Beitragsentlastungs-Tarife im Vergleich

6.9.2017 – Welche Angebote die privaten Krankenversicherer ihren Vollversicherten machen, zusätzlich gegen steigende Belastungen im Alter vorzubeugen, hat die Stiftung Warentest untersucht. Der Vergleich von 30 Tarifen von 22 Anbietern ist in der Zeitschrift Finanztest erschienen. Darin werden für Lebenserwartungen von 85 beziehungsweise 88 Jahren Renditen zwischen 0,67 und 2,69 Prozent beziehungsweise zwischen 1,38 und 3,17 Prozent genannt. Finanziell interessant seien die Tarife für Arbeitnehmer, die ihren Anspruch auf Arbeitgeberzuschuss noch nicht ausgeschöpft haben.

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Cover Finanztest 9/2017 (Bild: Finanztest)
Cover Finanztest 9/2017
(Bild: Finanztest)

„Mit einem Beitragsentlastungs-Tarif können Kunden für hohe Beiträge im Alter vorsorgen.“ Mit dieser Feststellung leitet die Stiftung Warentest in der Ausgabe 9/2017 ihrer Zeitschrift Finanztest eine Marktübersicht dieser Zusatzangebote zu den Vollkostentarifen der privaten Krankenversicherungen (PKV) ein.

Untersucht wurden 22 Anbieter. Für den Vergleich ausgewählt wurden nach Angaben in dem Magazin alle Anbieter von substitutiven Krankenversicherungen.

Die Herausgabe ihrer Unterlagen sei von diesen Gesellschaften abgelehnt worden: Continentale Krankenversicherung a.G., Hansemerkur Krankenversicherung AG und Inter Krankenversicherung AG.

Zwischen 27 und 49 Euro

Die Modellkunden, mit denen gerechnet wurden, sind beim Abschluss 40 Jahre alt und streben eine Beitragsentlastung in Höhe von 100 Euro an. Dafür zahlen sie je nach Tarif zwischen 27 und 49 Euro pro Monat.

Wie gut sich dieser Beitrag rentiert, haben die Verbraucherschützer unter der Annahme einer Lebensdauer von 85 Jahren bei Männern und 88 Jahren bei Frauen gerechnet.

Je Tarif liegt die Rendite bei den männlichen Versicherten zwischen 0,67 und 2,69 Prozent, bei den weiblichen zwischen 1,38 und 3,17 Prozent.

Bessere Rendite als bei privater Rentenversicherung

Zum Vergleich wurde eine private Rentenversicherung mit Eintrittsalter 40, Leistung ab Alter 67 und fünf Jahren Rentengarantiezeit kalkuliert. Dabei ist laut der Zeitschrift „eine garantierte Rendite nicht zu erzielen“.

Einschließlich der prognostizierten Überschussbeteiligung „ergibt sich auch bei günstigen Anbietern bestenfalls für den Mann 0,4 Prozent Rendite, für die Frau 1,0 Prozent“.

Als dritte Vorsorgemöglichkeit ohne Kapitalanlagerisiko wird in dem Heft ein Banksparplan genannt, bei dem das angesparte Kapital im Alter in eine Sofortrente investiert wird. Alle drei Wege werden mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften ausführlich verglichen.

Finanziell interessant kann ein Entlastungstarif für Arbeitnehmer sein.

Finanztest 9/2017

Attraktiv für Arbeitnehmer

Zu den Beitragsentlastungs-Tarifen schreiben die Warentester: „Größter Vorteil dieses Angebots: Kunden haben damit keine Arbeit.“ Und „manchen Menschen hilft das auch, sich selbst zu disziplinieren. Das Geld kann nicht mehr für anderes ausgegeben werden“.

„Finanziell interessant kann ein Entlastungstarif für Arbeitnehmer sein.“ Als Grund wird der mögliche Zuschuss des Arbeitgebers genannt. Der kann auch für diese Zusatzkomponente verwendet werden, soweit der maximale Rahmen des halben Höchstbeitrages der gesetzlichen Krankenversicherung von derzeit 317,55 Euro monatlich noch nicht ausgeschöpft ist.

Kritisch wird angemerkt: „Insgesamt sind die Bedingungen dieser Verträge oft schwer verständlich und an wichtigen Stellen ungenau.“ Als Beispiel wird die Verwendung des Geldes bei vorzeitigem Vertragsende genannt.

„Zudem ist die tatsächliche Entlastung deutlich geringer, als es zunächst scheint: Versicherte müssen nämlich für einen Beitragsentlastungs-Tarif lebenslang weiterzahlen.“

Vergleich von 30 Tarifen

In dem Heft werden 30 Tarife von 22 Versicherern dargestellt. Hierbei wurden die inzwischen fusionierten Deutscher Ring Krankenversicherungs-Verein a.G. und Signal Krankenversicherung a.G. (VersicherungsJournal 17.8.2017) noch als zwei Unternehmen gezählt.

Untersucht wurden neben den 30 Tarifen mit laufenden Beitragszahlung auch die Angebote von Allianz Private Krankenversicherungs-AG und Barmenia Krankenversicherung a.G., die gegen Einmalbeitrag abgeschlossen werden können.

In dem Vergleich werden diese Kriterien berücksichtigt:

  • Höchstaufnahmealter,
  • Versicherbarkeit zu Bisex-Hauptverträgen,
  • Beginn der Entlastungsphase,
  • automatischer Anstieg der Entlastung,
  • Monatsbeitrag,
  • Nettoentlastung nach Abzug des Beitrags,
  • Rendite,
  • Möglichkeit der Beitragsfreistellung,
  • Verwendung des angesparten Kapitals bei Kündigung, Wechsel in die gesetzliche Pflichtversicherung oder zu einem anderen PKV-Anbieter.

Ergänzend zu den Übersichtstabellen sind in der 64 Seiten umfassenden Online-Version des Beitrags für 30 Tarife auf jeweils ein bis zwei Seiten die Testergebnisse und Produktmerkmale dargestellt.

Kein Testsieger

Unter den Übersichtstabellen werden insgesamt 50 Fußnoten abgebildet. Das zeigt, dass die Warentester sich die Verträge genau angeschaut haben und dass diese sehr unterschiedlich gestaltet sind. Das beeinträchtigt die Vergleichbarkeit. Es wurden keine Testurteile vergeben und kein Testsieger gekürt.

Lobend erwähnt wurden „relativ verbraucherfreundliche Kapitalverwendungen bei vorzeitigem Ausstieg bei der LVM Krankenversicherungs-AG, Huk-Coburg Krankenversicherungs-AG und der Pax-Familienfürsorge Krankenversicherung AG im Raum der Kirchen. Noch akzeptabel seien die Nürnberger Krankenversicherung AG und der Münchener Verein Krankenversicherung a.G.

Die Stiftung weist darauf hin, dass die Beitragsentlastungs-Komponente jeweils nur zum Hauptvertrag in der eigenen privaten Krankenversicherung abgeschlossen werden kann.

 
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