Die Kosmetikerin, der Kunstfehler und die Haftungsfrage

14.2.2017 – Unterläuft einer Kosmetikerin ein Kunstfehler, so ist sie zur Zahlung eines Schmerzensgeldes sowie zum Ersatz aller zukünftigen, durch die Fehlbehandlung möglicherweise entstehenden Schäden verpflichtet. Das hat das Amtsgericht München mit einem kürzlich veröffentlichten Urteil vom 26. Oktober 2016 entschieden (132 C 16894/13).

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Die Klägerin hatte sich bei der beklagten Fachkosmetikerin wiederholt einer Permanent-Make-up-Behandlung unterzogen. Dabei wurde ihr unter anderem im oberen und unteren Bereich ihrer Augen ein Lidstrich gezogen.

Falscher Farbton?

Weil ihr der untere Lidstrich auf Dauer zu breit erschien, wollte sie ihn verschmälern lassen. Dazu deckte die Kosmetikerin Teile des Strichs mit einer Hauttonfarbe ab. Das Ergebnis vermochte die Klägerin jedoch nicht zu überzeugen.

Sie warf der Beklagten vor, bei den Korrekturarbeiten einen falschen Farbton gewählt zu haben. Außerdem seien die Lidstriche unterschiedlich breit. Weil die Korrektur über Jahrzehnte sichtbar sein werde, verlangte sie die Zahlung eines Schmerzensgeldes von mindestens 3.000 Euro sowie den Ersatz aller möglicherweise zukünftig durch die Fehlbehandlung entstehenden Schäden.

Die Kosmetikerin bestritt, die Klägerin kunstfehlerhaft behandelt zu haben. Sie wies die Forderungen daher als unbegründet zurück. Der Fall landete schließlich vor dem Münchener Amtsgericht. Das gab der Klage weitgehend statt.

Kunstfehler

Eine von dem mit dem Fall befassten Richter beauftragte Sachverständige kam zu dem Ergebnis, dass die Vorwürfe der Klägerin nicht von der Hand zu weisen waren. Denn die beklagte Fachkosmetikerin habe bei der Korrektur nicht nur einen falschen Farbton gewählt, sondern auch zu einem asymmetrischen Ergebnis beigetragen.

Wegen des hohen Anteils eines bestimmten Stoffs in der von der Beklagten verwendeten Farbe sei deren Verweildauer auch ausgesprochen lang und der Fehler über lange Zeit stets sichtbar. Nach Ansicht des Gerichts steht der Klägerin daher ein Schmerzensgeld sowie die Feststellung, dass die Kosmetikerin zum Ersatz aller zukünftigen, durch die Fehlbehandlung möglicherweise entstehenden Schäden verpflichtet sei, zu.

Diejenige, die sich einer derartigen Prozedur unterziehe, willige zwar bewusst in eine Körperverletzung ein. Mit der Einwilligung sei jedoch stets die berechtigte Erwartung verbunden, dass die Behandlung mangelfrei und nach den Regeln der Kunst durchgeführt werde. Von Letzterem könne im Fall der Klägerin nicht ausgegangen werden.

Die mangelhafte Ausführung der Arbeiten würde jedoch zu keiner groben Entstellung führen. Das Gericht hielt daher die Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 2.500 Euro für ausreichend. Die Entscheidung ist mittlerweile rechtskräftig.

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Schmerzensgeld
 
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