350.000 Euro Schadenersatz für lahmendes Pferd?

29.11.2016 – Unterläuft einem Hufschmied beim Beschlagen eines Pferdes ein Fehler, so ist er nicht in jedem Fall zum Schadenersatz verpflichtet. Entscheidend sind vielmehr die Umstände des Einzelfalls, so das Oberlandesgericht Köln in einem am Freitag veröffentlichten Urteil vom 2. September 2016 (19 U 129/15).

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Der Kläger hatte im Jahr 2006 für 14.500 Euro ein Springpferd gekauft. Das Pferd hatte in den Folgejahren auf internationalen und nationalen Turnieren diverse Preise gewonnen. Während der Turniere wurde das Tier auf Lahmheit untersucht. Negative Befunde ergaben sich dabei nicht.

Das sollte sich ändern, als das Pferd im Jahr 2009 von einem Hufschmied beschlagen wurde, der aus Versehen einen der Hufe zu kurz ausschnitt. Denn danach lahmte das Pferd. Im Jahr 2013 musste es schließlich eingeschläfert werden.

Streit um 350.000 Euro

Wegen seiner Turniererfolge war der Wert des Tieres in der Zwischenzeit auf 350.000 Euro angestiegen. Die machte der Kläger gegenüber dem Hufschmied geltend. Denn schließlich sei die Lahmheit durch dessen Fehler ausgelöst worden.

Doch dem wollten sich weder das in erster Instanz mit dem Fall befasste Aachener Landgericht noch das von dem Kläger in Berufung angerufene Kölner Oberlandesgericht anschließen. Beide Gerichte wiesen die Klage als unbegründet zurück.

Nach Ansicht der Richter spricht zwar der sogenannte Beweis des ersten Anscheins dafür, dass die Springuntauglichkeit des Pferdes auf den Fehler des Hufschmieds zurückzuführen war. Diesen Anscheinsbeweis konnte der Beklagte jedoch entkräften.

Degenerative Veränderung

Ein mit dem Fall befasster Sachverständiger hatte nämlich festgestellt, dass es ebenso gut möglich war, dass das Tier aufgrund einer degenerativen Veränderung chronisch lahmte. Es sei nämlich ein höchst seltenes Geschehen, dass eine chronische Lahmheit nach einem einmaligen fehlerhaften Beschlagen eines Hufes auftrete.

Unabhängig davon sei auch an anderen Beinen des Pferdes eine Lahmheit festgestellt worden, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht Ursache des Fehlers des Schmiedes war. Die damit verbleibenden Unsicherheiten fallen nach Ansicht des Gerichts jedoch dem beweispflichtigen Kläger zur Last.

Der Hufschmied hafte auch nicht unter dem Gesichtspunkt eines groben Behandlungsfehlers. Denn nicht jedes zu starke Einkürzen von Hufen sei als grob fehlerhaft einzustufen. Davon müsse nach den Feststellungen des Sachverständigen auch in dem entschiedenen Fall ausgegangen werden. Der Kläger geht daher leer aus.

Die Richter sahen keine Veranlassung, eine Revision zum Bundesgerichtshof zuzulassen.

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