Lebensversicherer rüsten kräftig auf

5.5.2017 – Der Münchener Verein bringt eine neue fondsgebundene Rente, die Hannoversche eine neue Berufsunfähigkeits-Versicherung, die Debeka eine neue Riester-Rente und die Basler eine neue Risikoleben-Police an den Markt. Das Sterbegeld der LV 1871 ist nun online abschließbar. Die deutsche Zurich vereinheitlicht die Hochrechnungsmethode bei ihren Fondspolicen, was den Vergleich erleichtern soll.

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Die Zurich Gruppe Deutschland will beim Vergleich von Fondspolicen sowohl bei Riester- und Basis-Rente als auch bei privater Lebensversicherung und betrieblicher Altersvorsorge (bAV) einheitlich die Bruttomethode anwenden. Gesetzlich verpflichtend gilt dies Jahresbeginn 2017 nur für staatlich geförderte Produkte.

Was ist brutto, was netto?

Die Bruttomethode berücksichtigt in der Hochrechnung die Fondskosten und zieht diese von der angenommenen Wertentwicklung ab. Bei der Nettomethode werden die Fondskosten nicht abgezogen, aber Rückvergütungen aus den Fondskosten gutgeschrieben.

Bei der Nettomethode erscheinen die Leistungen höher als bei der Bruttomethode. Die unterschiedlichen Methoden erschweren den Vergleich zwischen den Schichten. Ist in den Hochrechnungen nicht erkennbar, welche Methode angewendet wurde, sind diese Produkte kaum noch vergleichbar, so der Versicherer.

Fondsgebundene Rente für Honorarberater

Um ein ganz anderes Netto geht es bei der neuen Fondspolice „PrivatInvest“. Um ihr strategisches Geschäftsfeld „Fondsgebundene Rentenversicherung“ zu stärken, bietet die Münchener Verein Lebensversicherung AG seit Anfang Mai einen Fonds-Nettotarif, den vor allem Honorarberater beziehungsweise -vermittler verkaufen sollen. Das ist auch online möglich.

Die Mindestlaufzeit des neuen Tarifs beträgt fünf Jahre. Die Ansparzeit endet spätestens beim Alter von 85 Jahren. Bei Rentenbeginn besteht die Wahl zwischen garantiert lebenslanger Rente, einmaliger Kapitalauszahlung oder einer Kombination aus beidem.

Für die Anlage stehen 50 Fonds zur Auswahl; darunter auch ETF und Anlageklassen-Fonds. Die Beiträge können in maximal zehn Fonds aufgeteilt werden. Der Münchener Verein nimmt auch Einmalbeiträge von bis zu zehn Millionen Euro.

Des Weiteren sind Zuzahlungen bis maximal 100.000 Euro möglich. Im Rahmen eines aktiven Ablaufmanagements wird das Fondsguthaben kurz vor Rentenbeginn abgesichert, beispielsweise in risikoärmere Fonds kostenfrei umgeschichtet, erläutert der Versicherer.

Günstiger BU-Einstieg für ältere Junge

Bei der neue Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherung der Hannoverschen Lebensversicherung AG gilt der günstige Startertarif für Studenten, Azubis und Berufseinsteiger bis zum Alter von 35 Jahren. Versicherte, die sich nach Ende der Startphase immer noch in Ausbildung oder im Studium befinden, können diese Startphase um weitere fünf Jahre verlängern.

Beim Starter-Tarif gibt es fünf Jahre lang die volle Leistung zum halben Preis – gemessen am Normaltarif des Versicherers. Familien mit mindestens einem Kind erhalten einen Beitragsrabatt. Das gilt auch für unverheiratete Paare.

Der Tarif hat Nachversicherungs-Garantien zum Beispiel bei Familienzuwachs oder Hauskauf. Für einen Inflationsausgleich können eine Leistungsdynamik – eine garantiert steigende Rente während des Rentenbezugs – und eine Beitragsdynamik – eine jährliche Erhöhung der versicherten Rente – vereinbart werden.

Ab Antragseingang besteht nach Unternehmensangaben ein weltweiter Sofortschutz bei unfallbedingter Berufsunfähigkeit. Der Tarif verzichtet auf abstrakte Verweisung. Bei Streitfällen im Leistungsfall können die Kunden Verbraucherschützer mit in die Leistungsprüfung einbeziehen. Die Hannoversche beteiligt sich dann mit bis zu 500 Euro an den Kosten.

Einfache Risikoversicherung

Mit einem Monatsbeitrag von 2,50 Euro dringt die Basler Lebensversicherungs-AG mit ihrer neuen Risikolebens-Versicherung in das Preissegment der Direktversicherer vor, so der Versicherer in einer Pressemeldung. Der Tarif wird mit gleichbleibender und fallender Versicherungssumme sowie einer Kombination beider Varianten angeboten. Versichert werden können Leistungen zwischen 25.000 Euro und einer Million Euro. Auf eine Unterscheidung nach Berufsgruppen wird verzichtet.

Für Personen bis 39 Jahre wurde die Gesundheitsprüfung in einem eigens für diese Zielgruppe entwickelten Antrag für eine Versicherungssumme von bis zu 300.000 Euro nach Unternehmensangaben extrem vereinfacht.

Angeboten werden Nachversicherungs-Garantien mit und ohne Anlass. Bei Geburt eines Kindes oder beim Kauf einer Immobilie kann die Versicherungssumme ohne erneute Gesundheitsprüfung erhöht werden. Ohne konkreten Anlass kann während der Vertragslaufzeit zweimal zu festgelegten Terminen erhöht werden.

Ab dem vierten Versicherungsjahr wird im Todesfall des Versicherten eine Soforthilfe von zehn Prozent der Versicherungssumme an die Begünstigten ausgezahlt, ohne dass der Leistungsfall vorab geprüft wird. Bei schweren Krankheiten wird bei der Tarifvariante mit konstanter Todesfallleistung die Versicherungssumme vorzeitig ausgezahlt, wenn ein Facharzt bestätigt, dass die voraussichtliche Lebenserwartung des Versicherten noch maximal zwölf Monate betragen wird, wird weiter mitgeteilt.

Sterbegeld mit Rechtsberatung

Das „Sterbegeld Plus“ der Lebensversicherung von 1871 a.G. München (LV 1871) kann inzwischen auch direkt online abgeschlossen werden. Nach Auswahl der Produktvariante kommen Kunde oder Vermittler in sechs kurzen Schritten zum Abschluss, verspricht der Anbieter.

Der Sterbegeld-Tarif schließt eine einstündige Erbrechtsberatung mit einem Rechtsanwalt einmal pro Kalenderjahr ein. Diese Leistung kann nach dem Tod einmalig auch von einem Bezugsberechtigten in Anspruch genommen werden.

Unter www.vorsorgeweitblick.de hat die LV 871 zudem einen digitalen Nachlassplaner in ihre Sterbegeldlösungen integriert. Der digitale Nachlassplaner kündigt beispielsweise den Handyvertrag mit der Meldung des Todes und macht auf Wunsch aus dem Facebook-Account eine Gedenkseite. Voraussetzung ist, dass der Versicherte seine Vertragsbeziehungen und Wünsche digital im Nachlassplaner hinterlegt hat.

Flexible Riester-Rente

Die neue Riester-Rente des Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. verzinst Beiträge und Zulagen mit dem aktuellen Höchstrechnungszins von 0,9 Prozent und bietet zudem eine Anlage in Fonds. Entstehende Überschüsse fließen in den hausinternen „Debeka Global Shares“.

Die Riester-Rente beinhaltet ein Ablaufmanagement, das drei Jahre vor Rentenbeginn beginnt. Damit werden ab diesem Zeitpunkt die Sparanlagen in einen risikoärmeren Fonds umgeschichtet. Die Versicherten können Teilauszahlungen in Anspruch nehmen und Sonderzahlungen bis zum Höchstbeitrag leisten. Die Rentenzahlung kann flexibel – zwischen dem 62. Lebensjahr und dem Eintritt in die gesetzliche Rente – abgerufen werden.

Die Debeka hatte nach der Absenkung des Höchstrechnungszinses auf 0,9 Prozent (VersicherungsJournal 1.6.2016) „aus organisatorischen Gründen“ einige Monate keine Riester-Produkte im Programm (VersicherungsJournal 3.3.2017). Anders als einige Wettbewerber (VersicherungsJournal 9.1.2017) haben die Koblenzer den Vertrieb von Riester-Policen allerdings nicht komplett eingestellt.

 
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