Finanztip: Was zu tun ist, wenn der PKV-Beitrag steigt

2.12.2016 – Finanztip hat sich mit der Frage auseinandergesetzt, was Versicherte in der privaten Krankenversicherung (PKV) tun können, wenn der Beitrag angehoben wird. Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen sagte in Bezug auf eine selbst durchgeführte Umfrage, im Durchschnitt blieben die Beitragserhöhungen zwischen 0,2 bis sechs Prozent noch eher moderat – und mancher PKV-Versicherte sei gar nicht betroffen. Im Einzelfall könne die Erhöhung aber happig ausfallen. Da könnten Mehrkosten von bis zu 1.500 Euro im Jahr anfallen. Hier wolle das führende gemeinnützige Verbraucherportal Wege zur Beitragssenkung aufzeigen.

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Finanztip-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen verwies gestern bei einem Pressegespräch in Berlin darauf, dass immer mehr Menschen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) blieben, obwohl ihr Einkommen den Wechsel in die PKV ermöglichen könnte.

Hermann-Josef Tenhagen (Bild: Brüss)
Hermann-Josef Tenhagen (Bild: Brüss)

Ihre Zahl überstieg inzwischen im vergangenen Jahr mit 9,04 Millionen die Zahl der PKV-Vollversicherten von 8,79 Millionen. Im Jahr 2010 sei es noch umgekehrt gewesen (PKV: 8,90 Millionen, GKV: 7,76 Millionen).

Im Schnitt moderate Anpassungen

Tenhagen stellte die Ergebnisse einer kürzlich durchgeführten Umfrage zu den durchschnittlichen Beitragsanpassungen 2017 in den PKV vor. Zwar antworteten nur 16 der 29 angesprochenen Unternehmen; diese repräsentierten allerdings rund sieben Millionen der knapp neun Millionen Krankenvollversicherten.

Im Durchschnitt blieben die Beitragserhöhungen zwischen 0,2 bis sechs Prozent noch eher moderat – und mancher PKV-Versicherte sei gar nicht betroffen. Zu einem ähnlichen Ergebnis war auch eine Umfrage des VersicherungsJournals gekommen (VersicherungsJournal 14.11.2016).

Unter medialen Aspekten dürfte es verständlich sein, wenn die befragten Unternehmen in der Regel keine Angaben machten, welcher Tarif am stärksten steigen soll. Denn Meldungen über massive Beitragsanhebungen lösen immer ein gewaltiges Medienecho aus (VersicherungsJournal 30.9.2016). Bei der Finanztip-Umfrage gab nur ein Unternehmen den Maximalwert mit etwa 20 Prozent an.

Tenhagen übte keine Kritik an den Beitragsanhebungen an sich, die durch gestiegene Leistungskosten für die Versicherten, eine höhere Lebenserwartung, geringere Stornogewinne sowie die niedrigere Verzinsung der Altersrückstellungen ausgelöst würden.

Preiserhöhungen zwischen 0,2 Prozent und sechs Prozent

Die durchschnittliche Beitragsanhebung im kommenden Jahr liegt bei den 16 antwortenden Unternehmen zwischen 0,2 Prozent (Arag Krankenversicherungs-AG) und sechs Prozent (Axa Krankenversicherung AG) – im Einzelfall können die Beitragsanhebungen aber deutlich höher ausfallen.

Insgesamt gaben 15 der 16 PKV-Versicherer an, dass sie die Beiträge für einzelne Tarife anheben werden. Der Anteil der Betroffenen reicht von acht Prozent bei der Arag bis 65 Prozent beim Debeka Krankenversicherungs-Verein a.G. Im Fall der Debeka wies Tenhagen darauf hin, dass diese vergleichsweise wenige Tarife anbiete. Ein privater Krankenversicherer gab an, die Beiträge im ersten Quartal 2017 tarifübergreifend anheben zu wollen.

Die Handlungsoptionen der PKV-Versicherten

Wer sich einer Beitragserhöhung in der PKV gegenübersieht, die er für überzogen hält, der hat Tenhagen zufolge drei Handlungsoptionen, wobei der Wechsel in die GKV sich aber überaus schwierig gestalten könne. Informationen hierüber seien bei Finanztip in den letzten zwölf Monaten rund 200.000 Mal abgerufen worden, berichtete Tenhagen.

Man könne auch den PKV-Anbieter wechseln, aber wenn der Vertragsabschluss vor 2009 liege, gingen dabei die gesamten Altersrückstellungen verloren, so dass man wieder von vorne ansparen müsse. Für ältere Versicherte mache dies keinen Sinn, sagte der Finanztip-Chefredakteur.

Nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherung e.V. (PKV-Verband) gilt für die seit 2009 abgeschlossenen Vollversicherungen, dass bei einem Anbieterwechsel ein Teil der Rückstellungen mitgenommen werden darf, was beim neuen PKV-Unternehmen beitragssenkend wirkt.

Tenhagen hält einen internen Tarifwechsel für den besten Weg

Schließlich könne man innerhalb seines PKV-Unternehmens den Tarif wechseln, sagte Tenhagen, der diese Lösung für die beste hält. Zumindest dann, wenn es denn gelingt, den Leistungsumfang zu halten. Hierüber hätten sich rund 46.000 Finanztip-Nutzer Informationen eingeholt. Tenhagen warnte aber vor einem Wechsel in den Basis-Tarif, in dem der bislang Privatversicherte auf GKV-Niveau sinke.

Tenhagen wies darauf hin, dass Versicherte ein Recht hätten, in einen gleichwertigen Tarif zu wechseln (§ 204 VVG). Zudem müssten die PKV-Unternehmen auf die Wechselmöglichkeit hinweisen. Laut Tenhagen informierten 67 Prozent der Unternehmen alle Betroffene und 33 Prozent nur die ab dem 55. Lebensjahr.

Über das gesamte Tarifspektrum würden nur 14 Prozent der Unternehmen informieren. 86 Prozent der Gesellschaften wollten nur auf besonders geeignete Tarife hinweisen. Das durchschnittliche Sparpotenzial liege zwischen 240 Euro bei der Süddeutschen Krankenversicherung a.G. (SDK) und 501 Euro bei der Debeka im Jahr, sagte Tenhagen. Konkret geäußert hätten sich allerdings nur sehr wenige PKV-Unternehmen.

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