Huk-Coburg spricht Makler die Unabhängigkeit ab

20.9.2017 – Die Huk-Coburg-Versicherungsgruppe hat einen Makler abgemahnt und ihm vorgeworfen, nicht unabhängig zu sein, weil er von manchen Versicherern Provision erhält und von anderen nicht. Der Streit liegt noch vor Gericht, während der langjährige Vorstandschef Ende September GDV-Präsident wird.

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Die Huk-Coburg-Versicherungsgruppe hat die unter der Marke Wefox auftretende Finance App AG, zu der der Online-Versicherungsmakler Finance Fox Germany GmbH gehört, wegen unlauteren Wettbewerbs abgemahnt.

Im Abmahnschreiben heißt es: „Ein Versicherungsmakler, der sich über Provisionen für die Vermittlung von Versicherungsverträgen finanziert, kann sich nicht als unabhängig bezeichnen, wenn er für die Vermittlung eines Vertrags mit einer Versicherung A eine – häufig beträchtliche – Provision erhält, während er bei der Vermittlung desselben Risikos bei einer anderen Versicherung nichts bekommt.“

Die Coburger verlangten von Finance App, dass die Firma sich nicht weiter als „unabhängige Serviceplattform“ sowie „absolut unabhängig und anbieterneutral“ bezeichnet. Zudem soll der Makler nicht weiter behaupten, „marktübliche Courtage für die Betreuung seiner Kunden“ von den Versicherern zu erhalten und „Verträge aller in Deutschland tätigen Versicherungs-Gesellschaften“ anbieten zu können.

Huk mahnte Makler ab und lehnte AfW-Gesprächsangebot ab

„Eine derartige grundsätzliche und darüber hinaus auch noch falsche Aussage, die die Unabhängigkeit des Versicherungsmaklers in Frage stellt, kann nicht unwidersprochen bleiben“, schrieb daraufhin Norman Wirth, geschäftsführender Vorstand des AfW – Bundesverbandes Finanzdienstleistung e.V., am 15. Mai in einem Brief an Dr. Wolfgang Weiler, seinerzeit noch Vorstandschef der Huk-Coburg.

Die Unternehmensgruppe bestätigte am 6. Juni den Eingang des Schreibens an Weiler, wollte sich aber nicht zur Abmahnung äußern. „Dies ist eine Angelegenheit, die ausschließlich die Huk-Coburg und Wefox / Finance App AG betrifft“, hieß es in der Antwort. Im Übrigen gehe jeder wettbewerbsrechtlichen Maßnahme stets eine gründliche rechtliche Bewertung der Angelegenheit voraus.

Einstweilige Verfügung und die Folgen

Auf das Angebot des AfW zu einem Gespräch ging die Huk nicht ein. Stattdessen folgte zwei Tage später, am 8. Juni, der Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen das AfW-Mitglied Finance App durch Beschluss des Landgerichts Berlin (52 O 158/17 – nicht rechtskräftig). Der Makler muss bis auf weiteres die in der Unterlassungserklärung kritisierten Behauptungen auf der Homepage tilgen.

Nun folgt wohl am 19. Oktober die mündliche Verhandlung. Den Widerspruch hat Finance App auf zwei der drei Punkte beschränkt, ist zu hören. Auf die Formulierung „absolut unabhängig" wird endgültig verzichtet.

Hat der Präsident aller Versicherer etwas gegen Makler?

Wolfgang Weiler (Bild: Huk-Coburg)
Wolfgang Weiler (Bild: Huk-Coburg)

Die Brisanz der Sache liegt weitgehend aber abseits des Prozesses. Wolfgang Weiler (65) wird am 27. September neuer Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) (VersicherungsJournal 10.4.2017). Dort sind zahlreiche Versicherer Mitglied, die ganz oder teilweise auf den Vertriebsweg Versicherungsmakler bauen. Bei einigen von denen sorgte Weiler bereits vor seinem GDV-Präsidentschaftsantritt für Irritationen.

Die jüngsten Attacken der Huk-Coburg gegen einen Makler lassen sich auch durch die Historie des fränkischen Versicherers erklären. Die Gesellschaft selbst arbeitet nicht mit Maklern zusammen. Stattdessen ist der Huk-Vertrieb über 38 Geschäftsstellen und 660 freiberufliche Betreiber von sogenannten Kundendienstbüros sowie über 3.000 nebenberufliche Vermittler („Vertrauensleute“) organisiert. Auch Online-Makler passen wegen der verlangten Vermittlungsprovision nicht ins Konzept des Konzerns.

Weiler war im Hauptberuf seit 2009 Vorstandssprecher der Huk-Coburg (VersicherungsJournal 15.10.2008). Diesen Job gab er im August aus Altersgründen an Klaus-Jürgen Heitmann (49) ab (VersicherungsJournal 20.12.2016). Weiler führte die Coburger an die Spitze der deutschen Kraftfahrtversicherer. Seit vielen Jahren ist er auch im GDV-Präsidium und in anderen Gremien der Assekuranz aktiv.

Viele Fragen, keine Antworten

Vor der Wahl zum GDV-Präsidenten bat das VersicherungsJournal Weiler über seinen früheren Arbeitgeber am 8. September, einige Fragen zu beantworten. Antworten von Weiler erhielt die Redaktion nicht, ein Direktkontakt durch Einschaltung des Versicherers scheiterte.

Da sich Weiler Ende Juli in den Ruhestand verabschiedet habe, „wird er sich zu Angelegenheiten, die die Huk-Coburg betreffen, nicht mehr äußern“, ließ ein Sprecher des Konzerns ausrichten. Was Weilers künftige Tätigkeit beim GDV angehe, müsste die Redaktion sich „zu gegebener Zeit an die GDV-Pressestelle wenden“.

„Wir stellen als Huk die Unabhängigkeit des Berufsstandes der Versicherungsmaklers grundsätzlich nicht in Frage“, betonte der Sprecher. In der Auseinandersetzung mit Wefox gehe es „um einen Einzelfall, bei dem wir unterschiedlicher Auffassung sind“.

Zweifelhafte Werbung auf Kosten von Maklern

Schon zuvor agierte der Konzern maklerunfreundlich. So hatte ein Werbespot der Huk24 auf Facebook im Herbst 2016 Protest hervorgerufen. Darin wurde die Frage, warum die Huk24 so günstig sei, damit beantwortet, dass auf Provisionen und viele weitere kostspielige Dinge wie etwa Versicherungsmakler verzichtet werde (VersicherungsJournal 7.11.2016).

Zudem wurde eine Nähe von Maklern zu Party-Exzessen hergestellt, die in der Vergangenheit allenfalls Strukturvertriebe veranstaltet hatten. Der AfW hatte seinerzeit das Video, dass die Huk24 nach dem Protest wieder aus dem sozialen Netz entfernte, als Verunglimpfung sowie Branchen-Schädigung bewertet und auch unter Compliance-Gesichtspunkten scharf kritisiert. 

Die gestrige Mitgliederversammlung des AfW beauftragte ihren Vorstand nachdrücklich, das klärende Gespräch mit dem künftigen GDV-Präsidenten in Sachen Maklerstatus und Unabhängigkeit zu suchen.

Leserbriefe zum Artikel:

+Wilfried Hartmann - Makler bieten oft aus einem engen Kreis von Versicherern an. mehr ...

Oliver Henkel - Es ist nicht klug, als Makler so zu agieren. mehr ...

Oliver Ginsberg - Die Interessenskonflikte realisierung sich nur selten. mehr ...

+Wilfried Hartmann - Makler bieten oft aus einem engen Kreis von Versicherern an. mehr ...

Roger Wallner - Die Auswahl eines Versicherers ist individuell begründet. mehr ...

Rolf Kischkat - Das ist Wunschdenken. mehr ...

+Wilfried Hartmann - Makler bieten oft aus einem engen Kreis von Versicherern an. mehr ...

Andre Wohlert - Geschäftsmodell der Huk-Coburg ist kritisch zu hinterfragen. mehr ...

+Rolf Kischkat - Makler sind nur formal unabhängig. mehr ...

Friedrich-Karl Bartels - Makler muss sich nicht in die Bonusabhängigkeit begeben. mehr ...

R. Andre Klotz - Nicht mit derart leichtfertigen Äußerungen immer wieder Munition liefern. mehr ...

Michael Otto - Huk hat Unterlassungsverpflichtungs-Erklärung abgegeben. mehr ...

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Maklercourtage · Provision · Social Media · Vermittlerverband · Versicherungsmakler · Werbung
 
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