Der Fluch der vielen Technik im Auto

30.11.2016 – Wirklich neu ist die Erkenntnis nicht mehr, dass das Telefonieren ohne Freisprecheinrichtung während des Fahrens gefährlich (und daher auch verboten) ist. Überraschender ist da schon, dass sich fast drei Viertel aller Autofahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz inzwischen auch von der vielen inzwischen fest im Fahrzeug verbauten Technik stark vom Straßenverkehr abgelenkt fühlen, wie nun auch das Allianz Zentrum für Technik in einer neuen Studie feststellt. Für die Allianz ein Grund, sehr konkrete Forderungen nicht zuletzt an die Autohersteller zur richten.

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Nach der zur Zurich Insurance Group gehörenden DA Deutsche Allgemeine Versicherung AG (VersicherungsJournal 18.11.2016) hat nun auch das zum Allianz-Konzern gehörende Allianz Zentrum für Technik (AZT) eine neue Studie präsentiert, die sich mit der Ablenkung der Autofahrer durch moderne Technik beschäftigt. Die Botschaft ist in beiden Fällen weitgehend ähnlich.

Ein unverändert großes Problem stellt danach der Gebrauch von Handys ohne Freisprecheinrichtung sowie von Smartphones dar. In der AZT-Studie räumten 47 Prozent der rund 1.600 Befragten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich ein, gegen das Handy-Verbot zu verstoßen, 25 Prozent lesen Textnachrichten während der Fahrt und 15 Prozent tippen selbst welche in ihr Smartphone.

Fast drei Viertel irritiert die im Fahrzeug verbaute Technik

Dabei weisen die Autofahrer in den drei Ländern offenbar durchaus bemerkenswerte Unterschiede auf. So schreiben beispielsweise in Deutschland 15 Prozent der Smartphone-Nutzer während der Fahrt Texte und in Österreich 19 Prozent, aber in der Schweiz nur fünf Prozent.

Zugleich sehen sich nach eigener Einschätzung jedoch sogar 74 Prozent aller Befragten auch durch die Benutzung jener Technik abgelenkt, die mittlerweile in ihren Fahrzeugen fest verbaut ist. Das betrifft beispielsweise die Bedienung der Radiofunktion über das Bordmenü, die 58 Prozent in diesem Zusammenhang nennen, oder das Hantieren am Navigationssystem während der Fahrt.

Grundsätzlich gilt dabei: „Je vielfältiger die Technik und je komplexer deren Bedienung, desto höher ist die Ablenkung vom Straßenverkehr“, fasste Mathias Scheuber, Schadenvorstand der Allianz Versicherungs-AG, bei der Präsentation der AZT-Studie deren wesentliche Ergebnisse zusammen.

Zusammenhang mit erhöhten Unfallraten statistisch nachweisbar

Christoph Lauterwasser (Bild: Müller)
Christoph Lauterwasser (Bild: Müller)

Mit ihr lasse sich nun auch erstmals der statistische Zusammenhang zwischen der Ablenkung der Aufmerksamkeit der Fahrer vom Straßenverkehr durch technische Geräte und höheren Unfallraten belegen, ergänzte Dr. Christoph Lauterwasser, der Leiter des AZT.

Laut Expertenmeinung sei jeder zehnte Unfall, bei dem Menschen zu Tode kamen, inzwischen auf Ablenkung zurückzuführen.

Im Vergleich zu einer ersten, im Jahre 2011 von der Allianz erstellten Studie zu Unfällen, die durch Ablenkung der Fahrer von der Fahraufgabe verursacht wurden, habe sich damit „trotz vielfältiger Verkehrssicherheits-Bemühungen“ keine Veränderung ergeben.

Vor allem in Österreich signalisierten Statistiken sogar einen deutlichen Anstieg des Anteils von elf Prozent 2010 auf 14 Prozent 2014.

Mehr Unfalltote durch Ablenkung als durch Alkohol-Einfluss

Auf deutschen Straßen sind laut AZT-Studie rund 350 der im vergangenen Jahr fast 3.500 Getöteten auf diese Ursache zurückzuführen. Die Zahl jener Verkehrsteilnehmer, die dadurch sterben mussten, dass einer der Unfallbeteiligten alkoholisiert war, war mit 256 weitaus geringer.

Mathias Scheuber (Bild: Müller)
Mathias Scheuber (Bild: Müller)

In der Überschrift der entsprechenden Pressemitteilung heißt es in nicht unbedenklicher Verkürzung deshalb sogar, dass inzwischen „Ablenkung gefährlicher als Alkohol“ sei. Richtig ist jedoch in jedem Fall, wie Allianz-Vorstand Scheuber feststellte, dass der Genuss von Alkohol und Autofahren auch „gesellschaftlich heute nicht mehr akzeptiert ist“.

Die gleiche Haltung müsse sich auch bei der Smartphone-Nutzung am Steuer durchsetzen, appellierte er, denn es gebe „kein Gewohnheitsrecht auf Ablenkung“. Allein bei solchen moralischen Appellen belässt es die Allianz jedoch nicht.

Ausdrücklich begrüßt werde daher die Ankündigung der Bundesregierung, dass der sogenannte Handy-Paragraf nun auf andere mobile Geräte wie das Tablet ausgeweitet werden solle, machte Scheuber deutlich. Darüber hinaus formuliert die Allianz weitere konkrete Forderungen nicht zuletzt an die Automobilindustrie.

Auch eine Harmonisierung der Bedienergonomie wäre sehr hilfreich

So sollten nach Ansicht der AZT-Experten „sicherheitskritische fahrfremde Funktionalitäten“ wie beispielsweise die Zieleinstellung des Navis oder der Internetaufruf über das Bordmenü während der der Fahrt automatisch deaktiviert sein. Außerdem müsse die Bedienergonomie mobiler und verbauter Geräte und Abweichungen bei unterschiedlichen Fahrzeugfabrikaten harmonisiert und vereinfacht werden.

Zudem wird gefordert, dass künftig in alle neuen Autos Notbrems-Assistenzsysteme eingebaut werden. Untersuchungen des AZT hätten nämlich ergeben, dass bei flächendeckender Ausrüstung mehr als ein Drittel der Auffahrunfälle vermieden oder deren Folgen zumindest reduziert werden könnten.

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