Versicherungsbranche im Aufbruch

23.6.2017 – Der Konsolidierungsprozess in der Assekuranz ist in vollem Gange. In den letzten Tagen wurde wieder munter ver- und hinzugekauft, sich beteiligt und umstrukturiert, wie ein Überblick des VersicherungsJournals zeigt.

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Die Ottonova Krankenversicherung AG ist am Mittwoch gestartet. Das Insurtech-Unternehmen aus München ist der erste digitale Krankenvollversicherer – und die erste Neugründung seit über 17 Jahren.

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Ottonova hat rund 40 Millionen Euro Investorenkapital eingesammelt. In der aktuellen Serie-C-Finanzierungsrunde beteiligte sich unter anderem der Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G. mit zehn Millionen Euro.

„Wir glauben immer noch, dass Krankenvollversicherung ein erklärungsbedüftiges Geschäft ist, sehen aber auch, dass sich die Kundenerwartungen verändern beziehungsweise verändern werden“, sagte Debeka-Sprecher Gerd Benner auf Nachfrage.

Vom Geschäftsmodell der Ottonova wolle man lernen. Den Wettbewerb fürchte man weniger, weil Ottonova andere Zielgruppen habe. Die bisherigen Geldgeber Holtzbrinck Ventures, Vorwerk Ventures, Tengelmann Ventures, BtoV und STS Ventures zogen ebenfalls alle in der Runde mit.

Ottonova verzichtet komplett auf den personengebundenen Vertrieb. Neben dem Internet stehen den Kunden Versicherungsexperten per Chat oder telefonisch zur Verfügung. Gestartet wird mit den beiden Vollversicherungstarifen „Business Class“ und „First Class“, die die Assekurata Assekuranz Rating-Agentur GmbH hinsichtlich Leistungsstärke, Fairness und Sicherheit mit „sehr gut“ bewertet hat.

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Fertig für den Verkauf

Die Arag SE darf ihren Lebensversicherer an die Frankfurter-Leben-Gruppe verkaufen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht (Bafin) hat nach Unternehmensangaben ihr Inhaberkontrollverfahren positiv abgeschlossen. Nach Abschluss des Verkaufsprozesses soll die Arag Leben in „Frankfurt Münchener Lebensversicherung AG“ umbenannt werden.

Die Arag-Gruppe verkauft 92 Prozent der Anteile an der Arag Lebensversicherungs-AG; den Rest halten Streubesitzaktionäre. Die Arag Leben verfügt über einen Bestand von 322.000 Verträgen und beschäftigt rund 120 Mitarbeiter. Die Arag will künftig über Kooperationspartner wie die Alte Leipziger Lebensversicherung a.G. Altersvorsorgeprodukte verkaufen (VersicherungsJournal 16.12.2016).

Investition in einen digitalen Handwerker-Dienst

Die deutsche Axa-Gruppe steigt finanziell beim digitalen Handwerker-Dienst Homebell ein. Hinter dieser Marke steckt die Firma Home3sixty GmbH, welche Felix Swoboda und Sascha Weiler 2015 gegründet haben.

Die digitale Handwerker-Marke bietet kostenlose und verbindliche Angebote für die Umsetzung aller gängigen Handwerksarbeiten an – ohne, dass dafür ein Besichtigungstermin erforderlich ist. Von Homebell zertifizierte Handwerker können online gebucht werden. Auf Wunsch beraten und unterstützen Homebell-Mitarbeiter Bauherren vor, während und nach den Renovierungs- und Sanierungsarbeiten.

Durch die Kooperation sollen sich für beide Seiten Synergien ergeben, die einen signifikanten Mehrwert für Kunden bieten, so eine Pressemitteilung. Für Axa ist dies die zweite Beteiligung an einem zweiten Start-up aus dem Bereich „Haus & Wohnen“; Ende Mai gab es eine Beteiligung an der Online-Marke Vermietet.de (VersicherungsJournal 29.5.2017).

Rechtsschutz verkauft

Die Alte Leipziger Versicherung AG hat ihre Rechtsschutzsparte samt Rechtsschutz Union Schaden GmbH an die Itzehoer Versicherungen verkauft. Der Verkauf steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Bafin und des Bundeskartellamtes.

Für die Kunden soll sich durch den Verkauf nichts ändern, wird mitgeteilt. Die Schadenregulierung und alle anderen Serviceleistungen für Kunden und Vermittler würden weiter durch die bewährten Mitarbeiterteams durchgeführt. Mit den Itzehoer Versicherungen wurden Garantien für den Standort München und den Erhalt der Arbeitsplätze vereinbart.

Der Rechtsschutzbestand der Alten Leipziger beträgt aktuell etwa 330.000 Verträge mit 67 Millionen Euro Beitrag. Insgesamt sind in der Rechtsschutzsparte derzeit 87 Mitarbeiter am Standort München beschäftigt. Zwischen den beiden Vertragsparteien gibt es zudem eine Vertriebsvereinbarung, wonach die Alte Leipziger künftig Rechtsschutz an die Itzehoer vermittelt.

Die Alte Leipziger begründet den Verkauf mit dem Bedingungs- und Preiswettbewerbs in der Sachversicherung und wachsender Investitionen in die Digitalisierung. Man wolle sich künftig stärker auf Kerngeschäftsfelder und Kernsparten fokussieren. Im Vordergrund sollen erweiterte Absicherungen im Bereich der mittelständischen Gewerbekunden stehen.

Tochtergesellschaft gegründet

Die Dr. Walter GmbH stellt sich neu auf: Künftig gibt es eine Muttergesellschaft Dr. Walter GmbH (Assekuradeur) sowie die Tochtergesellschaft Dr. Walter Versicherungsmakler GmbH. Eine Gesellschafterversammlung hatte die Aufspaltung in zwei getrennte Gesellschaften beschlossen.

Der Assekuradeur steht für die von Dr. Walter entwickelten Produkte und schließt im Namen der Versicherungs-Gesellschaften Versicherungen ab, nimmt Prämien an und reguliert Schäden. Zum Dr. Walter Versicherungsmakler gehören die drei Geschäftsbereiche Info- und Vergleichsportale für Auslandsversicherungen, Auslandsversicherungen für Firmen, Organisationen und Institutionen sowie Auslandsversicherungen für Deutsche im Ausland und Mitarbeiter im Ausland.

„Mit dem Umbau des Unternehmens wollen wir die rechtliche Struktur von Dr. Walter zukunftsfähig machen und so den Weg für weiteres Wachstum bereiten“, wird der geschäftsführende Gesellschafter Reinhard Bellinghausen in einer Pressemitteilung zitiert.

Die Aufspaltung wird rückwirkend zum Jahresbeginn 2017 umgesetzt. Damit reagiert Dr. Walter auch auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes, wonach die Schadenregulierung durch Versicherungsmakler einen Verstoß gegen das Rechtsdienstleistungs-Gesetz darstellt (VersicherungsJournal 10.6.2016).

 
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