Ertragspuffer der Lebensversicherer schmelzen dahin

30.11.2016 – Bei mehr als jedem vierten Lebensversicherer reichten 2015 die anzurechnenden Kapitalerträge aus den Kundengeldern im Sinne der Mindestzuführungs-Verordnung (MindZV) nicht mehr aus, um die Rechnungszins-Verpflichtungen vollständig zu bedienen. So das Ergebnis der Assekurata-Studie „EKG-Check 2016“. Die Folge: Die Gefahr, dass Erträge zulasten der übrigen Kundengruppen wie Berufsunfähigkeits- oder Risikolebensversicherte querverrechnet werden, steigt.

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Die Lage ist paradox: Um die Altlasten aus Garantieversprechen und Zuführung zur Zinszusatzreserve (ZZR) zu stemmen, müssen die Lebensversicherer trotz Niedrigzinsumfeld immer mehr Kapitalerträge erwirtschaften.

Gelingt ihnen das nicht, können sie dank einer Änderung der Mindestzuführungs-Verordnung im Zuge des LVRG die Lücken durch andere Ergebniskomponenten ausgleichen. Dies kann dann zu Lasten von anderen Kollektiven – etwa den Berufsunfähigkeits- oder Risikolebens-Versicherten – gehen (VersicherungsJournal 26.2.2016).

Beitragsanpassungen als Folge

Vor diesem Hintergrund hat die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH 75 deutsche Lebensversicherer einem „Check“ hinsichtlich ihrer Ertragskraft unterzogen. Das Ergebnis: Bei 20 Unternehmen reichten 2015 die anzurechnenden Kapitalerträge aus den Kundengeldern im Sinne der Mindestzuführungs-Verordnung (MindZV) nicht mehr aus, um die Rechnungszins-Verpflichtungen vollständig zu bedienen.

„Dies erhöht den Druck auf alternative Ergebnisquellen und lässt die Querverrechnungsgefahr zwischen den Ergebnistöpfen steigen“, kommentiert Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse und Bewertung der Kölner Rating-Agentur, das Ergebnis seiner Studie. Wird mit dem Risikoergebnis querverrechnet, treffe dies Risikolebens- oder Berufsunfähigkeits-Versicherte, die dann mit höheren Beiträgen zu rechnen hätten.

Neue Kennzahlen

Ob die 20 Gesellschaften ihre Lücken im Kapitalergebnis bereits zu Lasten von anderen Versicherten gestützt haben, lässt sich, so Heermann, nicht sagen. Möglicherweise seien auch Erträge aus den unternehmenseigenen Kapitalanlagen zur Deckung herangezogen worden.

Die Assekurata-Studie analysiert die Ertragslage der Lebensversicherer auf Basis der HGB-Regeln und im Hinblick darauf, dass sie langfristig ihren Leistungsversprechen sowie der Dotierung der Zinszusatzreserve nachkommen müssen. Die Ergebnisse verstehen sich nicht als Rating. Sie basieren auf den Angaben der Unternehmen zur Gewinnzerlegung, welche diese seit der Rechnungslegung 2014 veröffentlichen müssen.

Für die Studie wurden nach Unternehmensangaben einige neue Kennzahlen und Auswertungen entwickelt wie beispielsweise die „Break-Even-Nettoverzinsung“. Sie gibt die grundsätzliche Abhängigkeit der Lebensversicherer von ihrem Kapitalanlageergebnis wider: Je höher sie ausfällt, desto mehr Kapitalanlagerendite muss ein Lebensversicherer erzielen, um Verluste beim Rohüberschuss zu vermeiden.

Kein Schwarz und Weiß

Im Branchenschnitt ist diese Kennzahl im vergangenen Jahr wegen der hohen Rechnungszins-Anforderungen aus Altgarantien und ZZR auf durchschnittlich 3,22 (2014: 2,91) Prozent gestiegen.

Dies bedeutet: Marktweit hätte eine Nettoverzinsung von weniger als 3,22 Prozent rechnerisch zu einem negativen Branchen-Rohüberschuss geführt. Damit hätte der gesamte Markt dann auf weitere Ergebniskomponenten wie etwa das Risiko- oder das Kostenergebnis zurückgreifen müssen, um die Garantieversprechen und die Zuführung zur ZZR zu leisten.

Wie groß die Anforderungen an die Break-Even-Nettoverzinsung für jedes Unternehmen an sich sind, hängt unter anderem vom Geschäftsmix des einzelnen ab: Versicherer mit großen Beständen an den Tarifgenerationen mit 4,0 oder 3,5 Prozent Garantiezins haben höhere Hürden zu überspringen als solche mit kleinen oder gar keinen drückenden Altgarantien. So gibt es laut Assekurata eine breite Spanne von plus 4,34 bis minus 29,76 Prozent.

Einige können einiges wegstecken

Aus diesem Grund liege bei einem Dutzend Anbieter die Break-Even-Nettoverzinsung oberhalb von vier Prozent, so Heermann. Einige Gesellschaften mit anders gelagertem Geschäftsprofil profitierten dagegen von einer viel geringeren Break-Even-Nettoverzinsung und könnten sich zum Teil sogar eine negative Nettoverzinsung leisten.

Mit den Kennzahlen Ertragskraft-Garantie-Profil (EKG-Profil) und Ertragskraft-Garantie-Quote (EKG-Quote) will Assekurata die Wechselwirkungen zwischen Ertragskraft und Garantie messbar und vergleichbar machen. Diese „Standhaftigkeits-Indikatoren“ sollen die bestehenden Rechnungszins-Anforderungen mit der vorhandenen Ertragskraft abgleichen, wobei neben der Kapitalanlage auch die weiteren Ergebnisquellen und die anteiligen Bewertungsreserven berücksichtigt werden.

Die Spanne bei den Ergebnissen ist dabei groß: Spezialversicherer mit einem zinsunabhängigeren Geschäftsprofil seien grundsätzlich im Vorteil gegenüber kapitalbildenden Anbietern, heißt es.

Allerdings trenne sich hier auch inzwischen die „Spreu vom Weizen“: So gebe es Unternehmen mit EKG-Quoten von über 400 Prozent und solche mit Quoten unter 200 Prozent. Zur Top Drei gehören der Studie zufolge die Delta Direkt Lebensversicherung AG, die Dialog Lebensversicherungs-AG und die Deutsche Lebensversicherungs-AG.

Viele Standbeine

Das EKG-Profil der zehn größten Lebensversicherer (nach Prämien) zeige, dass sich angesichts des Zinsdrucks das Profil von 2014 nach 2015 insgesamt nach unten geschoben habe, wird in der Studie ausgeführt. Mit Ausnahme der Aachen Münchener Lebensversicherung AG und der Generali Lebensversicherung AG hätten in der Top-Ten zudem die Zinsanforderungen zugenommen.

EKG-Profil 2015 der Branchengrößen (Bild: Assekurata)
EKG-Profil 2015 der Branchengrößen (Bild: Assekurata)
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Bei diesem Profil werden die definierte Ertragskraft und die bestehenden Rechnungszins-Anforderungen einheitlich an der Deckungsrückstellung als Bezugsgröße relativiert und in ein Koordinatensystem überführt. Von Vorteil sei jeweils eine Position möglichst weit links oben, da diese auf eine geringe Rechnungszins-Anforderung und eine insgesamt hohe Ertragskraft hindeuteten.

In der Assekurata-Bewertung kommen solche Gesellschaften gut weg, die über eine starke Kapitalanlage mit substanziellen Bewertungsreserven, Kostenvorteilen sowie Ausgleichsgeschäften jenseits der konventionellen Lebensversicherung verfügen.

EKG-Profil 2015 Gesamtmarkt (Bild: Assekurata)
EKG-Profil 2015 Gesamtmarkt (Bild: Assekurata)
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Teure Zinszusatzreserve

In der Studie wird erneut die Forderung nach einer Änderung des Modus für die ZZR-Zuführung (VersicherungsJournal 17.6.2016) erhoben. Anhand aktueller Hochrechnungen prophezeit Assekurata bis 2025 branchenweit ein ZZR-Volumen von 150 bis 240 Milliarden Euro.

Die rund 40-seitige Studie „EKG-Check 2016“ kostet netto ab 529 Euro und kann auf den Seiten des Anbieters bestellt werden.

 
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