Die Relevanz der totgesagten Klassik

16.10.2017 – Der Lebensversicherungs-Markt verändert sich dramatisch. Immer mehr Gesellschaften verabschieden sich von klassischen Garantieprodukten. Vor allem bei Kapital-Lebensversicherungen schrumpft die Anzahl der Anbieter. Doch Millionen Versicherte besitzen noch klassische Policen. Und es dürfte sie interessieren, wie ihre Gesellschaft im Vergleich zu den Wettbewerbern steht. Im überarbeiteten Bilanzteil bilden dabei jetzt insgesamt acht Kennzahlen das Gerüst für die Bewertung.

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Am 17. Oktober erscheint das neue Klassik-Rating deutscher Lebensversicherer der Map-Report-Redaktion. Just zu der Zeit, in der die Lebensversicherer wieder für Furore sorgen. Denn plötzlich kündigt ein Versicherungskonzern nach dem anderen an, Millionen klassischer Lebensversicherungspolicen verkaufen zu wollen. So wolle sich Generali von vier Millionen Verträgen trennen, sechs Millionen sollen es beim Ergo-Konzern sein und Axa erwäge ebenfalls einen Verkauf von Verträgen an eine sogenannte Abwicklungsplattform. Gleichzeitig mehren sich die Pressemitteilungen anderer Lebensversicherer, dass für sie ein Run-Off keine Option sei.

Map-Report 896 (Bild: VersicherungsJournal Verlag)
Quelle: Map-Report 896 (Bild: VersicherungsJournal Verlag)

Weshalb ein Klassik-Rating noch relevant ist

Die vergangenen Jahre waren alles andere als einfach für die Lebensversicherer. Als Resultat wurden Gesellschaften fusioniert oder das Neugeschäft eingestellt. Inzwischen spielen klassische Policen im Neugeschäft fast keine Rolle mehr. Zudem belasten die einstigen hohen Garantien etliche Gesellschaften schwer.

Doch zum Jahresende 2016 standen noch 20,7 Millionen KLV-Verträge in den Büchern der Versicherer. Aus diesem Grund waren auch alle Versicherer aufgerufen, sich an dem Rating zu beteiligen. Ob sie die klassische KLV oder Rentenversicherung noch anbieten oder nicht.

Von Gesellschaften, die sich von einer Teilnahme distanzierten, wurden die Absagen vielfach damit begründet, dass klassische Produkte nicht mehr im Fokus stünden und für den Vertrieb irrelevant seien. Es wurde also mit dem Blick auf den Neukunden argumentiert. Aber was ist mit den Bestandskunden?

Beispielrechnungen als Vergleichsmaßstab

Die dürften durchaus ein Interesse daran haben, wie sich ihr Anbieter im Vergleich zum Markt schlägt. Allein 15 der 40 maximal erzielbaren Punkte im Vertragsteil beziehen sich auf Vergangenheitsdaten. Weitere 16 Punkte werden für die Garantien aus Hochrechnungen für die KLV, Aufschub- und Sofortrente vergeben. Lediglich neun Punkte werden für Beispielrechnungen verteilt.

Trotz grundsätzlicher Kritik an Beispielrechnungen sind sie ein Teil des Ratings. Als Zukunftsprognose sind diese Berechnungen ohne Aussagewert. Doch sind die Daten nicht als Zukunftsprognose zu sehen, sondern als Einordnungsmöglichkeit für den heutigen Stand der Gewinnbeteiligung des Unternehmens im Vergleich zu anderen Marktteilnehmern.

Zudem stellt sich die Frage, ob Gesellschaften, die mit der Klassik schon zur Elite des Marktes zählten, nicht auch mit der neuen Klassik bessere Ergebnisse erzielen dürften als die bisher schon unterdurchschnittlichen Kandidaten. Das muss zwar nicht zutreffen, dennoch liegt die Vermutung nahe.

Laufende Durchschnittsverzinsung

Die laufende Durchschnittsverzinsung wurde neu aufgenommen und ergänzt die Nettorendite. Die Durchschnittsverzinsung erfasst alle laufenden Erträge aus Kapitalanlagen, vermindert um die laufenden Aufwendungen auf Kapitalanlagen wie Abschreibungen auf Grundstücke. Abschreibungen aufgrund von Kursverlusten, Sonderabschreibungen sowie Gewinne aus dem Abgang von Vermögensanlagen bleiben indes unberücksichtigt.

Wie beinahe alle Kennzahlen, so betrifft auch die laufende Durchschnittsverzinsung einige Aspekte, die einer „sauberen“ Kennzahl entgegenwirken. So wären die eingerechneten laufenden Erträge und Aufwendungen, ähnlich wie bei der Nettorendite, zu kürzen um die Beträge, die auf fondsgebundene Lebensversicherungen entfallen.

Weil diese Daten in den Jahresabschlüssen jedoch nicht aufgeführt werden, lässt sich die laufende Durchschnittsverzinsung nur näherungsweise berechnen. Je höher der Anteil von fondsgebundenen Policen am Bestand ist, desto höher können die Abweichungen zu Buche schlagen.

Zudem können auch da außerordentliche Erträge in Spezialfonds als laufende Erträge bei den Unternehmen ankommen und die Kennzahl für einen exakten Vergleich verwässern.

Nettoverzinsung durch aufgelöste Reserven beeinflusst

Zur Aussagekraft der Nettoverzinsung und der laufenden Durchschnittsverzinsung gibt es kontroverse Meinungen. Doch sind diese Größen zwei der wenigen Kennzahlen zur Verzinsung, die sich über eine offizielle Verbands-Formel berechnen lassen.

Die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen errechnet sich als Bruttoerträge minus Aufwendungen (inklusive Abschreibungen) für die Kapitalanlagen im Verhältnis zum mittleren Kapitalanlagenbestand des Jahres. Ein Teil der Erträge aus Kapitalanlagen werden als „Gewinne aus dem Abgang aus Kapitalanlagen“ bilanziert und beinhalten die realisierten Bewertungsreserven.

Für das – angesichts anhaltend niedriger Marktzinsen außerordentlich hohe – Resultat der Nettorendite ist die verstärkte Auflösung von Bewertungsreserven verantwortlich. Das wird deutlich bei dem Vergleich mit der laufenden Durchschnittsverzinsung.

Hilfe beim Finanzieren der Zinszusatzreserve

Seit der Einführung der sogenannten Zinszusatzreserve (ZZR) im Jahr 2011 sind die Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen von rund 4,5 auf 10,3 Milliarden Euro gestiegen. Die größten Gewinnabgänge gab es dabei vom Jahr 2014 auf 2015 mit einem Zuwachs von 3,6 Milliarden Euro.

Für die Lebensversicherer sind die Gewinne aus Abgang ein wirksames Mittel, um der ZZR ausreichend Kapital zuzuführen. Gleichzeitig ergibt sich das Problem, dass die Finanzierung der Zinszusatzreserve das Kapitalanlageergebnis, über das die Nettoverzinsung berechnet wird, direkt beeinflusst.

Dabei steht die ZZR nicht als Ertrag oder Gewinn für die Kunden zur Verfügung, sondern bildet eine Sicherheit für die Garantien der Zukunft.

Durch die quasi gesetzliche Auflösung von Bewertungsreserven spiegelt die Nettorendite damit ein verzerrtes Bild der Zinserträge. Aus diesem Grund wurde, trotz der ebenfalls eingeschränkten Aussagekraft, die laufende Durchschnittsverzinsung als neue Kennziffer in das Rating aufgenommen.

Sicherheitsmittelquote

Die Kennzahl ist ein Indiz dafür, ob das Unternehmen auch langfristig seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann. Zum Ausgleich eventueller Verluste stehen den Lebensversicherern die Bilanzpositionen Eigenkapital, Schlussüberschussanteilfonds und freie RfB zur Verfügung.

Die Kennzahl gibt an, wieviel dieser Mittel, ergänzt um den Bestand der Zinszusatzreserve (ZZR), im Verhältnis zur Deckungsrückstellung vorhanden sind. Die ZZR wird in Zeiten niedriger Zinsen gebildet, um sicherzustellen, dass eingegangene Verpflichtungen erfüllt werden können. Deshalb fließt auch die ZZR in die Quote ein.

Da weder die freie RfB noch der Schlussüberschussanteil-Fonds als Rückstellung für eine rechtsverbindliche betragsmäßig fixierte Leistungsverpflichtung anzusehen sind und im Notfall nach § 140 VAG mit Zustimmung der Aufsichtsbehörde zur Verlustabdeckung herangezogen werden können, tragen diese Positionen über den Überschussfonds im Sinne der Solvabilitätsvorschriften zu den Eigenmitteln bei.

 
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