Nur jeder zweite BU-Tarif erfüllt den Marktstandard

14.7.2017 – Das Infinma-Institut hat 242 Tarife von 46 Versicherungs-Unternehmen mit einem Zertifikat ausgezeichnet, weil deren Berufsunfähigkeits-Versicherungstarife in insgesamt 18 unterschiedlichen Qualitätskriterien durchgängig den Marktstandard erfüllen oder ihn übertreffen.

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Nach der Franke und Bornberg GmbH (VersicherungsJournal 23.2.2017) und der Morgen & Morgen GmbH (VersicherungsJournal 11.5.2017) im Frühjahr hat nun auch die Infinma Institut für Finanz-Markt-Analyse GmbH ihr alljährliches Update der Untersuchung „Marktstandards in der BU“ vorgelegt.

Kein Rating

Die Analyse von Infinma basiert auf der reinen Bedingungsbewertung von insgesamt 18 selbst gewählten Qualitätskriterien. Die Infinma-Analysten weisen ausdrücklich darauf hin, dass aus diesen Kriterien kein Rating erstellt wird, „da wir auf dem Standpunkt stehen, dass sich die einzelnen Bedingungsbestandteile nicht gegeneinander ‚aufrechnen‘ lassen.“

Deshalb werde auch keine Bewertung in Form von Punkten vorgenommen, sondern vielmehr für die einzelnen Kriterien dargelegt, ob der Anbieter eine Regelung getroffen hat, die besser oder schlechter als der Marktstandard ist. „Der Marktstandard wird für uns durch die Regelung definiert, die in den betrachteten Bedingungswerken am häufigsten verwendet wird“, stell das Institut zur Methodik heraus.

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Neues Kriterium

Beim aktuellen Update der Untersuchung („Marktstandards in der BU – Stand 05/2017“) wurden wie in beiden Jahren zuvor (VersicherungsJournal 20.4.2016, 21.5.2015) Veränderungen an den verwendeten Kriterien vorgenommen. So wurde die „Option auf selbstständige Anschluss-Pflegerente“ anstelle der „Infektionsklausel“ in den Kriterienkatalog aufgenommen.

„Wir wollten die Pflegeoption in die Marktstandards mit aufnehmen, da wir glauben, dass die Entwicklung einer gemeinsamen BU- und Pflegeabsicherung in Zukunft immer mehr vergleichsrelevant wird“, erläutert Stephan Franz, Fachbereichsleiter Biometrie bei Infinma, zum Hintergrund der Änderungen. Die Infektionsklausel sei hingegen inzwischen so weit verbreitet und betreffe auch nur wenige Berufe, sodass hier die Relevanz immer mehr nachlasse.

Insgesamt wurden folgende 18 Kriterien untersucht: Prognose, Rückwirkende Leistung, Abstrakte Verweisung, Verzicht auf sowie Kostenbegrenzung bei Umorganisation, Berufswechselprüfung, Leistungsbeginn, Meldefristen, Untersuchungen im Ausland, Erhöhungsoption ohne Anlass, Beitragsstundung, Befristete Anerkenntnisse, Meldepflicht Minderung BU, Meldepflicht Aufnahme Tätigkeit, Nachprüfung, Leistung bei AU, lebenslange Pflegerente und Option auf selbstständige Anschluss-Pflegerente.

Berufswechselprüfung: Jeder dritte Tarif unter Marktstandard

Als eine Art „K.O.-Kriterium“ stellen sich unter anderem die Regelungen zu den „Meldefristen“ dar. Den Marktstandard (Leistungsausprägung: „Keine Hinweise auf eine Meldefrist“) erfüllt hier fast jedes dritte getestete Produkt nicht. Bei diesen 158 Tarifen gibt es entweder eine konkrete Meldefrist von bis zu drei Jahren oder bei verspäteter Meldung eine zeitliche Begrenzung der rückwirkenden Leistung auf sechs bis 24 Monate.

Ein weiteres „K.O.-Kriterium“ sind die Regelungen zur „Berufswechselprüfung“. Hier verzichten fast drei von vier Tarifen auf eine Berufswechselprüfung, was damit nach der Definition von Infinma als Marktstandard anzusehen ist.

Bei den übrigen Produkten, die allesamt den Marktstandard nicht erfüllen, wird ein Berufswechsel innerhalb der letzten sechs bis 24 Monate berücksichtigt. Fast jedes achte Produkt sieht sogar eine abstrakte Verweisung in der Erstprüfung vor.

Bild: Wichert

Vergleichsweise viele Tarife erfüllen auch in Sachen „Prognose“ (101 Produkte bleiben unter dem Marktstandard „Prognosezeitraum voraussichtlich sechs Monate“ zurück) nicht den Marktstandard.

Bild: Wichert

In diesen Kriterien erfüllen alle Produkte den Marktstandard

Beim Kriterium Umorganisation hingegen bilden 415 (Vorjahr: 425) Tarife genau den Marktstandard ab (Leistungsausprägung: „kein Verzicht auf Umorganisation“). Die übrigen 69 (60) Produkte übererfüllen den Marktstandard, weil sie unter bestimmten Bedingungen auf die Umorganisation verzichten.

Bei folgenden Kriterien riss ebenfalls keiner der untersuchten Tarife den Marktstandard: Kostenbegrenzung bei Umorganisation, Erhöhungsoption ohne Anlass, Meldepflicht bessere Gesundheit/ Minderung BU sowie Meldepflicht bei Aufnahme einer Tätigkeit, Leistung bei AU, lebenslange Pflegeleistung und Option auf selbstständige Anschluss-Pflegerente.

Zertifikat an 242 Tarife von 46 Anbietern

Insgesamt hat Infinma aktuell 484 (2016: 485; 2015: 448) BU-Tarife von 79 (Vorjahre jeweils 81) Gesellschaften unter die Lupe genommen. Davon wurden 242 (2016: 201; 2015: 142) Tarife von 46 (45; 36) Anbietern zertifiziert, die in allen oben aufgeführten Kriterien mindestens den Marktstandard erfüllen oder diesen sogar übertreffen.

Eine Liste der zertifizierten Produkte kann unter diesem Link als PDF-Dokument heruntergeladen werden. Eine Übersicht über die einzelnen Marktstandards und die jeweiligen Ausprägungen bei den untersuchten Tarifen steht unter diesem Link als PDF-Dokument zum Download bereit.

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Berufsunfähigkeit · Gesundheitsreform · Rating
 
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