Absicherung von Betriebsrenten wird deutlich teurer

9.11.2017 – Für die Mitgliedsunternehmen des Pensions-Sicherungs-Verein (PSVaG) wird die Insolvenzsicherung 2017 wieder teurer. Der Beitragssatz steigt von 0,0 auf 2,0 Promille, wie der gesetzliche Träger der Insolvenzsicherung der betrieblichen Altersversorgung am Mittwoch mitteilte.

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Der Pensions-Sicherungs-Verein VVaG (PSVaG) hat seinen Beitragssatz für 2017 auf 2,0 (2016: 0,0) Promille festgesetzt. Im Jahr zuvor war die gesetzliche Insolvenzsicherung von Betriebsrenten erstmals in der mittlerweile 42-jährigen Geschichte des PSVaG kostenlos gewesen – aufgrund eines günstigen Insolvenzgeschehens und weiterer entlastender Faktoren (VersicherungsJournal 9.11.2016).

Vor zwei Jahren hatten die inzwischen rund 94.800 Mitgliedsunternehmen etwa 782 Millionen Euro für die Insolvenzsicherung aufwenden müssen (VersicherungsJournal 18.5.2016). Im laufenden Jahr wird mit rund 678 Millionen eine um etwa ein Siebtel niedrigere Summe fällig.

Bis zu 14,2 Promille Beitragssatz

Der langjährige durchschnittliche Beitragssatz liegt unverändert bei 2,8 Promille – im Extremjahr 2009 kostete die Insolvenzsicherung die Arbeitgeber infolge der großen Insolvenz des Warenhauskonzerns Arcandor aber immerhin 14,2 Promille.

Bild: Wichert

Allerdings hatte der gesetzliche Träger der Insolvenzsicherung der betrieblichen Altersversorgung die Möglichkeit zu Teilzahlungen – gestreckt auf mehrere Jahre – eingeräumt, um die Liquidität der deutschen Wirtschaft zu schonen (VersicherungsJournal 9.11.2009).

Moderate Insolvenzentwicklung

Im Frühjahr hatte der PSVaG zwar ein moderates Insolvenzgeschehen für die ersten Monate 2017 bei höheren Kosten und niedrigeren Erträgen vermeldet. Allerdings ist ein zuverlässiger Schluss vom allgemeinen Insolvenzniveau auf das Schadenvolumen und die Beitragshöhe zu einem so frühen Zeitpunkt im Jahr nur sehr eingeschränkt möglich, so der Insolvenzsicherungsträger im Geschäftsbericht.

Denn Art und Qualität der betrieblichen Altersversorgung seien in den Mitgliedsunternehmen sehr unterschiedlich ausgeprägt. In der Folge könne das Schadenvolumen deutlich ansteigen, auch wenn das Insolvenzniveau 2017 niedrig bliebe (VersicherungsJournal 17.5.2017).

In seinem Rundschreiben vom Juli dieses Jahres hatte der PSVaG noch einen Beitragssatz etwa in Höhe des langjährigen Durchschnittswertes von 2,8 Promille angegeben. „In den letzten Monaten hat sich der zu finanzierende Aufwand aber günstiger entwickelt als erwartet, so dass der Beitragssatz jetzt deutlich niedriger als zur Jahresmitte prognostiziert festgesetzt werden konnte“, teilte der PSVaG am Mittwoch mit.

So funktioniert die Insolvenzsicherung

Über ein Umlageverfahren werden die Leistungen finanziert, die sich aus den Insolvenzen ergeben. Der Beitragssatz wird bezogen auf die von den Arbeitgebern bis 30. September 2017 gemeldete Beitragsbemessungs-Grundlage. Das sind im Wesentlichen die abgesicherten Rückstellungen für Betriebsrenten in den Bilanzen der Mitgliedsunternehmen in Höhe von rund 339 Milliarden Euro. Der PSVaG legt die endgültige Höhe des Beitragssatzes jedes Jahres im November fest.

Der PSVaG übernimmt als gesetzlich bestimmter Träger der Insolvenzsicherung der betrieblichen Altersversorgung nach den Vorschriften des BetrAVG die Gewährleistung der betrieblichen Altersversorgung für den Fall der Insolvenz eines Arbeitgebers in der Bundesrepublik Deutschland und im Großherzogtum Luxemburg.

Im Falle einer Unternehmensinsolvenz übernimmt der Versicherungsverein die Versorgung aller Versorgungsberechtigten (Rentner und Anwärter), die Anspruch auf eine insolvenzgeschützte Betriebsrente (in Form von unmittelbaren Versorgungszusagen, Unterstützungskassenzusagen und Pensionsfondszusagen sowie in bestimmten Fällen Zusagen über eine Direktversicherung) haben.

Die Abwicklung der Rentenzahlungen erfolgt durch ein Konsortium von 49 Lebensversicherungs-Unternehmen unter der Geschäftsführung der Allianz Lebensversicherungs-AG. Ende 2016 standen insgesamt etwa 10,8 Millionen Versorgungsberechtigte unter Insolvenzschutz, davon rund vier Millionen Betriebsrentner und 6,8 Millionen Versorgungsberechtigte mit unverfallbarer Anwartschaft.

 
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