Streit um Risse in Einfamilienhaus

2.10.2017 – Entstehen im Rahmen der Errichtung eines Neubaus Risse in den Wänden eines Nachbargebäudes, so besteht in der Regel ein Schadenersatzanspruch gegenüber dem Bauunternehmen. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Oldenburg vom 15. August 2017 hervor (12 U 61/16).

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Geklagt hatte ein Ehepaar, das Eigentümer eines Hauses aus der Jahrhundertwende ist. Auf dem Nachbargrundstück des Gebäudes sollte ein Mehrfamilienhaus mit einer Tiefgarage errichtet werden.

Zur Sicherung der hierzu ausgehobenen Baugrube trieb das Bauunternehmen in einem Abstand von zum Teil nur 60 Zentimeter zum Grundstück der Kläger mehrere acht Meter lange Eisenträger in den Boden. Zwischen den Trägern wurden anschließend Stahlbleche befestigt.

Streit um 20.000 Euro

Bei den Arbeiten kam ein großes Rammgerät zum Einsatz. Das verursachte nicht nur erheblichen Lärm. Die Maßnahmen führten auch zu erheblichen Schäden durch Risse an dem Haus der Kläger. Sie verlangten daher von dem Bauunternehmen, ihnen die Kosten für deren Beseitigung in Höhe von rund 20.000 Euro zu ersetzen.

In dem sich anschließenden Rechtsstreit wies das Unternehmen jegliche Verantwortung für die Schäden von sich. Das alte Gebäude habe mit Gewissheit schon vor den Arbeiten Risse gehabt. Es sei im Übrigen in einem maroden Zustand und müsse eigentlich abgerissen werden.

Doch dem wollte sich das Oldenburger Oberlandesgericht nicht anschließen. Es gab der Klage des Ehepaars statt.

Verstoß gegen anerkannte Regeln der Technik

Nach Ansicht der Richter hat das Bauunternehmen gegen seine Schutzpflichten aus dem Werkvertrag verstoßen. Zwar seien nicht die Kläger, sondern der Eigentümer des Nachbargrundstücks Vertragspartner des beklagten Unternehmers. „Dieser Werkvertrag entfaltet aber eine Schutzwirkung zugunsten Dritter, hier des Ehepaars. Die vertraglichen Sorgfalts- und Obhutspflichten gelten daher auch ihnen gegenüber“, so das Gericht.

Das Bauunternehmen habe durch die Vibrationsarbeiten in unmittelbarer Nähe zum Gebäude der Kläger gegen anerkannte Regeln der Technik verstoßen. Es sei nämlich vorhersehbar gewesen, dass durch die Arbeiten Risse an dem Nachbargebäude entstehen würden.

Zwar habe das Haus nach den Feststellungen eines Bausachverständigen bereits alte Risse aufgewiesen. Diese seien jedoch durch die Rammarbeiten deutlich verbreitert worden und hätten anschließend teilweise die gesamte Hauswand durchdrungen. Das habe unter anderem zur Folge gehabt, dass ein Fenster aus seiner Laibung gerissen worden sei und das Haus keinen ausreichenden Schutz mehr vor Witterungseinflüssen gehabt habe.

Das Bauunternehmen könne sich daher nicht aus seiner Verantwortung stehlen. Es habe den Klägern vielmehr den entstandenen Schaden zu ersetzen.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Immobilie · Schadenersatz · Technik
 
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