Defizit der DRV sinkt unter die Milliardenmarke

10.7.2017 – Dank der weiter steigenden Zahl sozialversicherungs-pflichtiger Beschäftigter entwickelt sich die Finanzlage der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) besser als erwartet, hieß es am Freitag auf dem DRV-Pressefachseminar in Berlin. Nach der jüngsten Schätzung zur finanziellen Entwicklung dürfte das Defizit in diesem Jahr auf 900 Millionen Euro von noch 2,2 Milliarden Euro in 2016 zurückgehen. Die Nachhaltigkeitsrücklage dürfte Ende 2017 bei 1,55 Monatsausgaben und damit höher als zuletzt prognostiziert zu liegen kommen.

WERBUNG
Reinhold Thiede (Bild: Brüss)
Reinhold Thiede (Bild: Brüss)

„Die Rentenversicherung in Deutschland ist derzeit gut aufgestellt“, sagte Dr. Reinhold Thiede am Freitag auf dem traditionellen DRV-Presseseminar der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV).

Haushaltsdefizit sinkt auf 900 Millionen Euro

Die Rentenversicherung stehe heute besser da als zu Beginn der Legislaturperiode im Jahr 2013. Man müsse anerkennen, dass die große Koalition in Sachen Altersvorsorge eine Menge bewegt habe, so der Fachreferent aus dem DRV-Geschäftsbereich „Forschung und Entwicklung“.

Zusammen mit seinem Kollegen Dr. Holger Viebrok gab Thiede einen Überblick über die aktuelle Entwicklung der Rentenfinanzen. Zur jüngsten Schätzung der finanziellen Entwicklung in diesem Jahr sagte Viebrok, man rechne jetzt mit einem Haushaltsdefizit von nur noch 900 Millionen Euro nach minus 2,2 Milliarden Euro in 2016 und minus 1,6 Milliarden Euro in 2015.

Dass sich die Rentenversicherung trotz neuer Belastungen durch die Rentenreformen – die Sonderbelastungen aus der Erhöhung der Mütterrenten im Volumen von jährlich 6,5 Milliarden Euro muss die DRV weiter alleine stemmen (VersicherungsJournal 23.12.2016) – so stabil entwickelt kann, liege am Beschäftigungszuwachs.

Nach jüngsten Angaben der Bundesregierung stieg die Zahl der sozialversicherungs-pflichtigen Beschäftigten im April auf 32,03 Millionen an. Gegenüber dem Vorjahr bedeutet dies ein Plus von 727.000. Und Thiede zufolge sind darunter auch viele Gutverdiener.

Nachhaltigkeitsrücklage verharrt oberhalb des Korridors

Ende vergangenen Jahres war die Rentenversicherung noch davon ausgegangen, dass die sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage bis Ende 2017 unter die Obergrenze von 1,5 Monatsausgaben fallen wird. Ansonsten hätte es eine Beitragssenkung ausgelöst. Es wird aber jetzt bei den 18,7 Prozent Beitragssatz bleiben, auch wenn sich die Nachhaltigkeitsreserve zum Jahresende oberhalb dieser Marke hält.

Aufgrund der haushalttechnischen Abgrenzung muss die Rentenversicherung bei einem Minus von 900 Millionen Euro nur 400 Millionen Euro aus der Nachhaltigkeitsrücklage entnehmen, so dass diese am Jahresende bei 32,0 (Vorjahr 32,4) Milliarden Euro liegen dürfe. Dies entspräche noch 1,55 Monatsausgaben. Nach den jüngsten Daten aus dem Mai lagen die Rücklagen bei knapp 30,3 Milliarden Euro (1,45 Monatsausgaben).

Bei der Haushaltsabgrenzung ist etwa zu beachten, dass Neurentner ihre Rentenzahlung jeweils erst am Monatsende erhalten. Es gebe aber zugleich eine sinkende Zahl von Altrentnern, die ihre Rente noch zu Monatsbeginn überwiesen bekämen. Von daher verbessert sich die Finanzposition. Die Deutsche Rentenversicherung schätzt vier Mal im Jahr ihre Finanzentwicklung ab.

Rentenversicherung für Haltelinien beim Beitrag und dem Rentenniveau

Thema auf dem Seminar war auch die Zukunftsfestigkeit der DRV. Thiede würdigte ausdrücklich, dass das von Andrea Nahles (SPD) geführte Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) den Blick über den bis 2030 definierten Tellerrand gewagt habe und das Jahr 2045 in den Blick genommen habe.

Nach diesem Szenario würden das Rentenniveau von heute gut 48 Prozent auf 41,8 Prozent im Jahr 2045 und der Beitragssatz von derzeit 18,7 Prozent auf 23,5 Prozent anwachsen.

Nahles hat sich angesichts dieser Perspektive für Haltelinien beim Beitrag und dem Rentenniveau ausgesprochen. Wo diese liegen sollten, sei letztlich von der Politik zu entscheiden, sagte Thiede. Wichtig sei, dass zusätzliche Belastungen auf alle Gruppen verteilt würden.

Es gelte die Faustregel, dass ein um einen Prozentpunkt höheres Rentenniveau einen halben Beitragssatzpunkt koste. Sonst gebe es eben nur die Stellschrauben höherer Bundeszuschuss und/oder Arbeiten über das 67. Lebensjahr hinaus.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Altersvorsorge · Ausbildung · Nachhaltigkeit · Rente · Rentenreform · Sozialversicherung
 
WERBUNG
Leserumfrage unterstützen und 500-Euro-Gutschein gewinnen
Bild: Pixabay, CC0

Helfen Sie dem VersicherungsJournal, noch besser zu werden und beantworten Sie die aktuelle Leserumfrage.

Als Dankeschön werden sechs wertvolle Preise verlost, darunter ein 500-Euro-Gutschein, der bei zahlreichen Anbietern einlösbar ist.

Hier mitmachen!                (Bild: Pixabay, CC0)

WERBUNG
WERBUNG
Von welchen Gesellschaften wollen die Vertreter weg?

Wie steht es um die Wechselbereitschaft in der Versicherungswirtschaft?

Neue Erkenntnisse der Studie „Betriebswirtschaftliche Struk- turen des Versicherungsver- triebs – BVK-Strukturanalyse 2016/2017“ erfahren Sie hier.

VersicherungsJournal in Social Media

Besuchen Sie das VersicherungsJournal auch in den sozialen Medien:

  • Facebook – Ausgewähltes für den Vertrieb
  • Twitter – alle Nachrichten von VersicherungsJournal.de
  • Xing – über den Verlag
  • Xing News – Ausgewähltes zu Karriere und Unternehmen
  • Youtube – Hintergründe zum Buchprogramm
WERBUNG
Keine Angst vorm Zahnarzt!

Fondsverkauf einfach gemacht

Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich auf eine Zielgruppe zu spezialisieren?

Welche Vorteile eine Spezialisierung besonders in Bezug auf Zahnärzte bietet, erfahren Sie hier.

Ihr Wissen und Ihre Meinung sind gefragt

Ihre Leserbriefe können für andere Leser eine wesentliche Ergänzung zu unserer Berichterstattung sein. Bitte schreiben Sie Ihre Kommentare unter den Artikel in das dafür vorgesehene Eingabefeld.

Die Redaktion freut sich auch über Hintergrund- und Insiderinformationen, wenn sie nicht zur Veröffentlichung unter dem Namen des Informanten bestimmt ist. Wir sichern unseren Lesern absolute Vertraulichkeit zu. Schreiben Sie bitte an redaktion@versicherungsjournal.de.

Allgemeine Pressemitteilungen erbitten wir an meldungen@versicherungsjournal.de.

Diese Artikel könnten Sie noch interessieren
15.3.2011 – Die einen reden die gesetzliche Rente tot, die anderen halten sie nach wie vor für ausreichend. Irgendwo dazwischen liegt wohl die Wahrheit. Wo genau, versucht eine Studie herauszufinden. mehr ...
 
7.7.2017 – In Deutschland gibt es viel mediales Lob für das österreichische Rentensystem. Die Deutsche Rentenversicherung hat jetzt einmal einen Vergleich der unterschiedlichen Altersvorsorgesysteme angestellt. Einen Sieger gibt es nicht. mehr ...
 
15.2.2017 – Die Altersvorsorge rückt heute wieder in den Blickpunkt: Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) arbeitet weitere Reformvorhaben ab und die neue Präsidentin der Rentenversicherung, Gudula Roßbach, wird sich im Bundestag zur aktuellen Finanzlage äußern. mehr ...
 
2.11.2016 – In der Rentenreformpolitik der Regierung fehlt noch ein zentraler Baustein. Wie soll die gesetzliche Rente gestaltet werden? Die Bild-Zeitung spekuliert, dass unter derzeitigen Bedingungen die Beiträge fünf Jahre stabil bleiben könnten. Die Rentenversicherung konnte dies nicht bestätigen. mehr ...
 
28.10.2016 – Ist Altersarmut ein gravierendes Problem oder droht nur eine Zunahme aufgrund der Berechnungsmethode? Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft hat gestern vor dem Reformvorhaben gewarnt. (Bild: Brüss) mehr ...
 
12.10.2016 – Der Versuch einer Zwischenbilanz: Der Renten-Dialog zwischen Regierung sowie Verbänden und Institutionen steht kurz vor dem Ende. Dann liegt es an Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD), ein Reformpaket vorzulegen. (Bild: Brüss) mehr ...
WERBUNG