Krankenkassen schreiben rund 2,5 Milliarden Euro Überschuss

7.12.2017 – In den ersten drei Quartalen 2017 hatten die gesetzlichen Krankenkassen einen Überschuss von rund 2,5 Milliarden Euro zu verzeichnen, wie die vorläufigen Finanzergebnisse aus dem Gesundheitsministerium zeigen. Alle Kassenarten lagen im Plus. Die Ausgaben stiegen vergleichsweise moderat an.

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Die gesetzlichen Krankenkassen haben nach den vorläufigen Finanzergebnissen in den ersten neun Monaten mit 174,2 Milliarden Euro rund 2,5 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben (etwa 172,2 Milliarden Euro). Dies teilte das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) am Mittwoch mit.

Damit hat sich der Überschuss im Vergleich zum ersten Halbjahr, als es rund 1,5 Milliarden Euro waren (VersicherungsJournal 11.9.2017), um rund zwei Drittel erhöht. Ende März hatte das Plus bei gut 600 Millionen Euro gelegen (VersicherungsJournal 27.6.2017).

Zum Vergleich: In den ersten drei Quartalen des Vorjahres lag der Überschuss „nur“ bei etwa 1,55 Milliarden Euro (VersicherungsJournal 9.12.2016). Im Jahr zuvor hatte sich nach Ministeriumsangaben noch ein Minus von rund 400 Millionen Euro angehäuft (VersicherungsJournal 7.12.2015).

Alle Kassenarten im Plus

Anders als in den beiden Vorquartalen stand nach den BMG-Daten für alle Kassenarten ein Plus zu Buche. Auch die Landwirtschaftliche Krankenversicherung schaffte den Turnaround und schloss die ersten neun Monaten mit einem Überschuss im niedrigen zweistelligen Millionenbereich ab.

Für die Innungskrankenkassen (IKKen), die Knappschaft-Bahn-See und die Betriebskrankenkassen (BKKen) weist das Ministerium ein Plus jeweils im niedrigen dreistelligen Millionenbereich aus. Bei jeweils rund einer Milliarde Euro Überschuss lagen die Ersatzkassen und die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen).

Bild: Wichert

Während die IKKen im Vergleich zur Jahresmitte um rund ein Drittel und die Knappschaft um fast die Hälfte zulegten, verdoppelten die BBKen ihren Überschuss. Um über zwei Drittel auf über eine Milliarde Euro bauten die AOKen ihr Plus aus. Die BKKen verdoppelten das Plus.

BMG-Prognose: 8,5 Milliarden Euro Liquiditätsreserve zum Jahresende 2017

Wie das Ministerium weiter mitteilte, verzeichnete der Gesundheitsfonds, der Ende 2016 über eine Liquiditätsreserve von rund 9,1 Milliarden Euro verfügte, zwischen Januar und September einen saisonüblichen Ausgabenüberhang von rund 3,7 Milliarden Euro. Zusammen mit den Finanzreserven der Kassen, die laut BMG Ende September bei 18,6 Milliarden Euro lagen, errechnen sich rund 24 Milliarden Euro an Rücklagen insgesamt.

Aus den vorgenannten Zahlen könnten allerdings keine Rückschlüsse auf die Entwicklung bis zum Jahresende gezogen werden. Denn im Unterschied zu den Ausgaben des Gesundheitsfonds, die als monatlich gleiche Zuweisungen an die Krankenkassen fließen, gebe es bei den Einnahmen unterjährig „erhebliche“ Schwankungen. So flössen dem Gesundheitsfonds im November und Dezember „weitestgehend“ die Einnahmen aus der Verbeitragung von Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeldzahlungen zu.

Deshalb fällt die Prognose des Gesundheitsministeriums für das Gesamtjahr 2017 deutlich positiver aus – es wird mit einem Ausgabenüberhang in Höhe von lediglich etwa 0,6 Milliarden Euro gerechnet. Dadurch sinkt die Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds zum Jahresende voraussichtlich auf 8,5 Milliarden Euro.

Spielräume für gute Leistungen

„Auf Basis der bisherigen Finanzentwicklung und der Erwartungen des Schätzerkreises für das laufende und kommende Jahr spricht alles dafür, dass die gesetzlichen Krankenkassen ihre Überschüsse im vierten Quartal weiter ausbauen und auch im Jahr 2018 die nötigen Finanz-Spielräume für gute Leistungen bei attraktiven Beiträgen für die Versicherten haben“, teilte das Ministerium anlässlich der Veröffentlichung der Finanzergebnisse weiter mit.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe kommentierte die Ergebnisse wie folgt: „Es ist gut, dass unsere Verbesserungen, etwa in der Prävention oder der Hospiz- und Palliativversorgung, bei den Versicherten ankommen. Gleichzeitig zeigen die weiter steigenden Finanzreserven der gesetzlichen Krankenversicherung, dass es richtig war, den Experten im Schätzerkreis zu folgen und den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz abzusenken“ (VersicherungsJournal Medienspiegel 27.10.2017).

Es liegt nun in der Hand der einzelnen Krankenkassen, diese Spielräume im Sinne ihrer Versicherten auszuschöpfen.

Bundesgesundheits-Minister Hermann Gröhe

Mit 18,6 Milliarden Euro Finanzreserven hätten viele Kassen gute Spielräume für hochwertige Leistungen bei attraktiven Beiträgen. „Es liegt nun in der Hand der einzelnen Krankenkassen, diese Spielräume im Sinne ihrer Versicherten auszuschöpfen“, so der Minister weiter.

Ausgabenzuwächse sind abgeflacht

Das BMG nannte auch Daten zur Entwicklung der Ausgaben. Demnach hat sich der Ausgabenzuwachs in der GKV im Vergleich zu den Vorjahren abgeflacht. Lag dieser 2014 absolut noch bei 5,7 Prozent, waren es 2015 nur noch 4,0 Prozent, 2016 nur noch 4,2 Prozent – und in den ersten neun Monaten 2017 sogar nur noch 3,7 Prozent.

Den Ausgabenzuwachs je Versicherten bezifferte das Ministerium auf 2,4 Prozent. Die große Diskrepanz zum absoluten Anstieg begründete das Ministerium einerseits mit der deutlich angestiegenen Versicherten- und Mitgliederzahl (VersicherungsJournal 19.10.2017).

Zudem seien die Versicherten-Neuzugänge der letzten Zeit jünger und gesünder. Dadurch nähmen sie „auch weniger Gesundheitsleistungen in Anspruch als die gleichaltrigen Bestandsversicherten“, so das BMG.

Ausgaben für Psychotherapie angestiegen

Leistungsseitig überproportional hohe Zuwächse gab es mit über sechs Prozent im Bereich Heilmittel. Hierfür waren laut Ministerium „deutliche Honorarerhöhungen der Heilmittelerbringer nach Inkrafttreten des Heil- und Hilfsmittelversorgungs-Gesetzes ab dem zweiten Quartal 2017“ verantwortlich.

Um fast sechs Prozent stiegen auch die Leistungsausgaben im Bereich Behandlungspflege/ häusliche Krankenpflege an. Dies liegt allerdings deutlich unter den oft zweistelligen Zuwachsraten früherer Jahre (VersicherungsJournal 8.3.2016).

Besonders deutliche Mehrausgaben gab es bei der psychotherapeutischen Versorgung (plus 13,4 Prozent). Detaillierte Gründe für die Entwicklungen sind den BMG-Daten nicht zu entnehmen.

Bild: BMG
Zum Vergrößern Bild klicken (Bild: BMG)

Größter Kostenblock bleiben die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen mit 56,9 Milliarden Euro, was einem Anteil von knapp einem Drittel entspricht. Dahinter folgen die der vertragsärztlichen Versorgung zugutekommenden Ausgaben (absolut: rund 32,0 Milliarden Euro; Anteil: fast 19 Prozent) sowie diejenigen für Arzneimittel aus Apotheken (knapp 29,7 Milliarden Euro; Anteil gut 17 Prozent).

Schlagwörter zu diesem Artikel
Apotheker · Gesetzliche Krankenversicherung · Gesundheitsreform
 
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