Riesige Unterschiede bei den PKV-Abschlusskosten

11.9.2017 – Die privaten Krankenversicherer hatten im vergangenen Jahr im Schnitt einen Abschlusskostensatz von 6,5 Prozent zu verzeichnen, wie der Map-Report 894 zeigt. Auf die niedrigste Quote kam die LKH mit rund 1,3 Prozent, während für die Hansemerkur AG ein Wert von fast zwölf Prozent ausgewiesen wird.

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Die Abschlussaufwendungen in der PKV haben sich im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen des Verbands der privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) um rund zwei Prozent auf 2.430 Millionen Euro erhöht. Dies ist dem Rechenschaftsbericht 2016 des Verbands zu entnehmen.

Dies war bereits der zweite Anstieg seit 2014, als mit knapp 2.350 Millionen Euro der Tiefststand auf Zehnjahressicht erreicht worden war. Im Vergleich zu den Jahren 2009 bis 2011 zeigen sich jedoch trotz der zuletzt leichten Zuwächse die Auswirkungen des Provisionsdeckels (VersicherungsJournal 31.10.2011).

Denn seinerzeit lagen die Werte mit zwischen rund 2.650 und etwa 2.750 Millionen Euro deutlich höher als im vergangenen Jahr – und zwar jeweils um circa ein Zehntel.

Bild: Wichert

Schwächeres Neugeschäft

Neben den Auswirkungen des Provisionsdeckels dürfte auch das deutlich schwächere Neugeschäft zu der auf Fünfjahressicht zu beobachtenden Reduzierung der Abschlussaufwendungen beigetragen haben.

Betrug der Bruttoneuzugang an Vollversicherten 2009 noch über 500.000 Personen, so waren es 2016 mit 280.200 nur etwas mehr als halb so viele. Allerdings gab es im Vergleich zu 2015 auch hier eine Zunahme (plus knapp sechs Prozent), was den leichten Anstieg der Abschlussaufwendungen im vergangenen Jahr zum Teil erklären könnte.

Beim Abschlusskostensatz (Abschlussaufwendungen in Prozent der verdienten Bruttobeiträge) zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier war 2016 im Branchenschnitt eine leichte Erhöhung zu beobachten – und zwar von 6,46 auf 6,52 Prozent. Auch hier gab es zum zweiten Mal in Folge eine Steigerung. Allerdings lagen die Werte in den Jahren 2007 bis 2011 mit jeweils mindestens rund acht Prozent in etwa ein Viertel höher.

Bild: Wichert

Eine genaue Analyse der Zusammenhänge ist an dieser Stelle nicht möglich. Denn Daten zu den Abschlussaufwendungen sowie zu den Beiträgen (woraus sich die Abschlusskostenquote errechnet) werden von den Anbietern meist nur insgesamt und nicht aufgeschlüsselt nach Voll- und Zusatzversicherung veröffentlicht. Auch Zahlen zum Bruttoneugeschäft in der Vollversicherung werden von den Gesellschaften oft als Betriebsgeheimnisse behandelt und nicht veröffentlicht.

Die Anbieter mit den niedrigsten Abschlusskostensätzen

Die Abschlusskostensätze 2016 der einzelnen privaten Krankenversicherer gingen weit auseinander, wie dem Map-Report Nummer 894 „Bilanzanalyse: Private Krankenversicherung 2007 bis 2016“ zu entnehmen ist.

Auf die mit Abstand niedrigsten Werte kamen die Landeskrankenhilfe V.V.a.G. (LKH) und die Freie Arzt- und Medizinkasse der Angehörigen der Berufsfeuerwehr und der Polizei VVaG (FAMK) mit jeweils deutlich unter zwei Prozent. Vergleichsweise günstig kaufte auch die Huk-Coburg Krankenversicherungs-AG mit einer Quote von knapp vier Prozent ihr Neugeschäft ein.

Relativ niedrige Abschlusskostenquoten zwischen 4,4 und knapp über fünf Prozent werden für den Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G., die Alte Oldenburger Krankenversicherung AG sowie die Süddeutsche Krankenversicherung a.G. (SDK) ausgewiesen.

Bild: Wichert

Die Gesellschaften mit den höchsten Abschlusskostensätzen

Insgesamt vier Gesellschaften hatten den Map-Report-Daten zufolge Abschlussaufwendungen zu verzeichnen, die über zehn Prozent der Beitragseinnahmen ausmachten. Jeweils knapp zwölf Prozent standen für die Hansemerkur Krankenversicherung AG und die Mecklenburgische Krankenversicherungs-AG zu Buche.

Bei jeweils um die elf Prozent lagen die Concordia Krankenversicherungs-AG und die Württembergische Krankenversicherung AG. Knapp unter der Zehn-Prozent-Marke blieb die UKV Union Krankenversicherung AG.

Bild: Wichert

Weitere Studiendetails

Der Map-Report Nummer 894 „Bilanzanalyse: Private Krankenversicherung 2007 bis 2016“ enthält auf 125 Seiten Übersichten und Grafiken zu diversen Geschäftszahlen wie Beitragseinnahmen (VersicherungsJournal 28.8.2017), Vollversichertenzahl (VersicherungsJournal 18.7.2017, 24.7.2017) und Marktanteilen (VersicherungsJournal 1.9.2017) von bis zu 38 privaten Krankenversicherungs-Gesellschaften.

Alte Oldenburger Krankenversicherung AG: Abschlusskostenquote 2005 bis 2016 im Vergleich zum Markt (Bild: Map-Report 894)
Alte Oldenburger Krankenversicherung AG: Abschlusskostenquote 2005 bis 2016 im Vergleich zum Markt
(Bild: Map-Report 894)

Für 32 Anbieter der Krankenvollversicherung werden darüber hinaus auf jeweils zwei Seiten acht Kennzahlen im Langfristvergleich zum Markt tabellarisch und grafisch dargestellt. Bei den Abschlusskostensätzen zeigt sich beispielsweise, dass auf Zwölfjahressicht die Alte Oldenburger Krankenversicherung AG kontinuierlich unter, die Arag Krankenversicherungs-AG hingegen kontinuierlich über dem Marktdurchschnitt liegt.

Arag Krankenversicherungs-AG: Abschlusskostenquote 2005 bis 2016 im Vergleich zum Markt (Bild: Map-Report 894)
Arag Krankenversicherungs-AG: Abschlusskostenquote 2005 bis 2016 im Vergleich zum Markt
(Bild: Map-Report 894)

Weitere Hintergrund-Informationen zu der Untersuchung sind auf dieser Internetseite zu finden. Die Studie ist lieferbar als (nicht druckbare) PDF-Datei für 85 Euro und als gedrucktes Heft für 95 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer.

Bestellt werden kann unter diesem Link. Die Konditionen für Sammelbestellungen und weitergehende Nutzungsrechte können per E-Mail oder über dieses Kontaktformular angefordert werden.

 
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