Die besten der zwölf größten Lebensversicherer

4.10.2017 – Für die Analyse „Was machen die Lebensversicherer mit dem Geld ihrer Kunden?“ hat Professor Dr. Hermann Weinmann erneut die zwölf größten Anbieter untersucht. Daraus ging die Allianz als Spitzenreiter hervor. Der Vorjahressieger Debeka fiel weit zurück.

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Seit einigen Jahren analysiert Professor Dr. Hermann Weinmann von der Hochschule Ludwigshafen am Rhein die Qualität der acht umsatzstärksten Lebensversicherer aus dem Lager der Vereine auf Gegenseitigkeit (VersicherungsJournal 6.12.2016) und die insgesamt zwölf größten Gesellschaften (VersicherungsJournal 4.10.2016).

Hermann Weinmann (Bild: Hochschule Ludwigshafen am Rhein)
Hermann Weinmann
(Bild: Hochschule
Ludwigshafen am Rhein)

In den Ausgaben 18 und 19/2017 der Zeitschrift für Versicherungswesen hat der Wissenschaftler seine Auswertung der Geschäfts- und Solvabilitätsberichte 2016 sowie der Ertragsquellen nach § 15 MindZV veröffentlicht.

Mit dabei ist wieder die Nürnberger Lebensversicherung AG, nachdem diese die Cosmos Lebensversicherungs-AG bei den Beitragseinnahmen überholt hat (VersicherungsJournal 15.8.2017). Die Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG konnte der Hochschullehrer nicht bewerten, weil die dafür notwendigen Daten nach seinen Angaben nicht rechtzeitig geliefert worden sind.

Verbraucherperspektive erweitert

Die Analyse „Was machen die Lebensversicherer mit dem Geld ihrer Kunden?“ basiert weiterhin auf den betriebs-wirtschaftlichen Erfolgen der Versicherer und dem Anteil daran, der den Kunden zugestanden wird.

Nach einigen Änderungen an der Systematik im vergangenen Jahr hat Weinmann jetzt erneut die Bewertung weiterentwickelt. Einbezogen wurden erstmals die SFCR-Berichte, die alle deutschen Versicherungs-Unternehmen im Rahmen des neuen Aufsichtsregimes Solvency II veröffentlichen müssen (VersicherungsJournal 17.7.2017).

Zu den weiteren Änderungen seiner Finanzstärke-Betrachtung schreibt Weinmann: „Mit der Berücksichtigung einer spezifischen Verbraucher-Solvenzquote neben der aufsichtsrechtlichen Solvenzquote sowie der Einführung einer zusätzlichen Partizipationsquote (Beteiligung der Versicherten am Rohüberschuss unter Berücksichtigung des rechnungsmäßigen Zinsaufwands) erfährt die Verbraucherperspektive eine spürbare Erweiterung.“

Die Verzerrung der laufenden Durchschnittsverzinsung durch außerordentliche Erträge war nicht mehr tolerierbar.

Professor Dr. Hermann Weinmann, Hochschule Ludwigshafen am Rhein

Laufende Durchschnittsverzinsung wird nicht mehr gewertet

Bereits im Vorjahr hatte Weinmann auf das Kriterium Nettoverzinsung verzichtet. Als Grund nannte er, dass diese Kennzahl seit Einführung der Zinszusatzreserve (VersicherungsJournal 17.6.2016) im Jahr 2011 „künstlich“ nach oben getrieben werde.

Nun ist zudem die laufende Durchschnittsverzinsung entfallen, da durch die Zinszusatzreserve bedingte außerordentliche Erträge in Spezialfonds als laufende Erträge bei den Unternehmen ankämen. „Diese Verzerrung war nicht mehr tolerierbar“, begründet der Analyst die Änderung seiner Bewertung.

Vergangenheits- und Zukunftsindikatoren

Zum Bewerten des betriebs-wirtschaftlichen Erfolgs der Unternehmen verwendet der Wissenschaftler fünf gleich gewichtete Kennzahlen, von denen er die ersten drei als Vergangenheits-Indikatoren und die beiden anderen als Zukunfts-Indikatoren bezeichnet.

Die jeweils höchste Punktzahl bekamen die Lebensversicherer

  • ab einer Rohüberschuss-Marge von 14,01 Prozent,
  • ab einer „Rendite“ von 4,01 Prozent (Ertragskraft und Risikoergebnis-Reserve),
  • mit einer Betriebskostenquote saldiert um die Quote übriges Ergebnis von 8,50 Prozent oder weniger,
  • ab einer Bewertungsreserven-Quote von 20,01 Prozent und
  • ab einem Überschussreservefaktor von 6,51.

Allianz betriebswirtschaftlich am erfolgreichsten

Dabei kommt die Allianz Lebensversicherungs-AG auf die höchste Punktzahl von 850. Daraus leitet Weinmann das betriebswirtschaftliche Urteil „sehr stark“ ab. Die R+V Lebensversicherung AG sowie die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG und die Bayern-Versicherung Lebensversicherung AG sind demnach „stark“.

Der betriebswirtschaftliche Erfolg der zwölf größten Lebensversicherer im Jahr 2016

Gesellschaft

Vergangenheits-Indikatoren *

Zukunfts-Indikatoren *

Gesamt *

Betriebswirtschaft-liche Leistung

Allianz

500 (400)

350 (400)

850 (800)

sehr stark

R+V

400 (400)

250 (300)

650 (700)

stark

Zurich Deutscher Herold

400 (250)

200 (300)

600 (550)

Bayern-Versicherung

300 (250)

300 (300)

600 (550)

Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G.

200 (450)

350 (350)

550 (800)

steigerungsfähig

Axa Lebensversicherung AG

300 (400)

250 (350)

550 (750)

Ergo Lebensversicherung AG

250 (150)

300 (250)

550 (400)

Alte Leipziger Lebensversicherung a.G.

250 (400)

300 (300)

550 (700)

Nürnberger

350 (500)

200 (100)

550 (600)

Generali Lebensversicherung AG

350 (250)

150 (200)

500 (450)

Aachenmünchener Lebensversicherung AG

400 (250)

50 (200)

450 (450)

relativ schwach

Provinzial Nordwest Lebensversicherung AG

fehlende Daten

250 (200)

---

---

Gewinner und Verlierer

Ergo (plus 150 Punkte) sowie Allianz, Bayern-Versicherung, Generali und Zurich (jeweils plus 50 Punkte) sind die einzigen Gesellschaften des Vergleichs, die gegenüber dem Vorjahr höhere Punktzahlen erhielten.

Das Feld der Verlierer wird angeführt von der Debeka (minus 250 Punkte), gefolgt von Axa (minus 200), Alte Leipziger (minus 150) sowie Nürnberger und R+V (jeweils minus 50 Punkte).

Die Debeka ist unter den untersuchten Gesellschaften die einzige mit einem negativen Rohüberschuss.

Kunden erhalten sehr unterschiedliche Überschussanteile

Für die Kunden relevant ist, in welchem Maß sie am Erfolg ihres Vertragspartners teilhaben. Gesetzlich vorgeschrieben ist mindestens ein Anteil von 90 Prozent an den Kapitalerträgen und den Risikogewinnen sowie 50 Prozent vom übrigen Ergebnis. Tatsächlich war der Anteil der Versicherungsnehmer am gesamten Rohüberschuss (einschließlich Direktgutschrift) der Lebensversicherer im Jahr 2016 sehr unterschiedlich.

Die R+V und die Generali haben die in 2016 erwirtschafteten Rohüberschüsse vollständig ihren Kollektiven gutgeschrieben. Am wenigsten an den Rohüberschüssen ihrer Lebensversicherer beteiligt wurden die Kunden der Bayern-Versicherung (62,1 Prozent) und der Axa (76,5 Prozent).

Das Vorjahresschlusslicht Allianz erhöhte die Partizipation um gut zehn Prozentpunkte auf 84,8 Prozent. Am stärksten reduziert hat Zurich Deutscher Herold um mehr als zwölf Prozentpunkte auf 81,7 Prozent.

Allein die Allianz ist aus Verbrauchersicht „sehr gut“

Am Schluss der umfangreichen Berechnungen steht ein Verbraucherurteil nach Art von Schulnoten. Es berücksichtigt den betriebs-wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen, deren Finanzstärke und die Partizipation der Kunden an den Überschüssen.

Neu ist in diesem Jahr, dass die Beteiligung der Versicherungsnehmer am Rohüberschuss und am Rohüberschuss unter Berücksichtigung des rechnungsmäßigen Zinsaufwands (in Form von Abschlägen) herangezogen werden. Hier ist die Bayern-Versicherung das Schlusslicht. Abschläge müssen nun auch Unternehmen mit schwacher Finanzkraft hinnehmen. Das betrifft am stärksten die Debeka.

Alleiniger Spitzenreiter aus Verbrauchersicht ist nach den Berechnungen des Wissenschaftlers die Allianz, die im Vorjahr noch auf dem dritten Rang gelegen hatte. Auf Platz zwei und einziger „guter“ Lebensversicherer ist die R+V, die damit ihr vorheriges Ergebnis wiederholt hat. Vorjahressieger Debeka fiel auf „ausreichend“.

Verbrauchernoten der zwölf größten Lebensversicherer

Gesellschaft

Betriebs-wirtschaft*

Abschläge

Verbraucherurteil

Partizipation*

Solvenz*

Punkte

Note

Beurteilung

Allianz

850

50

0

800

1,3 (2,3)

sehr gut

R+V

650

0

0

650

2,0 (2,0)

gut

Alte Leipziger

550

0

0

550

2,7 (2,3)

befriedigend

Zurich Deutscher Herold

600

50

50

500

3,0 (2,7)

Bayern-Versicherung

600

150

0

450

3,0 (3,0)

Ergo

550

0

100

450

3,0 (3,3)

Nürnberger

550

0

100

450

3,0

Axa

550

100

50

400

3,3 (2,3)

Aachenmünchener

450

50

0

400

3,3 (3,3)

Debeka

550

0

200

350

3,7 (1,3)

ausreichend

Generali

500

0

150

350

3,7 (3,0)

Provinzial Nordwest

fehlende Daten

Noten von „sehr gut“ bis „ausreichend“

„Die Allianz Leben setzt ihre betriebswirtschaftliche Performance unbeirrt fort“, kommentiert der Wissenschaftler das Abschneiden des Marktführers.

Zur Debeka notiert er eine „auch für die aktuelle Zinslandschaft enorm hohe Zuführung zur Zinszusatzreserve und Zinsverstärkung (Altbestand) von mehr als einer Milliarde Euro“. Das auf eine schwache Ertragskraft zurückzuführende betriebswirtschaftliche Urteil sei „steigerungsfähig“. Hinzu kämen unbefriedigende Solvenzquoten. „Die ‚Versetzung‘ ist aber nicht gefährdet“, ergänzt Weinmann.

Dass die Alte Leipziger und die Axa schwächer abschneiden als im Vorjahr, führt er hauptsächlich auf die „Schärfung und Erweiterung der Bewertungskriterien“ zurück. Diese Merkmale werden in dem Zeitschriftenbeitrag umfangreich erläutert.

Nachträgliche Ergänzung vom 4.10.2017:

Die Punktzahlen zum betriebswirtschaftlichen Erfolg von Bayern-Versicherung, Nürnberger und Generali sowie die betriebswirtschaftliche Leistung der Bayern-Versicherung waren in der ursprünglichen Version des Artikels falsch angegeben worden.

Leserbriefe zum Artikel:

Dr. Gerd Van de Moetter - Bei mehrjähriger Betrachtung wäre die Ergebnisse anders. mehr ...

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