Die häufigsten Ursachen von schweren Verkehrsunfällen

11.8.2017 – 2016 hat es nach der Verkehrsunfallstatistik von Destatis wieder mehr Verkehrsunfälle gegeben als im Jahr zuvor. Erhöht hat sich auch die Zahl der bei Verkehrsunfällen verletzten und getöteten Personen. Im Langfristvergleich waren die Zahlen allerdings deutlich rückläufig. Die meisten Unfälle mit Personenschäden sind auf menschliches Versagen zurückzuführen, vor allem beim Abbiegen, Wenden, Rückwärts- oder beim Ein- beziehungsweise Ausfahren in eine Straße.

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Im vergangenen Jahr gab es knapp 2,6 Millionen polizeilich erfasste Verkehrsunfälle, rund 2,7 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bei 2,2 Millionen Unfällen davon kam es ausschließlich zu Sachschäden.

Bei 308.145 Verkehrsunfällen (plus 0,8 Prozent im Vergleich zu 2015) wurden Personen verletzt oder getötet. Dies geht aus der Verkehrsunfallstatistik 2016 des Statistischen Bundesamtes (Destatis) hervor.

Auch auf lange Sicht deutlich weniger Personenschäden

Insgesamt wurden bei Verkehrsunfällen im vergangenen Jahr 396.666 Menschen verletzt, was einer Abnahme um 0,8 Prozent entspricht. 3.206 Personen wurden getötet, das sind 7,3 Prozent weniger als 2015 – und der absolute Tiefststand seit dem zweiten Weltkrieg.

Seit der Jahrtausendwende ist die Anzahl der Unfälle mit Personenschäden genauso wie diejenige der dabei „nur“ Verletzten um jeweils rund ein Fünftel zurückgegangen. Die Zahl der Getöteten war damals sogar fast zweieinhalb Mal so groß. Seit 1970, als mit 21.332 Verkehrstoten der Höchststand erreicht wurde, ist die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten um rund 85 Prozent zurückgegangen.

Über zwei Drittel der Unfälle mit Personenschaden ereigneten sich innerhalb von Ortschaften, wie aus dem Destatis-Datenmaterial weiter hervorgeht. Allerdings wurde dort nicht einmal ein Drittel der Getöteten registriert.

Knapp jeder vierte Personenschadenunfall geschah auf Außerortsstraßen (ohne Autobahnen), wo dafür aber deutlich mehr als die Hälfte der Verkehrsopfer ums Leben kamen. Knapp jeder achte Getötete wurde auf Autobahnen gezählt, wo allerdings nicht einmal jeder 15. Unfall mit Personenschaden passierte.

Bild: Wichert
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Höhere Geschwindigkeit, schlimmere Folgen

„An dieser unterschiedlichen Verteilung von Unfällen und Getöteten wird deutlich, dass die Unfälle auf den Außerortsstraßen unter anderem wegen der höheren Fahrgeschwindigkeiten schlimmere Folgen hatten“, erläutert Destatis zum Personenschaden-Unfallgeschehen.

Ziehe man als Maß für die Unfallschwere das Verhältnis der Zahl der Getöteten zu den Unfällen mit Personenschaden heran, so wird dies den Angaben zufolge bestätigt: Während im vergangenen Jahr auf Landstraßen 25 und auf Autobahnen 19 Todesopfer auf 1.000 Unfälle mit Personenschaden kamen, lag der entsprechende Wert innerorts nur bei fünf Getöteten.

Menschliches Versagen häufigste Ursache von schweren Unfällen

Den Destatis-Daten zufolge ist der größte Teil der Unfälle mit Personenschäden auf menschliches Versagen zurückzuführen. So waren 88,1 Prozent der Unfälle, bei denen es Verletzte oder Tote zu beklagen gab, auf ein Fehlverhalten von Pkw-, Kraftrad-, Lkw-, Fahrrad- oder sonstigen Fahrzeugfahrern zurückzuführen. 3,4 Prozent der Personenschadenunfälle wurden durch ein Fehlverhalten von Fußgängern verursacht.

7,7 Prozent der schweren Unfälle sind auf widrige Straßen- und Witterungsverhältnisse wie Glätte, Starkregen oder Nebel, und Hindernisse wie etwa auf die Straße laufende Wildtiere zurückzuführen. Die verbleibenden 0,9 Prozent entfielen auf technische Defekte und Wartungsmängel am Fahrzeug.

Die folgenreichsten Fehlverhalten der Fahrzeugführer

Menschliches Fehlverhalten bei den Verkehrsunfällen mit Personenschäden äußerte sich am häufigsten in Form von Fehler eines Fahrzeugführers beim Abbiegen, Wenden, Rückwärts- oder beim Ein- beziehungsweise Ausfahren in eine Straße.

Anteilsmäßig dicht dahinter folgen Vorfahrts- beziehungsweise Vorrangverletzungen eines Fahrers, das Unterschreiten des nötigen Abstandes zum vorausfahrenden Verkehrsteilnehmer sowie eine zu hohe oder den Straßenverhältnissen nicht angepasste Geschwindigkeit.

Auf Platz fünf der Hauptursachen für schwere Unfälle liegt ein Fehlverhalten von Fahrzeugführern gegenüber Fußgängern. Die Plätze sechs bis acht der häufigsten Unfallursachen bei Unfällen mit Personenschäden belegen eine falsche Straßenbenutzung wie das Befahren einer Straße in die verkehrte Richtung, Fehler beim Überholen und Fahren unter Alkoholeinfluss.

Bild: Wichert

Alkohol seltener Unfallursache

Laut dem Statistischen Bundesamt ist die Häufigkeit der Unfallursache Alkohol bei den beteiligten Pkw-Fahrern in den vergangenen 25 Jahren um fast drei Viertel zurückgegangen. Um fast zwei Drittel „verringert hat sich in diesem Zeitraum die Unfallursache ‚nicht angepasste Geschwindigkeit‘. Dagegen sind bei den Pkw-Fahrern Abbiegefehler lediglich um 7,8 Prozent zurückgegangen und Abstandsfehler sogar um 6,5 Prozent gestiegen“, erläutert Destatis weiter.

Weitere Erkenntnisse der Statistiker: Nicht angepasste Geschwindigkeit und Abstandsfehler wurden überdurchschnittlich häufig jüngeren Fahrern vorgeworfen. Andererseits nahmen Abbiegefehler oder Vorfahrtsmissachtungen mit steigendem Alter deutlich zu.

Leserbriefe zum Artikel:

+Nicola Kerler - Fehlen der Handynutzung in der Unfallstatistik ist rätselhaft. mehr ...

Rainer Weckbacher - Höhere Geldbußen oder Fahrverbote helfen. mehr ...

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Pkw
 
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