Mit Einmalbeitrag lässt sich nicht spekulieren

1.2.2017 – Nur noch rund 34 Gesellschaften bieten im Neugeschäft eine klassische Rentenversicherung an. Der Marktüberblick der Kölner Ratingagentur Assekurata hat erstmals auch Einmalbeitragsgeschäft abgefragt. Besonders auskunftswillig zeigte sich ein großer Teil der Branche nicht.

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Von den 52 (Vorjahr: 62) Unternehmen, die an der aktuellen, mittlerweile 15. Studie der Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH zu den Deklarationen teilgenommen haben, senkt nur die SV Sparkassenversicherung Lebensversicherung AG ihre laufende Verzinsung für 2017 nicht. Dieser Trend hatte sich bereits abgezeichnet (VersicherungsJournal 13.1.2017).

Hohe Kosten

Bei den klassischen Produkten sinkt die laufende Verzinsung für 2017 über alle Tarifgenerationen und Produktarten im arithmetischen Mittel auf 2,88 (Vorjahr: 3,11) Prozent und im gewichteten Mittel auf 2,95 (3,17) Prozent. Ältere Bestände profitierten vom Garantiezins, jüngere Bestände lägen zum Teil deutlich unter diesem Wert, erläuterte Studienleiter Lars Heermann.

Bild: Assekurata
Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: Assekurata)

Die garantierte Beitragsrendite des von Assekurata zugrunde gelegten Mustervertrags mit einer Ansparzeit von 25 Jahren beträgt im Durchschnitt 0,11 (0,42) Prozent. Elf Anbieter schaffen beim Höchstrechnungszins 0,9 Prozent keine positive Beitragsrendite mehr.

Die illustrierte Beitragsrendite nimmt auf 2,39 (2,58) Prozent ab; den höchsten Wert erreicht hier mit 3,46 Prozent die Europa Lebensversicherung AG, den niedrigsten mit 1,55 Prozent die Iduna Vereinigte Lebensversicherung a.G.

Bild: Wichert

Saftige Abschläge

Nur noch 20 bis 30 Prozent des Marktvolumens sind nach Analyse von Assekurata klassisches Geschäft. Dieses spiele vor allem in der betrieblichen Altersvorsorge noch eine „gewisse“ Rolle. Nur noch 34 Gesellschaften bieten klassische Rentenverträge mit dem neuen Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent. Weitere elf Anbieter agierten mit einem niedrigeren Rechnungszins in einem Randbereich zur Neuen Klassik.

Erstmals untersucht wurde das Geschäft gegen Einmalbeitrag. Die oft befürchtete oder unterstellte Spekulation gegen das Kollektiv lässt sich nach Analyse von Assekurata nicht bestätigen. Beim Mustervertrag mit einer Aufschubzeit von zwölf Jahren ist die illustrierte Beitragsrendite nach einem Versicherungsjahr mit minus 5,16 Prozent im Durchschnitt negativ.

Im günstigsten Fall erhalte der Kunde eine Beitragsgarantie. Die Unterschiede in diesem Geschäft seien größer als in der Prämie gegen laufenden Beitrag, so Assekurata-Chef Dr. Reiner Will. Nach zwölf Jahren beträgt die illustrierte Beitragsrendite 1,6 Prozent; im günstigsten Fall wird der Einmalbeitrag mit 3,22 Prozent effektiv verzinst – im schlechtesten Fall sind es nur 0,25 Prozent.

Vertrauensbasis für das Neugeschäft

Dass immer weniger Lebensversicherer an der Marktstudie teilnehmen, stößt bei Will auf harte Kritik. „Die Studienerhebung geht weit über die Abfrage der reinen Neugeschäftsdeklaration hinaus“, sagt er zum Informationsverhalten der Nichtteilnehmer.

Auch wer das Neugeschäft mit klassischen Garantien ganz oder in Teilen eingestellt habe, müsse seine Bestandskunden informieren. „Jeder Versicherer kann grundsätzlich mit seinen Daten zur Markttransparenz beitragen. Und jeder Versicherer mit einer klassischen Vergangenheit hat auch Kunden, für die dies ein wichtiges Informationsthema ist.“

Hinzu komme, dass neue Produkte oft in Teilen auf dem klassischen Deckungsstock basierten – und „Neugeschäft braucht eine Vertrauensbasis.“ Für die Studie wurden 550 (450) Items abgefragt, die nicht notwendigerweise alle beantwortet werden mussten.

Löbliche Ausnahmen und andere

Als „extrem transparent“ lobte Will die Stuttgarter Lebensversicherung a.G., die Iduna, die Huk-Coburg-Lebensversicherung AG, die SV Sparkassenversicherung Lebensversicherung AG und die Hannoversche Lebensversicherung AG. Diese Gesellschaften hätten „alle Datenfelder ausgefüllt, auch die ganz sensiblen“. Nach Beobachtung der Assekurata korrelieren Nicht-Teilnahme und unterdurchschnittliche Ertragskraft miteinander. Viele Anbieter haben allerdings nicht teilgenommen.

Wer keine Daten geliefert hat

Nicht teilgenommen haben: Arag Lebensversicherungs-AG, Athene Lebensversicherung AG, Basler Lebensversicherungs-AG, Basler Leben AG Direktion für Deutschland, Bayerische Beamten Lebensversicherung a.G., Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG, Ergo Direkt Lebensversicherung AG, Ergo Lebensversicherung AG, Generali Lebensversicherung AG, Interrisk Lebensversicherung AG, Karlsruher Lebensversicherung AG, Landeslebenshilfe VVaG, Münchener Verein Lebensversicherung a.G., Öffentliche Leben Berlin-Brandenburg AG, Plus Lebensversicherungs AG, Rheinland Lebensversicherung AG, Saarland Lebensversicherung AG, Süddeutsche Lebensversicherung a.G., Universa Lebensversicherung a.G., Victoria Lebensversicherung AG, VPV Lebensversicherungs-AG, WWK Lebensversicherung a.G. und Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG.

Keine Angaben machten auch die Lebensversicherer mit fondsgebundenen Produkten Heidelberger Lebensversicherung AG, Skandia Lebensversicherung AG und Vorsorge Lebensversicherung AG sowie die Risikolebensversicherer Deutsche Lebensversicherungs-AG, Dialog Lebensversicherungs-AG und Direkte Leben Versicherung AG.

Die „Marktstudie zu Überschussbeteiligungen und Garantien 2017: ‚Wenn Du eine Garantie haben willst, dann kauf Dir eine Lebensversicherung!?‘“ kann unter diesem Link bei Assekurata ab netto 689 Euro bestellt werden.

Leserbriefe zum Artikel:

Peter Schramm - Spekulation gegen das Kollektiv ist möglich. mehr ...

 
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