Droht der Assekuranz Lähmung durch die Regulierungspraxis?

17.3.2017 – Auf der Mitte dieser Woche in Berlin abgehaltenen Jahrestagung des Deutschen Vereins für Versicherungs-Wissenschaft lag der thematische Schwerpunkt auf Fragen der Regulierung und Big Data. Die unter den Teilnehmern kontrovers geführte Diskussion zeigte auf, dass die Assekuranz insbesondere hinsichtlich der innereuropäischen Harmonisierung aufsichtsrechtlicher Vorgaben wie auch durch Auflagen des Datenschutzes gefordert ist. Ein Gastbeitrag von Dr. Moritz Finkelnburg.

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Zwei große, das aktuelle Geschehen in der Assekuranz bestimmende Themen dominierten die Jahrestagung des Deutschen Vereins für Versicherungs-Wissenschaft e.V. (DVfVW), die in den letzten zwei Tagen in Berlin stattgefunden hat.

Moritz Finkelnburg
(Bild: privat)

Stand die Politik der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) im Spannungsfeld zwischen Überregulierung und notwendiger Harmonisierung zunächst im Mittelpunkt, ging es im zweiten Teil der Veranstaltung insbesondere um den Umgang mit Big Data sowie die damit verbundenen Chancen und Risiken.

Nachdrücklich schilderte Gabriel Bernardino, Präsident der Eiopa, die Ausgangslage: Es geht um die Harmonisierung der aufsichtsrechtlichen Strukturen der europäischen Mitgliedsstaaten unter Berücksichtigung praktischer und kultureller Besonderheiten. Bernardino wies auf die Notwendigkeit ausreichender einheitlicher Standards ebenso hin, wie auf die Gefahr, durch Überregulierung eine Lähmung und den Verlust internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu riskieren.

Regulierung im europäischen Kontext

Seine morgendlichen Kombattanten auf dem Podium – der Bundestagsabgeordnete Manfred Zöllner (SPD), Dr. Peter Hemeling (Allianz-Chefjustiziar) und Professor Dr. Meinrad Dreher von der Universität Mainz – setzten genau hier mit ihrer Kritik an.

Einerseits wurde die Sorge vor einer – die Kompetenzen der Eiopa zunehmend überschreitenden – ausufernden Regulierungspraxis geäußert. Andererseits auf die spezifischen Probleme grenzüberschreitend tätiger Versicherungs-Unternehmen – wie zum Beispiel bei der Verwendung eigener interner Risikomodelle – hingewiesen.

Die sich teilweise überschneidenden Zuständigkeiten europäischer Aufsichtsbehörden im Banken- und Versicherungsbereich (die Eiopa, Bundesanstalt für Finanzdienstleistungs-Aufsicht und das Financial Stability Board als Beispiele) und daraus resultierende Rechtsunsicherheit waren ein weiterer Kritikpunkt.

Die von den Moderatoren Professor Dr. Wolfgang Weiler und Professor Dr. Manfred Wandt anschließend geleitete Podiumsdiskussion machte die durchaus unterschiedlichen Positionen nochmals deutlich und rundete den Vormittag ab.

Big Data wirft Fragen des Datenschutz auf

Die Möglichkeiten der Schadenvorhersage und Prävention im Bereich der Naturkatastrophen standen im Fokus des nachmittäglichen Vortrags von Wolfgang Hauner, dem Chief Data Officer der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG (Munich Re).

Seine Darstellung der durch Advanced Analytics geschaffenen Möglichkeiten, der zugrundeliegenden Systeme und der zukünftig denkbaren Entwicklungsstufen neuronaler Netze für Beratung, Underwriting und Schaden regte zu intensiver Diskussion an. Der mahnende datenschutzrechtliche Finger, den Professor Dr. Thomas Hoeren anschließend erhob, machte das sich anbahnende Dilemma zwischen Datenschutz und globalen, kaum zu kontrollierenden Datenflüssen deutlich.

Professor Dr. Andreas Hackethal, und Dr. Daniel John, Huk-Coburg-Chefaktuar, komplettierten durch ihre Darstellungen der Einsatzmöglichkeiten großer Datenmengen im Versicherungs-, Banken- und Investmentbereich das Bild.

Das Fazit der Diskussionsleiter Professor Dr. Helmut Gründl und Professor Dr. Heinz-Dietrich Steinmeyer war nachdenklich: Wie kann ein sinnvoller, mit modernen Entwicklungen im Einklang stehender Datenschutz zukünftig überhaupt noch gewährleistet werden?

Wissenschaftlicher Austausch in einzelnen Foren

Der Schlusstag der Veranstaltung stand – traditionell – im Zeichen der Forschung: In 15 thematisch unterschiedlich geprägten Foren wurden wissenschaftliche Studien, Modelle und Thesen präsentiert und diskutiert. Experten aus den führenden versicherungs-wissenschaftlichen Hochschulen behandelten Themen zwischen Risiko-Kapital-Modellen, den Potenzialen von Telematiktarifen oder der Schadensberechnung in der Sachversicherung.

Die Jahrestagung 2018 des DVfVW findet am 21. und 22. März in München statt.

Dr. Moritz Finkelnburg

Der Autor ist Akademischer Direktor für den Bereich Versicherungen an der Goethe Business School. Die Spezialgebiete des Rechtswissenschaftlers sind Vertrieb, Kompositversicherung und Portfoliomanagement. Vor seiner Laufbahn im Wissenschaftsbetrieb hat Finkelnburg mehrere Jahre in Management- und Vorstandspositionen in der Versicherungswirtschaft gearbeitet.

 
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