So teuer sind Wohnungseinbrüche für die Hausratversicherer

21.4.2017 – 2016 haben die Hausratversicherer nach vorläufigen Zahlen für 140.000 Wohnungseinbrüche (minus 20.000) die Summe von 470 Millionen Euro an Versicherungsleistungen erbracht, 60 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. Der Schadendurchschnitt reduzierte sich um 100 auf 3.250 Euro. Dies geht aus dem Einbruch-Report des GDV hervor. Der Report zeigt auch weitverbreitete Angst vor Einbrüchen in der Bevölkerung – und große Abweichungen zwischen der generellen und der persönlichen Risikoeinschätzung.

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Im vergangenen Jahr sind die Kosten für Wohnungseinbrüche und die Anzahl der Delikte um jeweils über zehn Prozent zurückgegangen. Dies geht aus der gestern vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) im Rahmen der Veröffentlichung des „Einbruch-Reports 2017“ vorgestellten Einbruchsbilanz hervor.

Erdland: Keine Trendwende

Nach vorläufigen GDV-Zahlen haben die deutschen Hausratversicherer 2016 rund 470 (2015: 530) Millionen Euro an Versicherungsleistungen für etwa 140.000 (160.000) Wohnungseinbrüche ausbezahlt.

Was die Versicherungsleistungen betrifft, so war der Rückgang im vergangenen Jahr der erste nach zuvor acht Anstiegen in Folge. Die Kosten lagen 2016 auf dem vierthöchsten Wert in diesem Jahrtausend und waren um über zwei Drittel größer als 2007, als der niedrigste Wert zu verzeichnen war.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche war in den sechs Jahren zuvor fünf Mal gestiegen. Auf Zehnjahressicht lag der Wert nur drei Mal höher (zwischen 2013 und 2015). Zu Beginn des Jahrtausends gab es allerdings noch rund 180.000 Wohnungseinbrüche.

Bild: Wichert

„Der Rückgang der Einbrüche ist ein erfreulicher Lichtblick. Allerdings verzeichnen wir immer noch deutlich mehr Einbrüche als vor fünf oder zehn Jahren – von einer Trendwende können wir derzeit also nicht ausgehen“, erläutert GDV-Präsident Alexander Erdland in einer Pressemitteilung.

3.250 Euro Durchschnittsschaden

Da die Versicherungsleistungen im vergangenen Jahr stärker zurückgegangen sind als die Zahl der Einbrüche, reduzierte sich auch der Schadendurchschnitt. Pro Wohnungseinbruch weist der Versichererverband für 2016 einen Schaden von im Schnitt 3.250 Euro aus.

Das sind 100 Euro weniger als im Jahr zuvor (VersicherungsJournal 13.5.2016), stellt aber immer noch den zweithöchsten Wert im vergangenen Jahrzehnt dar. Auf Zehnjahressicht hat sich der Schadendurchschnitt um über ein Viertel erhöht.

Bild: Wichert

Große Angst vor Einbrüchen

Neben der Einbruchstatistik geht es in dem Report auch um die Umfrage „Wohnsicherheit und Einbruchdiebstahl“, die der GDV in Auftrag gegeben hat. Dafür hat die Forsa Politik- und Sozialforschung GmbH im März 2017 knapp über 1.000 erwachsene Personen befragt. Den Angaben zufolge wurde die Gruppe der Vermieter und Eigentümer wie auch die der Mieter gleichermaßen berücksichtigt, um repräsentative Aussagen zu ihrem Verhalten zu bekommen.

Dem Report zufolge besteht in der Bevölkerung große Angst vor Einbrüchen. Entsprechend äußerte sich rund jeder dritte Befragte. Bei den Über-60-Jährigen waren es sogar 40 Prozent. Vier von fünf Befragten gaben sogar an, das Risiko, generell zu einem Einbruchsopfer zu werden, sei innerhalb der vergangenen fünf Jahre größer geworden. Bei den 18- bis 29-Jährigen vertraten nur zwei Drittel diese Auffassung.

Wie die Untersuchung weiter zeigt, sind eine große Angst vor Einbrüchen und die Einschätzung, das Risiko sei größer geworden, bei Frauen deutlich größer ausgeprägt als bei Männern. Auch in einem Haus lebende Personen sorgen sich in beiden Fällen häufiger als in Wohnungen lebende Menschen. Der GDV hebt hervor, dass es dabei offenbar keine Rolle spielt, ob jemand zur Miete wohnt oder im Eigenheim.

Verdrängungsmechanismus

Interessanterweise zeigen sich deutliche Abweichungen zwischen der generellen und der persönlichen Risikoeinschätzung. Letztere ist bei vielen niedriger ausgeprägt. So gab dem Report zufolge fast jeder zweite Befragte an, bei ihm sei wenig zu holen und es gäbe für Einbrecher interessantere Objekte. Rund ein Drittel wähnt sich laut GDV durch seine Wohnlage in Sicherheit.

„Dieser Verdrängungsmechanismus ist so alt wie gefährlich: Es passiert anderen, aber nicht mir. Ein fataler Fehler, denn jeder kann Opfer eines Einbruchs werden“, erläutert GDV-Präsident Erdland in der Pressemitteilung weiter.

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