Neue Versicherungslösungen für neue Unternehmensrisiken

12.10.2017 – In seiner jüngsten Sigma-Studie beleuchtet das Swiss Re Institute die massiven Veränderungen im Unternehmenssektor, die vor allem durch die Globalisierung und die Digitalisierung bewirkt werden. Darüber hinaus geht es um die sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Versicherungslösungen. Hier, wird aufgezeigt, hat sich inzwischen einiges getan.

WERBUNG

Im Jahre 1975 machten materielle Vermögenswerte wie Fabriken, Immobilien und Inventar noch 83 Prozent des Gesamtwertes der im S&P 500 vertretenen Unternehmen aus, stellt das Swiss Re Institute in seiner jüngsten Sigma-Studie mit dem Titel „Gewerbeversicherung: Erweiterung der Versicherbarkeit durch Innovation“ fest. 2015 betrug der Anteil nur noch 13 Prozent.

Bild: Wichert

Statt wie noch 1980 produzierende Unternehmen besetzen heute Technologie- und Service-Anbieter die Spitzenpositionen bei den weltgrößten Unternehmen, wird außerdem aufmerksam gemacht. Durch diese Entwicklung verschiebe sich der Fokus im Risikomanagement zunehmend auf Gefährdungen durch immaterielle Faktoren und liege, relativ gesehen, immer weniger auf Sachschäden.

Wandel im Unternehmenssektor erfordert verändertes Risikomanagement

Allein dieser Wandel im Unternehmenssektor erfordere damit zwangsläufig veränderte Ansätze im Risikomanagement der Unternehmen sowie in der Risikobewertung, -minderung und -übertragung. Hinzu komme, dass die Wertschöpfungsketten durch die Globalisierung länger und komplexer geworden und außerdem durch die Digitalisierung neue Risiken entstanden seien.

Daher liege das Augenmerk beim Risikomanagement nun noch mehr auf Betriebsunterbrechungen, die zu finanziellen Engpässen führen und Investitions- und Produktionspläne gefährden können, wird auf Erkenntnisse aus dem „Allianz Risk Barometer“ (VersicherungsJournal 12.1.2017) und aus einer Untersuchung von Aon Risk Solutions verwiesen. Dies mit der Folge, dass das Risiko- und Kapitalmanagement zunehmend integriert betrachtet werden.

Unternehmen suchen zunehmend ganzheitlich Versicherungslösungen

Dringend erforderlich ist dies nicht zuletzt für kleinere, weniger kapitalkräftige Unternehmen, wird in der Studie angemerkt. Für sie sei es daher besonders wichtig, kontinuierlich zu überprüfen, ob sie Risiken selbst tragen oder auf einen Versicherer auslagern.

Insgesamt erwarteten die gewerblichen Versicherungsnehmer verstärkt ganzheitliche Ansätze durch integrierte und umfassende Versicherungslösungen als Ergänzung zu bestehenden Deckungen statt solcher für bestimmte Risikoklassen. Seitens der Assekuranz seien als Reaktion darauf beispielsweise Dual-Trigger-Verträge entwickelt worden.

Dual-Trigger-Verträge als eines der neuen Versicherungsangebote

Hierbei sind der versicherte Schaden der erste Auslöser und ein nicht versichertes Schadenereignis der zweite. Ersetzt werde ein Schaden dann, wenn beide Auslöser zugleich eintreten, wird in der Studie erläutert.

Noch relativ neu sei das Konzept der parametrischen Schäden, wodurch Lücken in konventionellen Deckungen durch Ausschlüsse oder zusätzliche Deckungsgrenzen geschlossen werden könnten. Bei dieser Lösung werden Schadenzahlungen in vorgegebener Höhe geleistet, sobald Schwellenwerte einer oder mehrerer Messgrößen überschritten werden.

Parametrische Lösungen erübrigen zeitraubende Schadenregulierungen

Auf diese Weise könnten durch parametrische Lösungen, bei denen die Höhe der tatsächlich erlittenen Schäden keine Rolle spiele, insbesondere zeitraubende und kostenträchtige Schadenregulierungen vermieden werden. Dem Versicherten werde so zeitnah Liquidität verschafft, die er außerdem nach eigenem Belieben verwenden könne.

Da der Versicherer in diesem Fall den Preis für den Versicherungsschutz auf Basis von Datenmodellierung festlegen könne, biete sich die Möglichkeit für Deckungsangebote, die bei traditionell entschädigungsbasierten Versicherungsprodukten durch Informationsasymmetrie oder die Moral-Hazard-Problematik erschwert sind. Eingesetzt werde diese Variante häufig bei Naturgefahren, wie etwa bei der parametrischen Wetterversicherung.

Bild: Swiss Re Institute, Screenshot Sigma-Studie 5/2017
Bild: Swiss Re Institute, Screenshot Sigma-Studie 5/2017

Regulatorische Einschränkungen bremsen Innovationen zuweilen aus

Mit Blick auf das steigende Bedürfnis der Unternehmen, sich gegen die Ertrags- und Cashflow-Volatilität abzusichern, wird darauf verwiesen, dass inzwischen Betriebsunterbrechungen auch ohne vorangegangene Sachschäden sowie Cyber-Risiken oder Produktrückrufe versichert werden können. Selbst der Aufbau neuer Geschäftsmodelle sei durch innovative Ansätze ermöglicht worden.

Dies beispielsweise im Bereich der Sharing-Economy-Start-ups. Und sogar für Marketingzwecke und zur Produktdifferenzierung sei der Risikotransfer inzwischen in einigen Fällen nutzbar, wird in der Sigma-Studie angemerkt.

All diese neuen Lösungen erweiterten die Grenzen der Versicherbarkeit und damit zugleich die Bedeutung von Versicherungslösungen beim Risikomanagement, so das Fazit. „Gegenwind für die Umsetzung neuer Konzepte“ gebe es jedoch manchmal in Form von regulatorischen Einschränkungen, wird am Rande moniert.

Die Sigma-Studie 5/2017 „Gewerbeversicherung: Erweiterung der Versicherbarkeit durch Innovation“ steht auf dieser Internetseite als PDF-Dokument zum Herunterladen bereit.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Digitalisierung · Gewerbeordnung · Gewerbeversicherung · Immobilie · Marketing · Schadenregulierung
 
WERBUNG
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

WERBUNG
WERBUNG
Keine Angst vorm Zahnarzt!

Fondsverkauf einfach gemacht

Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich auf eine Zielgruppe zu spezialisieren?

Welche Vorteile eine Spezialisierung besonders in Bezug auf Zahnärzte bietet, erfahren Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
18.10.2017 – Der VDVM nannte in einem Pressegespräch Beispiele von Versicherern mit guter und schlechter Leistungspraxis. Weitere Themen waren Engpässe im Markt der Gewerbe- und Industrieversicherung und warum russische Versicherer Retter in der Not sein können. Zudem offenbarten die Mitglieder ihre wirtschaftliche Lage. (Bild: Meyer) mehr ...
 
13.6.2017 – Das Thema Insurtech ist ein Megaseller. Das zeigte der große Andrang bei einer Tagung der Technischen Hochschule in Köln. Ob die neuen Anbieter tatsächlich erfolgreich sein können, blieb in den Diskussionen umstritten. (Bild: Schmidt-Kasparek) mehr ...
 
24.1.2017 – Roboter statt menschliche Arbeitskraft: Dieses Szenario wird auch in der Versicherungswirtschaft zur Realität. Welche Arbeiten besonders bedroht und welche nicht so einfach zu ersetzen sind, zeigt der E-Marketing-Experte Dennie Liemen. (Bild: Liemen) mehr ...
 
13.10.2017 – Die Gewerbeversicherungen bleiben zwar beim personengebundenen Vertrieb, aber Vergleicher und Portale werden an Bedeutung gewinnen, meint Gothaer-Vorstand Dr. Christopher Lohmann im Interview. Um die Gewerbekunden geht es auch im neuen VersicherungsJournal Extrablatt 4|2017. (Bild: Lier) mehr ...
 
18.9.2017 – Mit immer neuen Ratings buhlen immer neue Anbieter um die Gunst der freien Vermittler. Jetzt hat erstmals auch ein Insurtech ein Produkt-Rating gestartet, um Vergleiche zu erleichtern. Was ein erster Check durch das VersicherungsJournal zeigt. (Bild: Wefox) mehr ...
 
14.8.2017 – In den Meldungen zum Halbjahresergebnis verweisen die Munich Re, die W&W und MLP nicht zuletzt auf positive Auswirkungen strategischer Maßnahmen. Die Gewinne entwickelten sich unterschiedlich. mehr ...
 
8.8.2017 – Die Diesel-Affäre belastet nicht nur die Umwelt. Rechtsschutzversicherer fürchten eine große Schadenwelle. So auch die Münchener Gesellschaft, die 2016 bei den Bruttobeiträgen kräftig zulegte. Auch die Ertragslage verbesserte sich deutlich. mehr ...
 
7.6.2017 – Das in Gründung befindliche digitale Schadenversicherungs-Unternehmen formiert seine Geschäftsleitung. Für die Kundenzufriedenheit setzt sich das Insurtech hohe Ziele und setzt dafür auf einen etablierten Partner. (Bild: VAV Versicherung AG) mehr ...
 
29.5.2017 – Auf der Suche nach dem rechten Weg in die Zukunft setzt die Assekuranz vor allem auf Insurtechs, wie auch jüngste Beispiele von Axa, Gothaer, R+V und anderen wieder zeigen. Zugleich werden klassische Grenzen zwischen Branchen mehr und mehr aufgeweicht. mehr ...