Fintechs: Zwischen Furcht und Freundschaft

7.4.2017 – Über 80 Prozent in den Management-Etagen der Banken, Versicherer und Investmentmanager weltweit fürchten, Geschäft an „Innovatoren“ aus dem Fintech-Sektor zu verlieren – im Schnitt rund ein Viertel ihrer Umsätze. Ebenfalls mehr als 80 Prozent reagieren darauf mit Kooperationsabsichten, ein Teil ist schon über das Stadium der Absicht hinaus. Dies geht aus einer aktuellen PwC-Studie hervor.

WERBUNG

88 Prozent der Finanzdienstleister sehen ihre Umsätze durch Fintech-Unternehmen bedroht. In der Vorjahresumfrage hatten 83 Prozent darin eine reale Gefahr gesehen. In Europa hat sich der Anteil von 83 auf 89 Prozent erhöht. Im Durchschnitt werden 24 Prozent der Umsätze als gefährdet beurteilt.

Das besagt der jetzt veröffentlichte internationale „2017 Global Fintech Survey“. Die Unternehmensberatung Pricewaterhousecoopers AG (PWC) hat die Studie in 71 Ländern, darunter Deutschland, durchgeführt.

1.308 CEOs und Abteilungsleiter wurden befragt, von denen rund ein Drittel aus dem Bankensektor und etwa ein Viertel aus Fintechs stammen; die übrigen 44 Prozent teilen sich unter anderem auf Versicherungs- und Investmentmanager auf.

Kooperation statt Konfrontation

Infolgedessen scheint man statt auf Konfrontation lieber auf die neuen Akteure zuzugehen: Wie der Report feststellt, sagen 58 Prozent der Versicherer von sich, dass sie die Fintech-Unternehmen beobachten, um im Wettbewerb entsprechend zu reagieren.

Und nicht nur das: Die beiden Seiten nähern sich auch zu nehmend an: 45 Prozent gehen auf Tuchfühlung, nach 28 Prozent im Vorjahr.

Die große Mehrheit will Partnerschaften ausbauen

82 Prozent der Finanzinstitutionen – Banken, Versicherungs-Unternehmen (hier sind es 84 Prozent) und Investmentmanager – weltweit wollen ihre Partnerschaften mit Fintechs in den nächsten drei bis fünf Jahren ausbauen.

In Deutschland gaben 78 Prozent der Befragten aus Finanzinstitutionen an, dass sie ihre Partnerschaften mit Fintechs in den nächsten drei bis fünf Jahren ausbauen wollen. 70 Prozent kooperieren bereits mit Fintechs. In der Schweiz antworteten 82 beziehungsweise 59 Prozent in diesem Sinn.

Banken erwarten sich dabei im Schnitt einen Return on Investment von 20 Prozent auf ihre Innovationsprojekte; die Versicherer planen mit erhofften 13 Prozent etwas vorsichtiger.

Das Interesse ist dabei durchaus ein gegenseitiges: Fintech-Startups können Kapital und Kunden brauchen – beides kann bei etablierten Unternehmen gefunden werden. Dem Bericht zufolge sind in den letzten Jahren denn auch bereits beträchtliche Summen in Fintechs investiert worden.

Wie das Kundenverhalten eingeschätzt wird

Gefragt wurde im Rahmen der Studie auch, welche Finanzangelegenheiten die Kunden der etablierten Anbieter nach deren Einschätzung bereits mit Hilfe von Fintechs durchführen. Die meisten (84 Prozent) gehen davon aus, dass der Zahlungsverkehr hier eine wichtige Rolle spielt.

49 Prozent glauben, dass Kunden Fintechs im Zusammenhang mit klassischen Sparprodukten nutzen, 38 Prozent schätzen, dass sie von Fintechs Gebrauch machen, um Versicherungsangelegenheiten zu erledigen.

Priorität: Einfache Nutzung, intuitives Produktdesign

Um im Wettbewerb mit den Fintechs Kunden zu halten, werden bei den etablierten Unternehmen – seien es nun Banken, Zahlungsdienstleister, Asset-Manager oder Versicherungs-Unternehmen – „einfache Nutzung und intuitives Produktdesign“ als wesentlichste Aspekte betrachtet.

Als zweitwichtigster Punkt wird bei den Versicherern die Qualität des Kundendienstes genannt, während im Bankensektor die Rund-um-die-Uhr-Verfügbarkeit auf Platz zwei steht. 24/7 für die Kunden zugänglich zu sein, folgt bei den Versicherern auf Platz drei.

77 Prozent (Europa: 75) wollen laut dem Bericht ihre internen Innovationsbemühungen steigern, 56 Prozent machen es zum Bestandteil ihrer Strategie, selbst „disruptive“ Aktivitäten zu entfalten.

Die Studie „Redrawing the lines: FinTech’s growing influence on Financial Services“ kann im Internet auf der PwC-Website in englischer Sprache nachgelesen werden und steht dort sowohl in einer Kurz- als auch einer Langfassung zum Herunterladen zur Verfügung.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Insurtech · Strategie
 
WERBUNG
WERBUNG
VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Die besten Vertriebstipps für Praktiker!

Fondsverkauf einfach gemacht

Warum nicht einfach Fonds verkaufen?

Wie Sie Kunden gewinnen und erfolgreiche Verkaufsgespräche führen.

Mehr Informationen und zur Bestellung...

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
16.3.2017 – Die Munich Re hat ihre Bilanz 2016 präsentiert und meldet Erfolge nicht zuletzt beim Umbau der Tochter Ergo. Zentrales Thema waren auch hier wieder die Konsequenzen der Digitalisierung. mehr ...
 
6.3.2017 – „Financefox“ wurde umbenannt. Finanzen.de hat Comfortplan übernommen. Die Zurich-Gruppe sucht Kontakt zu jungen Gründern. Blau Direkt investiert weitere Millionen in ihr Start-up. Die Deutsche Familienversicherung digitalisiert die Schadenabteilung. Honorarkonzept und Vaamo bieten ein Anlageberatungs-Portal an. (Bild: Zurich) mehr ...
 
12.1.2017 – Zuerst belächelt, dann kritisch beäugt und gefürchtet – und nun werden immer öfter Fintechs von der klassischen Assekuranz gekauft. Jetzt hat die W&W-Gruppe zugeschlagen, um ihren Kunden Neues zu bieten. Veränderungen haben unter anderem auch Axa, DEVK, ERV und Zurich vermeldet. mehr ...
 
18.11.2016 – Wie Fintechs und Versicherer zueinander stehen, beschreibt eine neue Studie. Blau Direkt hat jetzt eine Makler-App als Partner und ein Test von Mediaworx zeigt, welche Versicherer-Websites top und welche ein Flop sind. (Bild: Seocouch.de) mehr ...
 
17.11.2016 – Welche Faktoren derzeit den stärksten Einfluss auf den Vermittlerbetrieb haben und wie Vermittler zur Honorarberatung stehen, wurde in einer aktuellen Umfrage ermittelt. Thema waren auch die Auflagen zur Dokumentation. (Bild: Wichert) mehr ...
 
3.11.2016 – Wie Verbraucher zu Fintechs stehen, in welchen Bereichen sie diese in Finanzdingen nutzen und wie die Finanzdienstleister die digitale Konkurrenz einschätzen, wurde im gestern veröffentlichten „World Fintech Report 2017“ untersucht. (Bild: Capgemini, Linkedin und Efma) mehr ...
 
18.10.2016 – Unter den Versicherungsvereinen hinterlässt Solvency ll seine Spuren: Mit Blick auf mehr Flexibilität der Kapitalausstattung wird umgebaut. Zudem wird viel über Digitalisierung berichtet, wie ein Überblick des VersicherungsJournals über Veränderungen in der Assekuranz zeigt. mehr ...
WERBUNG