Rentenbeitrag sinkt, Renten steigen

23.11.2017 – Die geschäftsführende Bundesregierung hat gestern den Rentenversicherungs-Bericht 2017 sowie eine Absenkung des Rentenbeitragssatzes von 18,7 auf 18,6 Prozent zu Beginn 2018 beschlossen. Letztmals hat das Beitragsniveau nach Daten der Rentenversicherung im Jahr 1995 auf einem so niedrigen Niveau gelegen. Die geschäftsführende Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Dr. Katarina Barley (SPD), erklärte in Berlin, die gesetzliche Rentenversicherung sei gut und verlässlich finanziert. Die Alterung der Gesellschaft werde aber absehbar zu einer großen Herausforderung.

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Gestern hat das Bundeskabinett den Rentenversicherungs-Bericht 2017 beschlossen. Darin schätzt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) – wie jedes Jahr – die kurzfristige Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung sowie in mehreren Szenarien die mögliche Entwicklung über einen Zeitraum von 15 Jahren.

Den über 60 Seiten umfassenden Bericht hatte das von Dr. Katarina Barley (SPD) geschäftsführend geführte Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgelegt. Die noch ausstehende Zustimmung des Bundesrates gilt als sicher.

Rentenbeitragssatz sinkt auf 18,6 Prozent

Neben dem Rentenversicherungs-Bericht beschloss das Kabinett auch die Beitragssatzverordnung 2018. Wegen der guten Finanzlage der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) sinkt der Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung Anfang 2018 von derzeit 18,7 auf dann 18,6 Prozent.

Nach den DRV-Zeitreihen hatte der Beitragssatz zuletzt im Jahr 1995 so niedrig gelegen wie ab Anfang 2018. Zu Beginn der 1990er-Jahre waren die Beitragssätze bis auf 17,5 Prozent abgesenkt worden. Zwischen 1997 und 1998 mussten die bislang höchsten Sätze von 20,3 Prozent entrichtet werden.

Bild: Wichert

Die alternierende DRV-Vorsitzende und DGB-Vorstandsmitglied Annelie Bundesbach hatte sich zuletzt gegen diese kleine Beitragssenkung ausgesprochen (VersicherungsJournal 16.11.2017). Die Rentenversicherung wünscht sich eine Anhebung der Untergrenze von 0,2 auf 0,4 Monatsausgaben, um unterjährige Schwankungen bei den Einnahmen und Ausgaben besser abfangen zu können. Sinkt die Rücklage unterhalb die Marke von 0,2 Monatsausgaben, muss der Beitragssatz erhöht werden.

Auch der Rentenexperte der Union, Peter Weiß (CDU), der für Mitte 2018 Rentensteigerungen von knapp über drei Prozent in West und Ost in Aussicht stellte, mahnte, die demografische Entwicklung nicht aus den Augen zu verlieren. Deshalb sei es richtig, wenn eine breit aufgestellte Rentenkommission Vorschläge für die Zukunft der Rentenversicherung erarbeite.

Gesetzlich festgelegt

Für die Beitragsentwicklung ist derzeit die Entwicklung der sogenannten Nachhaltigkeitsrücklage bei der Deutschen Rentenversicherung ausschlaggebend. Übersteigt diese in der Projektion die Marke von 1,5 Monatsausgaben, dann müssen die Beiträge gesenkt werden. Würde der Beitragssatz auch 2018 unverändert bei 18,7 Prozent liegen, dann wäre eine Nachhaltigkeitsrücklage von 1,61 Monatsausgaben zu erwarten.

Der Beschäftigungsboom führt bereits in diesem Jahr dazu, dass die Rücklage zum Jahresende bei 1,59 Monatsausgaben liegen wird (VersicherungsJournal 15.11.2017). Ende 2016 hatte man mit einem Ergebnis für 2017 unter der Marke von 1,5 Monatsausgaben gerechnet.

Die Alterung der Gesellschaft wird absehbar zur großen Herausforderung, weil immer weniger Jüngere die Rente für immer mehr Ältere finanzieren müssen.

Dr. Katarina Barley, geschäftsführende Bundesarbeits- und -Sozialministerin

Die Babyboomer kommen dem Renteneintritt immer näher

Ministerin Barley verwies in ihrer Bewertung darauf, dass die gesetzliche Rente auf neue Herausforderungen eingestellt werden müsse. „Die Alterung der Gesellschaft wird absehbar zur großen Herausforderung, weil immer weniger Jüngere die Rente für immer mehr Ältere finanzieren müssen.“

Die Generation der Babyboomer der 1960er-Jahre wird ab 2025 absehbar nach und nach in Rente gehen. Barleys Vorgängerin Andrea Nahles (SPD) hatte für Haltelinien beim Rentenniveau und Beitragssatz plädiert, wobei sie die Welle der Babyboomer mit einem Demografiezuschuss aus dem Bundeshaushalt abfedern wollte (VersicherungsJournal 8.6.2017).

Erwerbstätigenquote Älterer seit 2000 um 36 Prozentpunkte gestiegen

Ein Weg, den demografischen Herausforderungen ein wenig zu begegnen, ist eine höhere Erwerbstätigkeit der älteren Menschen in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen. Wie aus dem Rentenversicherungs-Bericht hervorgeht, lag die Erwerbstätigenquote dieser Altersgruppe im Jahr 2000 insgesamt nur bei 20 (Männer 27, Frauen zwölf) Prozent. Bis zum Jahr 2016 stieg die Quote deutlich um 36 Prozentpunkte höher auf 56 (Männer 62, Frauen 51) Prozent.

Im Spiegelbild dazu ist das durchschnittliche Rentenzugangsalter von insgesamt 62,3 (Männer 62,2, Frauen 62,3) Jahren im Jahr 2000 bis 2016 auf 64,1 (Männer 63,9, Frauen 64,1) Jahre angewachsen (VersicherungsJournal 20.7.2017). „Es ist davon auszugehen, dass die Erwerbsbeteiligung Älterer auch in Zukunft weiter ansteigen wird“, heißt es in dem Rentenbericht.

Auf der anderen Seite dürfte auch mit der Rente mit 67 durch die höhere Lebenserwartung die Rentenbezugsdauer weiter ansteigen. In dem Bericht wird für das Jahr 2030 für einen 65-jährigen Mann eine mittlere fernere Lebenserwartung von 19,1 Jahren und für Frauen von 22,5 Jahren unterstellt.

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Gesetzliche Rentenversicherung · Nachhaltigkeit · Rente
 
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