Die Anbieter mit dem transparentesten Policenwert

9.11.2017 – Vermittler müssen ihren Kunden spätestens ab 23. Februar 2018 laufend nachvollziehbare Daten zum Vertragsstand liefern. Die bisherigen Standmitteilungen der Lebensversicherer genügen häufig noch nicht diesen Anforderungen. Eine neue Studie zeigt, wo die Gesellschaften bei der Kundentransparenz stehen.

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Der transparenteste Anbieter bei der jährlichen Wertermittlung der Lebensversicherung für ihre Kunden ist die VGH Provinzial Lebensversicherung. Mit einem Transparenzscore von fast 70 Prozent hält sie sich vollumfänglich an die Vorgaben des § 155 VVG, gefolgt von der Axa Lebensversicherung AG und der Axa-Tochter Deutsche Ärzteversicherung AG mit jeweils mehr als 60 Prozent. Dies zeigt die aktuelle Studie des Policenanalysten Partner in Life S.A. (PiL).

Für eine hauseigene Studie analysierte der Policenkäufer mit Sitz in Luxemburg die Wertmitteilungen von 64 Gesellschaften mit einem Marktanteil – nach Deckungsrückstellung – von über 95 Prozent. In dem untersuchten Teilbestand hat PiL über 2.000 Wertmitteilungen mit knapp 18.000 wichtigen Kennzahlen untersucht.

Auf Nachfrage des VersicherungsJournals hieß es, dass PiL selbst diese Daten im Rahmen der Policenanalyse erhebt. Solche Daten seien unverzichtbar für die eigenen Verträge des Unternehmens, seine gemanagten Portfolios sowie für die Policen-Gutachten, die im Auftrag von Privatkunden und Finanzdienstleistern erstellt werden.

Das Bewertungsschema

Es handele sich um Wertmitteilungen, die der Policenkäufer als einer der größten Versicherungsnehmer von aufgekauften LV-Policen in Deutschland regelmäßig von den Versicherern erhält. Diese Mitteilungen schicken die Gesellschaften Jahr für Jahr an ihre Kunden.

„Wir haben uns dabei nur auf die jeweils vier wichtigsten Kennzahlen konzentriert, die für die Prüfung des aktuellen Guthabens und der Perspektive zur Altersvorsorge von vorrangigem Interesse sind“, erklärte eine Sprecherin.

  • Schlussüberschussanteil,
  • Mindest- beziehungsweise Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven,
  • über die Mindestbeteiligung hinausgehende Bewertungsreserven,
  • garantierte Ablaufleistung inklusive Ansammlungsguthaben.

Beispiel: Um die Transparenz beim Rückkaufswert zu beurteilen, wurden zum Beispiel 70 vorliegende Wertmitteilungen von Axa-Policen untersucht. Bewertet wurde, ob die einzelnen Werte unmissverständlich genannt wurden oder sich eindeutig aus der Nennung aller übrigen Werte herleiten lassen.

Unterm Strich wären 280 Punkte erreichbar gewesen (70 Verträge mal vier – für klare Transparenz in allen vier Kennziffern). Axa schaffte 160 klar und eindeutig ausgewiesene Werte und damit beim Teilgebiet Rückkaufswert einen Transparenzscore von 57,1 Prozent.

Wie weitere Versicherer abgeschnitten haben

Laut Studie gehören auch die Condor Lebensversicherungs-AG, die Hansemerkur Lebensversicherung AG, der Debeka Lebensversicherungs-Verein a.G. und Swiss Life AG zu den transparenten Anbieter. Der weitaus größte Teil des Lebensversicherungs-Marktes gebe seinen Versicherten in den jährlichen Wertmitteilungen allerdings nur einen unvollständigen Überblick über die Vertragsentwicklung.

„Gerade bei Versicherungen mit Garantiezins ist dies heute aber besonders wichtig, da die Versicherer im Niedrigzinsumfeld große Herausforderungen zu bewältigen haben, um die Garantien zu erfüllen“, sagt PiL-Vorstand Dean Goff. Daher sei es gerade hier wichtig, zu erkennen, ob und inwieweit die Versprechen erfüllt werden könnten.

Die Grafiken differenzieren daher nach der Mitteilung des aktuellen Guthabens (Rückkaufswert, kurz: RKW) und der Erlebensfallleistung bei Ablauf (kurz: EFL). Aus beiden Werten bildet sich der Transparenzscore.

Bild: Partners in Life
RKW = Rückkaufswert; EFL = Erlebensfallleistung bei Ablauf (Bild: Partners in Life). Zum Vergrößern Bild klicken

Zum Teil merkliche Fortschritte

Merkliche Fortschritte attestierte der Policenkäufer der DEVK Allgemeine Lebensversicherungs-AG. Sie verbesserte sich gegenüber der ersten Studie 2016 von einem Platz im letzten Drittel mit einem Transparenzscore von 44 Prozent auf 48 Prozent und rückte damit ins Mittelfeld auf. Gar um sechs Prozentpunkte auf nun 41 Prozent Transparenzscore verbesserte sich die Continentale Lebensversicherung a.G.

Intransparenter sind laut Studie die Mitteilungen der Nürnberger Lebensversicherung AG (14 Prozent), der Entis Lebensversicherung AG (13 Prozent) – sie hat den Vertragsbestand der Protektor Lebensversicherungs-AG zum 1. August 2017 übernommen (VersicherungsJournal 2.8.2017) –, der Württembergischen Lebensversicherung AG (zwölf Prozent) sowie der Stuttgarter Lebensversicherung a.G. mit einem Score von fünf Prozent.

Bild: Partners in Life
RKW = Rückkaufswert; EFL = Erlebensfallleistung bei Ablauf (Bild: Partners in Life). Zum Vergrößern Bild klicken

Teils Probleme bei der Beteiligung an den BWR

Bei der Mitteilung von Bewertungsreserven (BWR) und Sockelbeteiligung hat die Zahl der transparenten Versicherer deutlich zugenommen, so die Studie weiter. „Wer beide Werte in jeder Wertmitteilung nennt oder klar unterrichtet, dass die Beteiligung an den BWR null Euro beträgt, weil derzeit hierfür nicht ausreichend BWR vorhanden sind – diese Gesellschaft hätte 100 Prozent Transparenz erreicht“, erläutert Goff.

Manche Gesellschaften seien nahe dran und zeigten, dass Transparenz möglich ist. Bei Versicherern wie der Stuttgarter Leben aber könne der Kunde weder wissen, ob Bewertungsreserven enthalten sind oder nicht, noch in welcher Höhe gegebenenfalls solche BWR im aktuellen Guthaben (Rückkaufswert) vorhanden sind.

Der Kunde wisse allenfalls, dass zum mitgeteilten Guthaben möglicherweise noch BWR hinzukommen könnten. Laut Bafin-Vorgabe seien Versicherer aber gehalten, BWR zu benennen, sofern vorhanden, auch wenn die Bewertungsreserven schwanken.

Die wichtigste Kennzahl bei der Bewertung einer Police bleibe die garantierte Ablaufleistung, betont PiL. Wer meine, diese Kennzahl sei die Versicherungssumme, der gehe fehl. Denn bei der Versicherungssumme fehle oft das Ansammlungsguthaben. Wenn diese Position weder in der Ablaufleistung noch als Anteil am Rückkaufswert genannt wird, stelle sich die Entwicklung der Police regelmäßig schlechter dar, als sie tatsächlich ist.

 
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