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Biometrie: Elf Lebensversicherer erhalten die Höchstnote

14.11.2017 – Im aktuellen „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ (Heft 897) hat der Map-Report an elf Anbieter die Höchstnote „mmm“ für „hervorragende Leistungen“ vergeben. Spitzenreiter ist die Europa mit hauchdünnem Vorsprung vor der Dialog. Rang drei belegt die Hannoversche, Platz vier geht an die Allianz.

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„Über die Relevanz von Risikolebens- und Berufsunfähigkeits-Versicherungen dürfte weitestgehend Konsens bestehen. Umfragen in jüngerer Vergangenheit, auch unter Vermittlern, kamen immer wieder zu der Erkenntnis, dass vor allem die Berufsunfähigkeits-Versicherung als zukunftsträchtiges Produkt angesehen wird.“

Mit diesen Worten umschreibt Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages in der Einleitung des gestern veröffentlichten Map-Reports 897 „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ die Marktsituation im Biometriegeschäft der Lebensversicherer auf dem deutschen Markt.

Fokus auf BU- und Risikoleben

Zwar gebe es noch eine Reihe weiterer Produkte zur Absicherung biometrischer Risiken wie etwa Dread-Disease-, Grundfähigkeiten-, Multi-Invaliditäts- oder Pflegerenten-Versicherungen. Manche davon seien Nischenprodukte, die längst nicht branchenweit angeboten werden, heißt es an anderer Stelle im Map-Report 897.

„Deshalb fokussieren wir uns auf die beiden Biometrie-Hauptprodukte Risikolebens-Versicherungen (RLV) und Berufsunfähigkeits- (BU-) Versicherungen. Diese Policen haben fast alle Versicherer im Programm, weshalb sie sich für Vergleiche besonders gut eignen“, erläutert Klages zur Konzeption des zum zweiten Mal aufgelegten Biometrie-Ratings. Darüber hinaus würden beide Produktarten, wenn sie denn betrieben werden, sogar in der Bestandsbewegung der Geschäftsberichte abgebildet.

Gegenläufige Entwicklung

Allerdings konstatiert der Map-Report-Chefredakteur auch, „dass in einer leistungsorientierten Gesellschaft die Absicherung der eigenen Arbeitskraft oft hinten ansteht.“ Dies bezeichnet er als sehr erstaunlich, obwohl das Risiko allgegenwärtig sei. So werde im Schnitt einer von fünf Deutschen im Laufe seines Erwerbslebens berufsunfähig – Betroffenen drohe oft der finanzielle und soziale Abstieg.

Während die Zahl der Erwerbstätigen in den vergangenen Jahren deutlich zunahm, gelang es den Versicherern nicht, den Bestandsabrieb an BUZ-Verträgen zu stoppen.

Map-Report-Chefredakteur Reinhard Klages zur Marktentwicklung in der BU-Versicherung

Den laut Statistischem Bundesamt (Destatis) 44,2 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland (Stand: zweites Quartal 2017) standen Ende 2016 rund 12,4 Millionen BUZ-Verträge in den Geschäftsberichten der Lebensversicherer gegenüber, berichtet Klages weiter. „Während die Zahl der Erwerbstätigen in den vergangenen Jahren deutlich zunahm, gelang es den Versicherern nicht, den Bestandsabrieb an BUZ-Verträgen zu stoppen. Seit dem Jahr 2004 brach der Bestand von 15,4 Millionen um drei Millionen Verträge ein“, erläutert der Map-Report-Chefredakteur.

Da die Anzahl der Verträge zur selbstständigen BU-Versicherung in den Geschäftsberichten nicht von allen Versicherern ausgewiesen werde, lasse sich auf dieser Basis zur Bestandsentwicklung keine Aussage treffen.

Im RLV-Bereich zeigt sich laut Klages ein anderer Trend. Hier ist der Vertragsbestand von 7,3 Millionen im Jahr 2004 auf 9,4 Millionen Stück Ende 2016 gestiegen. Gemessen an den eingelösten Versicherungsscheinen hat sich der Neugeschäftsanteil im Betrachtungszeitraum von 8,5 Prozent auf 21,8 Prozent mehr als verdoppelt.

Leistungsfähigkeit aus Verbrauchersicht

Im Biometrie-Rating wird die Leistungsfähigkeit der Anbieter aus Verbrauchersicht beleuchtet. Die Untersuchung erstreckt sich „von den für Kunden relevanten Bilanzkennzahlen über Flexibilität und Transparenz bis zu Vertragsbeispielen“, wie die Map-Report-Redaktion bei der Erstauflage der Untersuchung im vergangenen Jahr erläutert hatte (VersicherungsJournal 21.12.2016).

Insgesamt sind 100 Punkte zu erreichen, ab 70 Punkten gibt es die Bestnote „mmm“. Am höchsten gewichtet hat die Map-Report-Redaktion den Bereich „Vertrag“. Hier werden bis zu 40 Punkte für die Brutto- und Netto-Jahresbeiträge von Brutto- und Netto-Tarifen für jeweils drei verschiedene Beispielkunden (Risikoleben: angestellter Journalist, selbstständiger Zimmermannmeister und Verwaltungsbeamter; BU: Altenpfleger, selbstständiger Versicherungsmakler und Realschullehrer) vergeben – jeweils mit unterschiedlichem Eintrittsalter und Vertragslaufzeit.

Bis zu 36 Punkte gaben die Bilanzkennzahlen, zu denen die Nettorendite, die der Versicherer mit seinen Kapitalanlagen erzielt, die RfB-Quote, die Verwaltungs- und Abschlusskostenquote, die Solvabilität, die Gesamtreservequote sowie erstmals auch die laufende Durchschnittsverzinsung sowie die Sicherheitsmittelquote zählen.

Weitere bis zu 24 Punkte waren in der Rubrik „Service und Transparenz“ (unter anderem Storno, Beschwerden sowie Transparenz in der öffentlichen Darstellung) zu holen. Damit Schwankungen in einzelnen Jahren bei den Untersuchungskriterien nicht so stark ins Gewicht fallen, wurden im Bilanz- und Service-Teil Mittelwerte der vergangenen fünf Jahre (2012 bis 2016) für die Bewertung herangezogen. Weitere Informationen zu dem Biometrie-Rating finden sich auf dieser Internetseite.

Elf „hervorragende“ Biometrie-Anbieter

Im aktuellen Biometrie-Rating wurde insgesamt elf Mal die Höchstnote „mmm“ für „hervorragende Leistungen“ vergeben. Spitzenreiter ist wie schon im Vorjahr die Europa Lebensversicherung AG, die in diesem Jahr 84,43 Punkte erzielte.

Knapp dahinter folgt mit der Dialog Lebensversicherungs-AG der Biometrie-Spezialanbieter der Generali Deutschland AG, der im Zuge des radikalen Umbaus der Gruppe (VersicherungsJournal 28.9.2017) künftig das gesamte Maklergeschäft übernehmen wird – auch im Kompositbereich mit einem noch zu gründenden Sachversicherer (VersicherungsJournal 26.10.2017).

Die dritthöchste Punktzahl erhielt mit knapp über 80 Punkten die Hannoversche Lebensversicherung AG, die im Vorjahr noch ein „mm“ für „sehr gute Leistungen“ erhalten hatte. Dahinter folgt die Allianz Lebensversicherungs-AG mit etwas über 77 Punkten vor sieben weiteren Gesellschaften mit zwischen knapp 74 und 71 Punkten.

Hierzu gehören die Continentale Lebensversicherung a.G., die WGV Lebensversicherung AG, die Huk-Coburg Lebensversicherung AG, die Lebensversicherung von 1871 a.G. München (LV 1871), die Interrisk Lebensversicherungs-AG Vienna Insurance Group, die Cosmos Lebensversicherungs-AG und die R+V Lebensversicherung AG.

Bewertet wurden ausschließlich die am Rating teilnehmenden Gesellschaften. Punkte max. bedeutet bei einem Wert von unter 100, dass für die jeweilige Gesellschaft das Bewertungsraster an die gemeldeten Daten angepasst wurde. Benachteiligungen der Teilnehmer sollen dadurch verhindert werden. Für die Cosmos lag die maximal erreichbare Punktzahl beispielsweise bei 97 Punkten. Das Saarbrücker Unternehmen konnten die Beispielrechnungen zu dem BU-Tarif des Lehrers nicht berechnen, weil unsere Vorgaben mit dem Angebot der Cosmos nicht vereinbar war. Die maximal erreichbare Punktzahl sank damit auf 97 Punkte. Auf 100 Punkte normiert entsprechen die erreichten 70,35 Punkte damit 72,53 Punkten. (Bild: Screenshot Map-Report 897)
Bewertet wurden ausschließlich die am Rating teilnehmenden Gesellschaften. Punkte max. bedeutet bei einem Wert von unter 100, dass für die jeweilige Gesellschaft das Bewertungsraster an die gemeldeten Daten angepasst wurde. Benachteiligungen der Teilnehmer sollen dadurch verhindert werden. Für die Cosmos lag die maximal erreichbare Punktzahl beispielsweise bei 97 Punkten. Das Saarbrücker Unternehmen konnten die Beispielrechnungen zu dem BU-Tarif des Lehrers nicht berechnen, weil unsere Vorgaben mit dem Angebot der Cosmos nicht vereinbar war. Die maximal erreichbare Punktzahl sank damit auf 97 Punkte. Auf 100 Punkte normiert entsprechen die erreichten 70,35 Punkte damit 72,53 Punkten. (Bild: Screenshot Map-Report 897)

Wenig auskunftsfreudige Branche

Elf Mal wurde ferner ein „mm“ für „sehr gute Leistungen“ vergeben, für acht weitere Anbieter gab es ein „m“ für „gute“. In der aktuellen Rating-Auflage konnten die Map-Reporter an insgesamt 30 Lebensversicherer ein Rating vergeben.

„Insgesamt lässt die Teilnahmebereitschaft der Branche jedoch sehr zu wünschen übrig“, konstatiert Klages angesichts der Tatsache, dass ein Großteil des Marktes keine Daten liefern wollte und teilweise nicht einmal die Teilnahme absagte, sondern die Anfrage des Map-Reports unbeantwortet ließ.

Die Spitzenreiter in den Teilbereichen

Im Bilanz-Teil liegt wie in der Gesamtwertung die Europa an der Spitze – hier mit knapp 30 der 36 möglichen Punkte. Dabei erreichte die Gesellschaft aus Köln mit 52,1 Prozent die dritthöchste RfB-Quote, mit 0,8 Prozent die zweitniedrigste Verwaltungskostenquote und mit 921 Prozent die höchste SCR-Bedeckungsquote. Dahinter folgt die Hannoversche vor der Allianz und der Alten Leipziger Lebensversicherung a.G. mit knapp über beziehungsweise unter 29 Punkten.

Im Service- und Transparenz-Teil setzte sich die Dialog gegen die Mitbewerber durch, 23,1 von 24 möglichen Punkten bedeuteten die erste Position. Auf den Plätzen dahinter liegen mit jeweils über 20 Punkten die Europa, die Cosmos, die Mylife Lebensversicherung AG sowie die WGV.

Im Vertragsteil kam die Hannoversche am besten weg. Mit 32,55 von 40 möglichen Punkten lag der zur VHV-Gruppe gehörende Versicherer allerdings nur denkbar knapp vor der Huk-Coburg (mit 32,50 Punktem). Die Plätze drei bis fünf belegen die Dialog, die Europa und die Nürnberger Lebensversicherung AG.

Dabei gewann die Dialog die Vertrags- und die Transparenzwertung im RLV-Bereich. In Sachen BU ist die Hannoversche bei den Verträgen und bei der Transparenz Spitzenreiter, in letzterer Kategorie zusammen mit der Dialog und der Europa.

Map-Report-Redaktion: Rating an sich nur Nebenprodukt

Die Map-Report-Redaktion will das aktuelle, jetzt vorgelegte Rating als „Sonderform des journalistischen Kommentars“ verstanden wissen. „Es bewertet den Gesamteindruck des Unternehmens aus heutiger Sicht. Deshalb wird es nie objektiv sein.

Dabei wurde das Verfahren eines transparenten Ratings nicht zufällig gewählt. Ebenso wenig zufällig ist die Redaktion keine Rating-Agentur, arbeitet also nicht im Auftrag der bewerteten Unternehmen. Wir sehen uns als Informationsdienstleister“, schreibt Klages im aktuellen Map-Report.

Bild: VersicherungsJournal Verlag
Bild: VersicherungsJournal Verlag

Vor diesem Hintergrund sei bei einem Rating der Map-Report-Redaktion das Rating selbst jeweils nur ein Randprodukt. Im Mittelpunkt stünden vielmehr die zur Meinungsbildung wichtigsten Fakten, wobei das Rating eine Methode sei, um diese Fakten durch systematische Verdichtung nach subjektiver Gewichtung zu einer Bewertung zu führen.

„Deshalb bietet dieser Vergleich im Gegensatz zur typischen Arbeitsweise von Ratingagenturen eine einmalig umfangreiche Faktensammlung mit vollkommen transparenter Gewichtung, die es dem Leser erlaubt, auf dieser Basis sein eigenes Rating zu erstellen“, so Klages weiter.

Weitere Studiendetails

Der Map-Report Nummer 897 „Biometrie-Rating deutscher Lebensversicherer“ enthält auf 97 Seiten umfangreiches Datenmaterial zu zahlreichen Bilanz-, Service- und Vertrags-Kennzahlen von bis zu 70 Lebensversicherungs-Gesellschaften.

Detaillierte Zusatzinformationen zum vorgenannten Rating bietet der Map-Report 895 „Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2016“. Er enthält auf 168 Seiten Übersichten und Grafiken zu diversen Geschäftszahlen wie Verwaltungskosten- und Abschlusskostenquote, (bereinigter) Nettorendite, Beitragseinnahmen und Marktanteilen von bis zu 82 Lebensversicherern.

Die Studien sind lieferbar als (nicht druckbare) PDF-Datei für 85 Euro und als gedrucktes Heft für 95 Euro, jeweils einschließlich Mehrwertsteuer. Bestellt werden kann unter diesem Link. Die Konditionen für Sammelbestellungen und weitergehende Nutzungsrechte können per E-Mail oder über dieses Kontaktformular angefordert werden.

 
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