So gut sind die größten Gegenseitigkeits-Lebensversicherer

8.1.2018 – Im Rahmen seiner Analyse „Was machen die Lebensversicherer mit dem Geld ihrer Kunden?“ hat Professor Dr. Hermann Weinmann erneut die acht größten Lebensversicherungs-Unternehmen aus dem Lager der Vereine auf Gegenseitigkeit untersucht. Dabei schnitt in der Verbrauchernote nur noch die Hannoversche „sehr gut“ ab.

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Die Qualität der nach Beitragseinnahmen 2016 acht größten Gegenseitigkeits-Lebensversicherer aus Verbrauchersicht hat Professor. Dr. Hermann Weinmann von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein untersucht.

In den Vergleich einbezogen wurden die Versicherungsvereine:

Außerdem sind als Tochterunternehmen von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit dabei:

Die Analyse wurde in der Zeitschrift für Versicherungswesen, Ausgaben 24/2017 und 1/2018, veröffentlicht. Sie basiert auf den betriebswirtschaftlichen Erfolgen der Versicherer im Jahr 2016 und dem Anteil daran, der den Kunden zugestanden wird.

Hermann Weinmann
Hermann Weinmann
(Bild: Hochschule
Ludwigshafen am Rhein)

Damit ergänzt Weinmann seine die Rechtsformen übergreifende Untersuchung der zwölf größten Lebensversicherungs-Anbieter und legt die gleichen Maßstäbe an (VersicherungsJournal 4.10.2017).

Hannoversche betriebswirtschaftlich „sehr stark“

Ein Teil der Untersuchung ist der betriebswirtschaftliche Erfolg der Lebensversicherer. Dabei rechnet der Wissenschaftler für fünf gleich gewichtete Kennzahlen die Werte der einzelnen Versicherer in Punkte um.

Um die Höchstpunktzahl von 1.000 zu erreichen, hätten diese Grenzwerte erreicht werden müssen:

  • eine Rohüberschuss-Marge von 14,01 Prozent,
  • eine „Rendite“ von 4,01 Prozent (Ertragskraft und Risikoergebnis-Reserve),
  • eine Betriebskostenquote saldiert um die Quote übriges Ergebnis von 8,5 Prozent oder weniger,
  • eine Bewertungsreserven-Quote von 20,01 Prozent und
  • einen Überschussreservefaktor von 6,51.

Mit einer Punktzahl von 750 Punkten (wie im Vorjahr) erhält die Hannoversche als einziger Gegenseitigkeits-Lebensversicherer die betriebswirtschaftliche Bewertung „sehr stark“. Dieses Urteil hatte von den Top-Zwölf nach der gleichen Systematik ebenfalls nur ein Unternehmen erhalten, die Allianz Lebensversicherungs-AG (850 Punkte).

Im Vorjahr lagen bei den Vereinen auch noch die Debeka und der Volkswohl Bund in der Spitzengruppe (VersicherungsJournal 6.12.2016). Jetzt erreicht der Volkswohl Bund 700 Punkte und gilt wie der LVM mit 600 Punkten nur noch als „stark“.

Die Debeka fiel auf 550 Punkte zurück und wird nun, ebenso wie die Alte Leipziger mit gleicher Punktzahl und Iduna (500 Punkte), als „steigerungsfähig“ eingestuft. Gothaer und WWK kommen mit jeweils 350 Punkten nicht über „relativ schwach“ hinaus.

Aus Kundensicht sind dies respektable Werte. In ihnen kommt auch die Mitgliederorientierung zum Ausdruck.

Professor. Dr. Hermann Weinmann über die Beteiligung der Kunden an den Rohüberschüssen

Kunden erhalten bis zu 98 Prozent vom Rohüberschuss

Für die Kunden ist relevant, in welchem Maß sie am Erfolg ihres Vertragspartners teilhaben. Gesetzlich vorgeschrieben ist mindestens ein Anteil von 90 Prozent an den Kapitalerträgen, 90 Prozent an den Risikogewinnen und 50 Prozent vom übrigen Ergebnis.

Tatsächlich war der Anteil der Versicherungsnehmer am Rohüberschuss der Lebensversicherer im Jahr 2016 wieder sehr unterschiedlich:

  • Volkswohl Bund 98 (Vorjahr 97,6) Prozent
  • Hannoversche 95 (95,5) Prozent
  • Iduna 91 (95,5) Prozent
  • Gothaer Leben 90 (91,3) Prozent
  • WWK 90 (83,9) Prozent
  • LVM 89 (95,8) Prozent
  • Alte Leipziger 87 (84,5) Prozent
  • Debeka – (90,0) Prozent

Bei der Debeka war statt eines Rohüberschusses ein Rohverlust von 1,7 Millionen Euro angefallen, der aus der Bilanz ausgeglichen wurde.

Die Dotierung des Rohüberschusses für die Versicherten zwischen 87 und 98 Prozent kommentiert Weinmann so: „Aus Kundensicht sind dies respektable Werte. In ihnen kommt auch die Mitgliederorientierung zum Ausdruck.“

Drei Versicherer „sehr gut“

Den betriebswirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen multipliziert Weinmann mit der Beteiligungsquote der Kunden zu einem Verbraucherergebnis. Berücksichtigt werden außerdem die Beteiligung der Kunden am Gesamtertrag mit Hinzunahme des Rechnungszinses sowie die Solvenzquoten. Daraus wurden schließlich Noten errechnet.

Die Vorjahresnote konnte nur Spitzenreiter Hannoversche (1,3) halten. Alle anderen sieben Gesellschaften wurden für 2016 schlechter als im Vorjahr beurteilt. Am meisten verloren Debeka (von Note 1,3 auf 3,7) und Schlusslicht Gothaer (von 3,0 auf 4,3, „nicht ausreichend“).

Im Fünf-Jahres-Vergleich fallen die Urteile milder aus. Hier führt ebenfalls die Hannoversche mit „sehr gut“. Als „gut“ werden – wie vor einem Jahr – Alte Leipziger, LVM sowie Volkswohl Bund bewertet. Die Debeka fällt auf „gut“.

Verbrauchernoten der acht größten Gegenseitigkeits-Lebensversicherer

Gesellschaft

Note 2016 *

Gesamtnote 2012-2016 **

Hannoversche

1,3 (1,3)

sehr gut – 1,3 (2011-2015 sehr gut)

Volkswohl Bund

2,0 (1,3)

gut – 1,7 (gut)

LVM

2,7 (1,7)

gut – 1,7 (sehr gut)

Alte Leipziger

2,7 (2,3)

gut – 1,9 (gut)

Debeka

3,7 (1,3)

gut – 1,9 (sehr gut)

Iduna

3,3 (2,7)

befriedigend – 2,8 (befriedigend)

Gothaer

4,3 (3,0)

befriedigend – 3,3 (befriedigend)

WWK

3,7 (3,3)

befriedigend – 3,4 (befriedigend)

Neue Ergebnisse der Top 12

Der Trend zu schlechteren Noten war auch schon beim Vergleich der größten zwölf Lebensversicherer von Weinmann zu beobachten.

Zu dem im Oktober veröffentlichten Vergleich hat der Analyst nun modifizierte Ergebnisse vorgelegt. Dazu schreibt er: „Ein Leserbrief im VersicherungsJournal vom 4. Oktober 2017 zur Top-12-Untersuchung ist überschrieben mit ‚Bei mehrjähriger Betrachtung wären die Ergebnisse anders‘. Darin wird die fehlende mehrjährige Bewertung, wie sie 2016 angekündigt wurde, beanstandet. Diese soll nachgeholt werden.“

Demnach konnten sich mit Allianz, Ergo Lebensversicherung AG, Nürnberger Lebensversicherung AG und Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG vier Unternehmen gegenüber dem Vorjahr verbessern, drei blieben gleich platziert und die fünf übrigen Versicherer fielen zurück.

Verbrauchernoten der zwölf größten Lebensversicherer

Gesellschaft

Note 2016 *

Gesamtnote 2012-2016 **

Allianz

1,3 (2,3)

sehr gut – 1,4

R+V Lebensversicherung AG

2,0 (2,0)

gut – 1,8

Alte Leipziger

2,7 (2,3)

gut – 1,9

Debeka

3,7 (1,3)

gut – 1,9

Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG

3,0 (3,0)

gut – 2,1

Axa Lebensversicherung AG

3,3 (2,3)

befriedigend – 2,8

Nürnberger

3,0 (3,3)

befriedigend – 2,9

Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG

3,0 (2,7)

befriedigend – 3,1

Aachenmünchener Lebensversicherung AG

3,3 (3,3)

befriedigend – 3,4

Generali Lebensversicherung AG

3,7 (3,0)

befriedigend – 3,4

Provinzial Nordwest

3,3 (3,7)

befriedigend – 3,4

Ergo

3,0 (3,3)

befriedigend – 3,5

Ein Verein ist aber nicht von vorneherein [...] anderen Rechtsformen überlegen […], sondern auf die Unternehmensführung kommt es an.

Professor Dr. Hermann Weinmann, Hochschule Ludwigshafen am Rhein

Ähnliche Spreizung der Ergebnisse

Zum Vergleich der großen Zwölf mit den Versicherern aus dem Gegenseitigkeitslager schreibt der Professor: „Die Ergebnisse der einzelnen Versicherungsvereine ähneln in der Spreizung den Top-12-Ergebnissen.“

Man könne die Überlegung anstellen, in der Vereinsidee die bessere Lösung und eine gewisse Geborgenheit in der Gegenseitigkeit zu finden. Weinmann gibt hierzu zu bedenken: „Ein Verein ist aber nicht von vorneherein ein guter Lebensversicherer, der den anderen Rechtsformen überlegen ist, sondern auf die Unternehmensführung kommt es an. […] Es stellt sich die Qualitätsfrage.“

Zu den qualitativen Unterschieden der Versicherer gibt der umfangreiche Zeitschriftenbeitrag in zahlreichen Details Auskunft.

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