem Gesichtspunkt der Schadensminderungs-Pflicht im Sinne von § 254 Absatz 2 BGB nur unter bestimmten Umständen auf eine günstigere Reparaturmöglichkeit in einer freien Fachwerkstatt verweisen.

Dazu muss er unter anderem darlegen und gegebenenfalls beweisen, dass es sich um eine mühelos und ohne Weiteres zugängliche Fachwerkstatt handelt, so das Gericht.

Diesen Beweis sei der beklagte Versicherer jedoch schuldig geblieben. Denn es sei gerichtsbekannt, dass der Weg zwischen dem Wohnort der Klägerin und der Referenzwerkstatt auf zum Teil kleinen Landstraßen durch diverse Ortschaften führe und damit entsprechend zeitaufwändig sei. Der damit verbundene erhebliche Mehraufwand sei der Klägerin jedoch nicht zuzumuten.

Unwägbarkeiten

Es komme auch nicht darauf an, dass bei einer fiktiven Abrechnung die Wegstrecke tatsächlich nicht anfalle. „Denn an den fiktiv abrechnenden Geschädigten sind zur Erhaltung seines Wahlrechts als Herr des Restitutionsverfahrens nicht höhere Anforderungen zu stellen, als an den Geschädigten, der tatsächlich reparieren lässt“, heißt es dazu in der Urteilsbegründung.

Den Verweis auf den Hol- und Bringservice der Referenzwerkstatt ließ das Gericht ebenfalls nicht gelten. Denn dass die Werkstatt diesen kostenlosen Service tatsächlich anbiete, habe der Versicherer ebenfalls nicht bewiesen.

Ein Geschädigter müsse sich aber nicht auf Unwägbarkeiten eines behaupteten Services und insbesondere auch nicht auf eventuell zusätzlich anfallende Kosten für den Service einlassen.

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