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Ergo kommt bei Umbau gut voran, aber nicht aus den roten Zahlen

16.3.2017 – Bei der Bilanzpräsentation der Munich Re spielte das Thema Digitalisierung die zentrale Rolle. Der Konzern fühlt sich für die daraus resultierenden Anforderungen nicht zuletzt deshalb gut gerüstet, weil er die Expertise sowohl aus der Erst- als auch der Rückversicherung bündeln kann. Erhebliche Auswirkungen werden sich daraus aber nicht nur für die Tochter Ergo ergeben, deren aktueller Umstrukturierungs-Prozess den Angaben zufolge auf gutem Wege ist. Auch der Vertrieb wird tangiert.

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„Ich glaube weiter an den persönlichen Vertrieb und die Ausschließlichkeits-Organisation“, ließ Markus Rieß, Vorstandschef der Ergo Group AG, gestern bei der Bilanzpressekonferenz der Mutter Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re) wissen. Für den Ergo-Außendienst dürfte diese Botschaft dennoch nur bedingt beruhigend sein.

Zugleich, so stellte Rieß nämlich klar, gibt es nun einmal die Digitalisierung und damit eine „Nische“ mit Kunden, die nur noch auf neuen Wegen und mit neuen Produkten erreichbar seien. Vor allem jedoch, so zog sich der rote Faden durch die gesamte Bilanzpräsentation, wird die Digitalisierung den gesamten Konzern grundlegend verändern.

Stilgemäß „leise“ und „überlegt“ in die digitale Zukunft

Nikolaus von Bomhard, der scheidende Vorstandsvorsitzende der Munich Re (VersicherungsJournal 16.3.2017), gestattet sich daher sogar etwas Wehmut, weil er diese weitere Entwicklung künftig nur noch von außen wird verfolgen können. Sehr wichtig war ihm jedoch der Hinweis, dass der Konzern für die notwendigen Veränderungen gut aufgestellt ist – und dass er außerdem längst schon damit begonnen hat.

Letzteres jedoch „leise“ und „überlegt“, wie es dem Stil des Hauses entspreche. Deshalb seien bei der Munich Re für Digitalisierungs-Projekte eben auch nie „Millionen Euro ins Schaufenster gestellt“ worden, konnte er sich einen kleinen Seitenhieb auf so manchen Konkurrenten nicht ganz verkneifen.

Versäumnisse der Vergangenheit aus Rücksicht auf den Vertrieb

Genugtuung zeigte er ebenso darüber, dass die Münchener Rück aufgrund ihrer vor- und umsichtigen Strategie und ihrer Kapitalstärke seit nunmehr nahezu 50 Jahren nie die Dividende senken musste. Für das Geschäftsjahr 2016 wird sie – trotz des Rückgangs sowohl des operativen Ergebnisses als auch des Konzernüberschusses (VersicherungsJournal 8.2.2017) – sogar weiter angehoben.

Zugleich räumte von Bomhard beim Rückblick auf seine 13-jährige Amtszeit allerdings ein, dass nicht immer schnell genug auf Veränderungen reagiert worden sei. Insbesondere auf jene, die völlig unerwartet durch die Politik und die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgelöst wurden.

So beispielsweise im Lebensversicherungs-Geschäft trotz der frühen Erkenntnis, dass sich das bisherige Geschäftsmodell unter den veränderten Rahmenbedingungen ökonomisch nicht mehr rechnen könne. Trotzdem seien hier viel zu lange Produkte mit klassischen Garantien verkauft worden, weil man dem Vertrieb nicht „über Nacht“ das Hauptprodukt habe entziehen wollen.

Ergo will ab 2021 rund 600 Millionen Euro zum Konzernergebnis beisteuern

Ein weiterer Fehler sei gewesen, nach der Bildung des Ergo-Konzerns die Integration nicht sofort konsequent umzusetzen. Inzwischen sieht er den Reorganisationsprozess dort, der alles in allem rund zwei Milliarden Euro kostet, wie von Bomhard bestätigte, jedoch auf einem guten Wege.

Für das Geschäftsjahr 2016 musste Ergo-Chef Rieß trotz einer deutlichen Verbesserung zwar immer noch einen Verlust von 30 Millionen Euro und einen Rückgang der Beitragseinnahmen um drei Prozent auf insgesamt 16 Milliarden Euro vermelden. Ab 2021 werde die Ergo jedoch rund 600 Millionen Euro zum Konzernergebnis der Munich Re beitragen, kündigte er an.

„Positive Energie“ trotz mancher Frustration bei einzelnen Mitarbeitern

Dies, wie von Bomhard anmerkte, unbeschadet der Absicht, dass die Ergo alle künftigen Restrukturierungskosten aus eigener Kraft stemmt. 40 Prozent des geplanten Personalabbaus beispielsweise seien jedoch inzwischen bereits geschafft, ließ Rieß wissen. Damit sei das Strategieprogramm „sieben Monate nach Veröffentlichung voll auf Kurs“.

Zwar, so räumte er mit Blick auf die aktuelle Stimmungslage im Unternehmen ein, könne angesichts eines so tiefgreifenden Veränderungsprozesses naturgemäß nicht erwartet werden, dass alle Mitarbeiter ständig „Aufbruch-Stimmung“ skandierten, aber insgesamt verspüre er eine „positive Energie“. Die Strategie sei von den Mitarbeitern „weitgehend verstanden“ worden.

Erst- und Rückversicherung sollen enger verzahnt werden

Zu dieser gehört neben Kosteneinsparungen sowie der Neuausrichtung sowohl im Produkt- und Vertriebsbereich als auch im nationalen wie internationalen Geschäft auch eine künftig enge Verzahnung der Geschäftsmodelle von Erst- und Rückversicherung. Hier komme dem Konzern sehr zugute, dass er beide Bereiche unter einem Dach vereint, merkte von Bomhard angesichts früherer Kritik an.

Was das in einer zunehmend digitalen Welt konkret bedeutet, erläuterte der für das Rückversicherungs-Geschäft zuständige Vorstand Torsten Jeworrek sehr ausführlich. So habe es beispielsweise zur Konsequenz, dass die Munich Re insgesamt mehr „in den Service-Bereich gehe, um Kunden vor Schäden zu bewahren“, statt sie dagegen zu versichern.

Die nächste Kulturveränderung steht schon bevor

Außerdem sollen kleineren Erstversicherern verstärkt IT-Dienstleistungen angeboten werden, die sie unterstützen, die neuen Chancen bei der Datenauswertung zu nutzen. „Innovation Scouting“, „Innovation Labs“ sowie die Kooperation mit Fintechs sollen dazu beitragen, neben neuen Services auch neue Produkte in der Erst- und der Rückversicherung sowie neue Geschäftsmodelle zu generieren.

All dies wird laut Jeworrek erneut „eine Kulturveränderung im Unternehmen zur Folge“ haben, weil es – wie in der Rückversicherung aufgrund der dort oft starken Marktschwankungen mit unzureichenden Margen schon früher häufig praktiziert – zuweilen den bewussten Verzicht auf Prämieneinnahmen bedeute. Dafür sei hier für die Munich Re der maximale Aufwand berechenbar.

Cyber-Risk-Geschäft trotz Kalkulationsproblemen nicht abweisen

Dies ist bei der Absicherung von Cyber-Risiken bisher noch weniger der Fall, wie Jeworrek erläuterte, weil aufgrund der raschen Veränderungen hier die klassischen Risikomodelle aus dem Naturgefahrenbereich nicht taugen. Trotzdem dürfe – auch mit Blick auf das „Internet der Dinge“ – dieses Geschäft sowohl in der Erst- als auch der Rückversicherung „nicht abgewiesen“ werden.

Hier sehen Jeworrek wie von Bomhard die Munich Re für die Zukunft aber ebenfalls gut gerüstet, weil die Expertise aus der Rück- und der Erstversicherung gebündelt werden kann. Auch heute hätten Innovationen jedoch „schon deutlich positive Auswirkungen auf das Geschäft“, merkte Jeworrek mit Verweis auf ein Beitragsvolumen von rund 650 Millionen Euro an, das aus dem Bereich generiert wurde.

Weitere Details zur Geschäftsentwicklung können im Geschäftsbericht nachgelesen werden, der unter diesem Link als PDF-Dokument heruntergeladen werden kann.

 
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