Wenn ein Streit zwischen Autofahrern eskaliert

17.3.2017 – Ein aufgebrachter Verkehrsteilnehmer, der verbal einschüchternd gegenüber einem Fahrzeugführer auftritt und auf dessen Auto einschlägt, muss damit rechnen, dass dieser durch Flucht versucht, der bedrohlichen Situation zu entkommen. Wird er dabei verletzt, so hat er in der Regel keinen Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz sowie eines Schmerzensgeldes, so das Landgericht Karlsruhe in einem Urteil vom 10. Juni 2016 (20 S 16/16).

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Der Entscheidung lag die Klage eines Autofahrers zugrunde, der dem Beklagten vorwarf, ihn bei einem Fahrspurwechsel geschnitten zu haben.

Der Kläger war daraufhin über eine längere Strecke dicht hinter dem Beklagten hergefahren. Als dieser schließlich in einer Ortschaft am rechten Straßenrand parken wollte, fuhr der Kläger so dicht an das Fahrzeug des Beklagten heran, dass der linke Außenspiegel nach vorne verbogen wurde.

Flucht nach vorne

Anschließend stellte er den Beklagten aus seinem Auto heraus lautstark zur Rede. Kurze Zeit später parkte der Kläger sein Fahrzeug etwas weiter vorne und kam zu Fuß zu dem Personenkraftwagen des Beklagten zurück. Dort setzte er seine Beschimpfungen fort. Er klopfte gleichzeitig gegen die Scheibe und das Dach des Autos, trat gegen das Fahrzeug und versuchte dessen Fahrertür zu öffnen.

Der sich bedroht fühlende Beklagte sah keine andere Möglichkeit, der Situation zu entkommen, als nach vorne loszufahren. Dabei überfuhr er den rechten Fuß des Klägers.

Niederlage in zweiter Instanz

Wegen der dadurch erlittenen Verletzung sowie der Beschädigung eines teuren Sportschuhs verlangte der Kläger von dem Beklagten die Zahlung von Schadenersatz sowie ein Schmerzensgeld. Er habe nämlich nicht damit rechnen müssen, dass der Beklagte plötzlich losfahren werde.

Das in erster Instanz mit dem Fall befasste Amtsgericht gab der Klage dem Grunde nach statt. Nach Überzeugung des Gerichts hat der Beklagte den Kläger zwar nicht vorsätzlich, aber fahrlässig verletzt. Dem Kläger stehe daher sowohl ein Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz als auch ein Schmerzensgeld zu.

Doch dem wollte sich das in Berufung mit dem Fall befasste Karlsruher Landgericht nicht anschließen. Es wies die Klage als unbegründet zurück.

Verletzung selbst zuzuschreiben

Nach Ansicht der Richter hat sich der Kläger seine Verletzung selbst zuzuschreiben. Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme stehe nämlich fest, dass er dem Beklagten gegenüber verbal einschüchternd auftrat und auch Tätlichkeiten gegenüber dessen Kleinwagen verübt hat.

Er habe den Beklagten nicht nur sehr laut und erregt angebrüllt, sondern auch mit seinen Händen auf das Fahrzeugdach eingeschlagen. Gleichzeitig habe er versucht, die von innen verriegelte Fahrertür zu öffnen.

Kein Rechtsmittel zugelassen

Angesichts dieses Verhaltens habe der Kläger damit rechnen müssen, dass sich der Beklagte bedroht fühlen und sich der Situation durch Flucht entziehen werde. Es sei daher seine Sache gewesen, sich so weit von dem Fahrzeug zu entfernen, dass ihm nichts passieren konnte.

Der Kläger habe folglich weder einen Anspruch auf Ersatz seines materiellen noch seines immateriellen Schadens. Denn der Beklagte hafte auch nicht aus der Betriebsgefahr seines Fahrzeugs. Die Richter sahen keine Veranlassung, ein Rechtsmittel gegen ihre Entscheidung zuzulassen.

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Schlagwörter zu diesem Artikel
Schadenersatz · Schmerzensgeld
 
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