Nahles: Gesetzliche Rente braucht Ergänzung

17.2.2017 – Allein die gesetzliche Rentenversicherung könne den Lebensstandard nicht sichern, sagte Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles gestern in Berlin auf einer Fachveranstaltung zur Altersvorsorge. Zugleich skizzierte die Ministerin die Herausforderungen, die in der Alterssicherung in der kommenden Legislaturperiode angegangen werden müssen. Nahles ließ dabei erkennen, dass sie diese Aufgaben gerne als Ministerin auch in Angriff nehmen will.

WERBUNG

Bundesarbeits- und -sozialministerin Andrea Nahles (SPD) gab gestern auf dem MCC-Kongress „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“ ein klares Bekenntnis zum Drei-Säulen-System der Altersvorsorge ab. „Eine Lebensstandard sichernde Rente schafft die gesetzliche Rentenversicherung nicht allein“, sagte Nahles.

Andrea Nahles (Bild: Brüss)
Andrea Nahles (Bild: Brüss)

In diesem Zusammenhang verwies die Ministerin zunächst auf die von der großen Koalition jetzt auf den Weg gebrachten Reformvorhaben (Betriebsrenten-Stärkungsgesetz (VersicherungsJournal 13.2.2017) sowie Ost-West-Rentenangleichung und Verbesserungen bei den Erwerbsminderungsrenten (VersicherungsJournal 16.2.2017)), die noch in der zu Ende gehenden Legislaturperiode abgeschlossen werden sollen.

Bei dem Blick in die nächste Legislaturperiode wagte Professor Dr. Bert Rürup, Präsident des Handelsblatt Research Institut, mit Blick auf die anhaltenden Diskussionen über die künftige Regelarbeitszeit die Aussage, dass eine Anhebung der Altersgrenze von 67 auf 69 Jahre im Wahlkampf keine Rolle spielen werde.

Bert Rürup (Bild: Brüss)
Bert Rürup (Bild: Brüss)

Dem pflichtete Nahles, die sich bei einem entsprechenden Wahlergebnis offen für eine weitere Amtszeit äußerte, voll bei: „Ich bin nicht selbstmörderisch veranlagt.“ Zudem sei es ja noch ein weiter Weg zur Rente mit 67 Jahren.

Nahles will klare Haltelinien in der gesetzlichen Rentenversicherung

Nahles zufolge hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Idee, Haltelinien beim Rentenniveau und dem Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung einzuziehen, für richtig empfunden.

Allerdings habe die Union von CDU/CSU, als es konkret werden sollte, nicht mehr mitgespielt. Die Arbeits- und Sozialministerin will das Rentenniveau bis 2045 bei 46 Prozent und den Beitragssatz bei maximal 25 Prozent halten (VersicherungsJournal 28.11.2016).

Dabei sieht Nahles zunächst eine wichtige Aufgabe darin, den Menschen deutlich zu machen, was das Rentenniveau wirklich ausmacht. Hier gebe es viele Missverständnisse. Zum anderen müsse man der jüngeren Generation deutlich machen, dass am Ende des Tages auch ein Rentenniveau herauskomme, für das es jahrzehntelange Beitragszahlungen auch lohne, ohne die Menschen bei der Beitragshöhe zu überfordern.

Klar sei auch, dass der Einzug solcher Haltelinien auch durch zusätzliche Zuschüsse des Staates untermauert werden müsse. Die Ministerin spricht hier von einem Demografiezuschuss. Es sei heute jedem bewusst, dass die Baby-Boomer der 1960er-Jahre absehbar in Rente gehen würden. Sie kritisierte dabei auch, dass niemand den Blick über den Tellerrand wirklich wagen wolle. „Bis 2030 kann ich mir auch einen schlanken Fuß rechnen.“

Nahles: Selbstständige in die Altersvorsorge einbeziehen

Für Nahles ist auch klar, dass eine der Aufgaben in der kommenden Legislaturperiode darin besteht, die etwa drei Millionen Selbstständigen in die Altersvorsorge einzubeziehen. Hierüber wird heute auf Antrag der Linksfraktion im Bundestag diskutiert werden. Die Arbeits- und Sozialministerin ist sich sicher, dass es bei diesem Thema „Auseinandersetzungen über den richtigen Weg“ geben wird.

Sicherlich werde auch die Altersarmut zunehmen, aber man müsse doch die Proportionen beachten, sagte Nahles unter Hinweis darauf, dass nur 2,5 Prozent der Älteren hiervon betroffen seien. Heute habe Armut in Deutschland ein „Kindergesicht“.

Sie erneuerte ihren Vorschlag zur Einführung einer Solidarrente für langjährig Versicherte, die zehn Prozent oberhalb der regional unterschiedlichen Grundsicherungssätze liegen sollte. Leider gebe es von der Unionsseite keinen Gegenvorschlag, sagte Nahles.

 
WERBUNG
WERBUNG
Die besten Vertriebstipps für Praktiker!

Fondsverkauf einfach gemacht

Warum nicht einfach Fonds verkaufen?

Wie Sie Kunden gewinnen und erfolgreiche Verkaufsgespräche führen.

Mehr Informationen und zur Bestellung...

WERBUNG
Die Termin- und Empfehlungsquote steigern

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Kunden wollen für Themen gewonnen werden. Wie der Vermittler sie in Vorträgen zu Eigeninitiative animiert, zeigt dieses Praktikerhandbuch.

Mehr Informationen...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
12.10.2016 – Der Versuch einer Zwischenbilanz: Der Renten-Dialog zwischen Regierung sowie Verbänden und Institutionen steht kurz vor dem Ende. Dann liegt es an Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD), ein Reformpaket vorzulegen. (Bild: Brüss) mehr ...
 
12.3.2013 – Ein Kompromiss zwischen CDU und SPD in der Frage, wie man am besten eine zunehmende Altersarmut bekämpft, scheint möglich. Im Vorwahlkampf werden aber die unterschiedlichen Ansätze deutlich gemacht. mehr ...
 
15.2.2017 – Die Altersvorsorge rückt heute wieder in den Blickpunkt: Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) arbeitet weitere Reformvorhaben ab und die neue Präsidentin der Rentenversicherung, Gudula Roßbach, wird sich im Bundestag zur aktuellen Finanzlage äußern. mehr ...
 
1.12.2016 – Zwar wird das Rentenniveau weiter sinken, wie auch der aktuelle Alterssicherungsbericht der Regierung zeigt. Der Bericht enthält dennoch positive Nachrichten für die Versicherungsbranche in Bezug auf die vielgescholtene Riester-Rente. (Bild: BMAS, Screenshot Alterssicherungsbericht 2016) mehr ...
 
28.10.2016 – Ist Altersarmut ein gravierendes Problem oder droht nur eine Zunahme aufgrund der Berechnungsmethode? Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat gestern vor dem Reformvorhaben gewarnt. (Bild: Brüss) mehr ...
 
29.4.2016 – Einen Vorgeschmack darauf, wie ein Rentenwahlkampf aussehen könnte, gab eine gestrige Aktuelle Stunde im Bundestag. Die in der Koalition angeschlagenen Zwischentöne zu Neuerungen im Rentenrecht ließen aufhorchen. (Bild: Brüss) mehr ...
 
13.4.2016 – Dass jetzt eine rentenpolitische Debatte angestoßen wird, ist völlig richtig. Die Verlässlichkeit in der gesetzlichen Rentenversicherung reicht nur bis 2030, das sind gerade mal 14 Jahre. Aber ohne kapitalgedeckten Flankenschutz dürfte es nicht gehen. mehr ...
WERBUNG