Unterarmamputation wegen Fehler des Arztes

11.8.2017 – Muss sich ein Patient einer Amputation unterziehen, weil sein Arzt die von ihm geschilderten Symptome nicht ernst genug genommen hat, so steht dem Patienten ein Anspruch auf Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld zu. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Hamm vom 13. Juni 2017 hervor (26 U 59/16).

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Der seinerzeit 46-jährige Kläger hatte im Mai 2012 einen vermeintlich harmlosen Unfall erlitten. Sein Hausarzt diagnostizierte eine Prellung des rechten Unterarms einschließlich des Ellenbogens sowie der rechten Hand und stellte die betroffenen Regionen durch eine Gipsschiene ruhig.

Amputation

Im Rahmen der Nachsorge stellte der Arzt eine Woche später fest, dass der Unterarm deutlich geschwollen und in seiner Bewegung eingeschränkt war. Der Kläger klagte außerdem über massive Schmerzen.

Der Arzt ließ daraufhin die Gipsschien erneuern. Er verordnete seinem Patienten überdies ein Schmerzmittel. Weil diese Maßnahmen zu keiner Linderung führten, suchte der Kläger seinen Arzt drei Tage später erneut auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Schwellung deutlich zugenommen. Der Arm war außerdem druckempfindlich geworden.

Das nahm der Arzt zum Anlass, den Kläger zu einem Chirurgen zu überweisen. Dieser ließ ihn noch am selben Tag in eine Klinik einweisen. Dort musste dem Kläger kurze Zeit später wegen eines fortgeschrittenen Muskelkompressions-Syndroms (Kompartmentsyndrom) der rechte Unterarm amputiert werden.

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Grober Behandlungsfehler

Daraufhin verklagte der Patient seinen Hausarzt auf Zahlung von Schadenersatz sowie eines Schmerzensgeldes. Sein Argument: Die Amputation sei nur deswegen nötig gewesen, weil der Hausarzt die Beschwerden nicht ernst genug genommen habe.

Nach Anhörung eines medizinischen Sachverständigen gelangten die Richter des Hammer Oberlandesgerichts zu der Überzeugung, dass dem Hausarzt des Klägers ein grober Behandlungsfehler unterlaufen ist.

Denn dieser hätte angesichts des Beschwerdebildes im Rahmen der eine Woche nach dem Unfall durchgeführten Nachsorge die Möglichkeit eines Kompartmentsyndroms in Betracht ziehen und den Kläger umgehend zu einem Chirurgen überweisen müssen.

Beweislastumkehr

Wie das Schicksal des Klägers zeige, handele es sich bei einem Muskelkompressions-Syndrom um eine schwerwiegende Erkrankung, welche ein sofortiges adäquates Handeln erfordere. Das habe der Hausarzt versäumt und den Kläger erst drei Tage später zu einem Chirurgen geschickt.

Wegen des groben Behandlungsfehlers kommt dem Kläger eine Beweislastumkehr zugute. Weil der Arzt nicht das Gegenteil beweisen konnte, ging das Gericht daher davon aus, dass die schwerwiegenden Behandlungsfolgen, insbesondere die Notwendigkeit zur Amputation des rechten Unterarms, auf die unzureichende Diagnose des Hausarztes zurückzuführen waren.

Sie verurteilten den Mediziner daher unter anderem zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 50.000 Euro.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Gewerbeordnung · Schadenersatz · Schmerzensgeld
 
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