Wie die Riester-Rente das Alterseinkommen stabilisiert

1.12.2016 – Das Bundeskabinett hat gestern den Rentenversicherungs- und den Alterssicherungsbericht verabschiedet. Rentner-Ehepaare kommen nach Letzterem auf eine durchschnittliche Bruttorente von knapp 1.800 Euro, das Haushaltseinkommen ist fast doppelt so hoch. Bei alleinstehenden Männern (Frauen) liegt im Schnitt die Bruttorente bei knapp 1.300 (über 1.200) Euro und das Einkommen bei gut 1.800 (1.600) Euro. Weiteres Ergebnis der Berechnungen: Riester- und Privatrenten können die sinkende gesetzliche Rente beim Gesamtversorgungsniveau überkompensieren.

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Gestern hat das Bundeskabinett den Rentenversicherungs-Bericht 2016 beschlossen. Darin schätzt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) – wie jedes Jahr – die kurzfristige Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV) sowie in mehreren Szenarien die mögliche Entwicklung über einen Zeitraum von 15 Jahren.

Rentenversicherungs-Bericht ohne große Überraschungen

Aus dem Rentenversicherungsbericht waren im Vorfeld der Kabinettsbefassung viele Zahlen bekannt geworden. Dank der guten Konjunktur und der hohen Beschäftigung steht die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) heute viel besser da als auf der Zeitschiene bis 2030 vorausberechnet.

So kann der Beitragssatz bis 2021 mit 18,7 Prozent konstant gehalten werden und das Sicherungsniveau vor Steuern dürfte bei rund 48 Prozent stabil bleiben (VersicherungsJournal 11.11.2016).

Bundesarbeits- und -sozialministerin Andrea Nahles (SPD) kämpft für eine Verstetigung dieses (Mindest)-Sicherungsniveaus ab dem Jahr 2020 bei 46 Prozent bis zum Jahr 2045, um ein Absinken auf dann 41,7 Prozent zu verhindern. Die Union sieht in dem derzeit günstigen Umfeld keinen Handlungsbedarf (VersicherungsJournal 28.11.2016).

Neue Impulse soll es bei den stagnierenden Zahlen in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) und bei Riester geben. Die Quote von 70 Prozent der Beschäftigten, die über eine bAV oder Riester für ihre Altersvorsorge sparen, soll noch weiter erhöht werden. Nahles weist aber auch auf ein besonderes Problemfeld hin: Knapp 47 Prozent der Geringverdiener sorgen derzeit nicht zusätzlich für ihr Alter vor.

Alterssicherungsbericht 2016: 59 Prozent durch gesetzliche Rente

Darüber hinaus hat das Kabinett den Alterssicherungsbericht beschlossen, der einmal pro Wahlperiode ergänzend zum Rentenversicherungs-Bericht vorgelegt werden muss.

Demnach belaufen sich die monatlichen Brutto-Haushaltseinkommen der 65-Jährigen und Älteren aus Alterssicherungs-Systemen im Durchschnitt für Ehepaare auf 2.390 Euro und für Alleinstehende auf 1.509 Euro. 57 Prozent der Ehepaare und 44 Prozent der Alleinstehenden verfügen über zusätzliche Einkommen neben Leistungen aus einem Alterssicherungssystem.

So gibt es Rentnerhaushalte mit einer gesetzlichen Rente von weniger als 250 Euro, aber mit einem Haushaltsbruttoeinkommen von 4.136 Euro. Liegt das Renteneinkommen in diesem Haushalt über 1.500 Euro, wie in 67 Prozent aller Fälle, dann wird ein durchschnittliches Haushaltseinkommen von 2.971 Euro erreicht.

Über allen gesetzlichen Renteneinkommens-Gruppen zusammen lag 2015 die durchschnittliche Bruttorente in einem Rentnerhaushalt (Ehepaar) bei 1.765 Euro und das Gesamteinkommen bei 2.971 Euro. Die gesetzliche Rentenversicherung hat dabei noch ein Gewicht von 59 Prozent. Bei alleinstehenden Männern (Frauen) lag im Schnitt die Bruttorente bei 1.278 (1.223) Euro und das Einkommen bei 1.828 (1.611) Euro. 70 (76) Prozent davon entfallen auf die gesetzliche Rente.

Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016, S. 17
Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016, S. 17

Sinkende Rente wird durch Riester- und Privatrente kompensiert

Darüber hinaus hat das Ministerium im Alterssicherungsbericht unter anderem sechs Modellrechnungen angestellt, wie sich das Gesamtversorgungsniveau (gesetzliche Rente, Riester- und Rürup-Rente) – das nicht mit dem Sicherungsniveau vor Steuern vergleichbar ist – in Relation zum Erwerbseinkommen bis zum Jahr 2030 entwickeln könnte.

Der Modellfall 1 eines Durchschnittsverdieners (Eckrentner mit 45 Beitragsjahren) zeigt, dass im Jahr 2012 die Riester-Rente (1,6 Prozent) zum Brutto-Versorgungsniveau kaum beiträgt, da die Laufzeit seit der Einführung auch viel zu kurz war. Die Privatrente (0,2 Prozent) spielt eine noch geringere Rolle.

Das Gesamt-Niveau steigt von 47,3 Prozent im Jahr 2012 bis auf 49,2 Prozent bis 2030. Und dies, obwohl die Bedeutung der gesetzlichen Rente schrittweise abnimmt, aber durch Riester- (6,2 Prozent) und Privat-Renten (2,4 Prozent) mehr als aufgefangen werden kann. Das Netto-Gesamtversorgungsniveau steigt im selben Beobachtungszeitraum von 70,6 Prozent auf 73,0 Prozent.

Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016, S. 171
Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016, S. 171

Wenig überrascht auch, wer denn im Rentenalter Grundsicherung beziehen muss. Die höchsten Grundsicherungsquoten haben Personen ohne eine abgeschlossene Ausbildung, solche mit keinen bis wenigen Erwerbsjahren, Menschen mit Arbeitslosenzeiten von über fünf Jahren sowie zumeist Arbeiter/Angestellte. Über alle Rentner hinweg bleibt die Quote aber mit drei Prozent gering.

Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016, S. 18
Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016, S. 18
 
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