Folgenreicher Sturz in Bäckerei

11.1.2017 – Auch wenn ein Ladeninhaber seinen Kunden ermöglicht, die Geschäftsräume außerhalb der offiziellen Öffnungszeiten zu betreten, hat er für die Beseitigung von Stolperfallen zu sorgen. Im Fall eines Sturzes kann einen Kunden in derartigen Fällen jedoch ein erhebliches Mitverschulden treffen. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Urteil des Oberlandesgerichts Nürnberg vom 21. Dezember 2016 hervor (4 U 1265/16).

WERBUNG
Honorarberater-Services
Sie bieten Honorarberatung an und wünschen sich Unterstützung? Einen Marktüberblick über passende Dienstleister finden Sie im aktuellen VersicherungsJournal Dossier...

Die Klägerin hatte im Juni 2015 mit Einverständnis der Ladeninhaberin noch vor der offiziellen Öffnungszeit den Verkaufsraum einer Bäckerei betreten, um dort etwas einzukaufen.

Dumm gelaufen?

Dabei stolperte sie über eine versehentlich zwischen dem Eingangsbereich und der Ladentheke liegende Palette. Bei dem dadurch ausgelösten Sturz zog sich die Frau eine schwere Knieverletzung zu.

Sie verklagte die Inhaberin der Bäckerei anschließend auf Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld. Denn sie habe nicht damit rechnen müssen, dass auf dem Fußboden des Ladens eine Palette lag. Die Ladeninhaberin habe folglich ihre Verkehrssicherungs-Pflicht verletzt.

Diese bestritt zwar nicht, die auf dem Fußboden liegende Palette vergessen zu haben. Weil die Bäckerei offiziell noch nicht geöffnet hatte, habe die Klägerin jedoch mit möglichen Stolperfallen rechnen müssen. Sie habe sich ihre Verletzung daher selbst zuzuschreiben.

Dem wollten sich die Richter des Nürnberger Oberlandesgerichts nur teilweise anschließen. Sie gaben der Klage der Kundin überwiegend statt.

WERBUNG

Erhebliches Mitverschulden

Nach Ansicht des Gerichts besteht auch in Fällen, in denen Kunden einen Laden auch außerhalb der Geschäftszeiten betreten können, eine Verpflichtung, das Geschäft frei von Stolperfallen zu halten. Die Inhaberin der Bäckerei ist der Klägerin daher grundsätzlich zum Schadenersatz verpflichtet.

Die Richter gingen jedoch von einem erheblichen Mitverschulden der Klägerin aus. Denn wer außerhalb der Öffnungszeiten einen Laden betrete, müsse damit rechnen, dass Waren angeliefert und eingeräumt werden.

Ein Kunde müsse sich daher zunächst einen Überblick verschaffen und besondere Vorsicht walten lassen. Das gelte auch hinsichtlich auf dem Boden liegender Paletten, zumal diese wegen ihrer Struktur in der Regel gut zu erkennen seien.

In dem entschiedenen Fall gingen die Richter daher von einem Mitverschuldensanteil der Klägerin von 40 Prozent aus. Eine Revision gegen seine Entscheidung ließ das Gericht nicht zu.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Schadenersatz · Verkauf
 
WERBUNG
WERBUNG
Die besten Vertriebstipps für Praktiker!

Fondsverkauf einfach gemacht

Warum nicht einfach Fonds verkaufen?

Wie Sie Kunden gewinnen und erfolgreiche Verkaufsgespräche führen.

Mehr Informationen und zur Bestellung...

WERBUNG
WERBUNG
Die Termin- und Empfehlungsquote steigern

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Kunden wollen für Themen gewonnen werden. Wie der Vermittler sie in Vorträgen zu Eigeninitiative animiert, zeigt dieses Praktikerhandbuch.

Mehr Informationen...

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
10.1.2017 – Ein Mann war im Rahmen einer Pauschalreise einem betrügerischen Schmuckverkäufer auf den Leim gegangen. Anschließend verklagte er den Reiseveranstalter auf Zahlung von Schadenersatz. mehr ...
 
26.10.2016 – Nachdem es beim Betrieb einer illegalen Plantage zu einem Schaden gekommen war, wollte ihr Besitzer seine Privathaftpflicht-Versicherung in Anspruch nehmen. Als dies scheiterte, landete der Fall vor Gericht. mehr ...
 
14.10.2016 – Eine Frau war in einer Apotheke auf nassglattem Boden ausgerutscht und hatte sich eine schwere Armverletzung zugezogen. Anschließend verklagte sie den Apothekenbesitzer auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Wie das Gericht entschied. mehr ...
 
6.10.2016 – Eine Frau war auf dem Gelände einer Tankstelle gestürzt. Anschließend stritt sie sich mit deren Betreiber über die Frage, ob dieser für den Sturz verantwortlich war. mehr ...
 
30.8.2016 – Das Detmolder Landgericht hatte darüber zu entscheiden, ob Rechtsschutzversicherer Betroffenen des VW-Abgasskandals die Gefolgschaft verweigern dürfen. mehr ...
 
8.8.2016 – Beiträge aus dem VersicherungsJournal können empfohlen sowie in Pressespiegeln und Publikationen genutzt werden. Dabei sind ein paar einfache Regeln zu beachten. (Bild: VersicherungsJournal) mehr ...
 
28.7.2016 – Nach einem Totalschaden hat ein Geschädigter sein Fahrzeug für nur 50 Euro verkauft. Vor Gericht stritt er sich mit seinem Versicherer anschließend darüber, ob er gegen seine Schadenminderungs-Pflicht verstoßen hat. mehr ...