Immer mehr Versicherer denken an Personalabbau

9.2.2017 – Die deutsche Wirtschaft bleibt laut der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage ungeachtet weltpolitischer Herausforderungen auf Wachstumskurs. Die Versicherungswirtschaft gehört allerdings zu den Branchen, die die Schlusslichter bilden. Das Stimmungsbild hellte sich hier nur wenig auf. Vor allem die Lebensversicherer trauen der Politik nicht über den Weg. 96 Prozent der befragten Unternehmen sehen in der Politik das größte Risiko für das eigene Geschäft. In der Branche verstärkte sich zugleich der Druck zum Arbeitsplatzabbau.

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Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befragt im Rahmen der Konjunkturumfrage drei Mal im Jahr jeweils etwa 27.000 Unternehmen, darunter auch gut 130 Versicherer.

Bei der Vorstellung der aktuellen Umfrage zu Jahresbeginn erläuterte DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben vor der Presse in Berlin, die Stimmung zu Jahresbeginn sei in „allen Wirtschaftszweigen besser als von den Unternehmen selbst noch im Herbst erwartet“. Der DIHK erhöhte seine Wachstumsprognose für 2017 auf 1,6 von 1,2 Prozent nach einem realen Plus von 1,9 Prozent in 2016.

Martin Wansleben (Bild: Brüss)
Martin Wansleben (Bild: Brüss)

Wansleben hob hervor, dass auch die der Wirtschaftsentwicklung hinterherhinkenden Finanzdienstleister wie die Versicherungswirtschaft wieder mehr Zuversicht gefasst hätten. „Richtige Verlierer finden wir in der Umfrage nicht“, so der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Gerade die Finanzdienstleister hofften auf ein Ende der Null-Zins-Politik.

Unberechenbare Zinspolitik

DIHK-Chefvolkswirt Dirk Schlotböller sagte mit Blick auf die Zinsentwicklung in den USA: „Die Zinspolitik wird unberechenbar.“ Der DIHK hatte gehofft, dass die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der anziehenden Inflation eine behutsame Kehrtwende in der Zinspolitik einleitet.

Dirk Schlotböller (Bild: DIHK)
Dirk Schlotböller (Bild: DIHK)

Da dies unterblieben sei, könnte „die EZB mittelfristig zu einem abrupten Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik gezwungen sein“, warnte Schlotböller. Etwa dann, wenn die US-Notenbank Fed die Zügel deutlich anziehen sollte.

Versicherer blicken etwas optimistischer in die Zukunft

Bei den Geschäftserwartungen hellt sich die Stimmung unter den Versicherern leicht auf. 22 Prozent rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftsentwicklung, und nur noch zehn mit einer Verschlechterung. Der Saldo von zwölf Punkten vergleicht sich mit acht im vergangenen Herbst (VersicherungsJournal 21.10.2016) und sieben zu Jahresbeginn 2016 (VersicherungsJournal 11.2.2016).

Unter den Lebensversicherern ergab sich jetzt per Saldo ein leichtes Plus von zwei Punkten nach noch minus sieben im Herbst und minus 19 zu Beginn des vergangenen Jahres. Die Schaden- und Unfallversicherer stehen der weiteren Entwicklung eher unverändert positiv gegenüber (aktueller Saldo: plus acht, Herbst und Anfang 2016: jeweils plus neun).

Die Aussage des DIHK-Geschäftsführers, dass die tatsächlich eingetretene Lage besser ist als die zuvor formulierten Erwartungen, bewahrheitet sich auch bei den Versicherern. Die aktuelle Situation bezeichnen 42 Prozent der befragten Unternehmen besser und nur vier schlechter, was einen positiven Saldo von 38 (Herbst: 35) Punkten ergibt.

Bild: Wichert

Selbst die Lebensversicherer sehen die tatsächliche Geschäftsentwicklung eher positiv. Der Saldo stieg deutlich auf 26 (Herbst: 15) an. Anfang 2016 gab es nur ein Plus von acht Punkten.

Branche steht vor weiterem Beschäftigungsabbau

Die Versicherungsbranche wird wohl auch weiterhin Personal abbauen. Die Umfrageergebnisse bestätigen entsprechende Aussagen des Präsidenten des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) Dr. Alexander Erdland (VersicherungsJournal 27.1.2017).

Branchenweit wollen zwar elf Prozent der Unternehmen mehr Personal einstellen, aber 31 Prozent auch abbauen. Der Saldo von minus 20, der den niedrigsten Wert in den letzten sieben Jahren darstellt, vergleicht sich mit minus zwölf im Herbst 2016 und minus acht Prozentpunkten zu Jahresbeginn 2016.

Bild: Wichert

Die Politik stellt nach Einschätzung der Versicherungswirtschaft das größte Risiko für die weitere Geschäftsentwicklung dar. Ob dies mit dem Wahljahr zusammenhängt, lässt sich aus den Zahlen nicht herauslesen.

Diese Sorge treibt jedenfalls in der Branche 71 Prozent der befragten Unternehmen um. Bei den Lebensversicherern (96 Prozent) ist der Wert kaum noch zu toppen. Schon im Herbst (82 Prozent) und Anfang des vergangenen Jahres (89 Prozent) lagen die Werte bei den Lebensversicherern sehr hoch.

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Konjunktur · Marktforschung · Personalabbau
 
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