Mehr Futter für Selbstdenker

6.11.2015 – Zur Lebensversicherung wurde in jüngster Zeit viel über die sogenannte Zinszusatzreserve berichtet. Grund genug, sich dem Thema auch in der Bilanzanalyse zu widmen. Zusätzlich werden zur weiteren Kennzahlen-Interpretation auch die Bewertungsreserve- und Eigenkapital-Quote berücksichtigt.

WERBUNG
Keine Angst vorm Zahnarzt!
Haben Sie schon einmal daran gedacht, sich auf eine Zielgruppe zu spezialisieren? Welche Vorteile eine Spezialisierung besonders in Bezug auf Zahnärzte bietet, erfahren Sie hier...

Am 10. November erscheint die Bilanzanalyse deutscher Lebensversicherer 2014. Auf 124 Seiten bietet dieses Heft ausführliche Einblicke in die Geschäftsentwicklung der Branche und zudem detaillierte Zusatzinformationen zu den Lebensversicherungs-Ratings der Map-Report-Redaktion.

Trotz des Umfangs von über 120 Seiten gewährleistet die Bilanzanalyse einen schnellen Überblick über den Stand und die Entwicklung der einzelnen Kennzahlen für die 84 untersuchten Gesellschaften.

Dabei ist beinahe schon unheimlich, wie viele Geschichten sich hinter diesen Zahlen verbergen. In den Anfangsjahren des Map-Reports gab es noch den Zusatz „für Selbstdenker“. Und dieses Credo gilt auch heute noch. Denn jede Kennzahl lässt mehr als nur einen Blickwinkel zu und bietet reichlich Interpretations-Spielraum. Für vergleichbare Kompendien mit ähnlichem Umfang werden teilweise vierstellige Preise verlangt.

Neben klassischen Bilanzkennzahlen wie Nettorendite, Verwaltungskosten- und Abschlusskostenquote, Beitragseinnahmen, Marktanteilen, Stornoquoten und weiteren Kennziffern, bilden Bestands- und Neugeschäftsentwicklungen einen Analyse-Schwerpunkt. Zudem enthält die inzwischen 25. Auflage auch vier neue Kennzahlen.

Rund um die Zinszusatzreserve

Map-Report 879 Nettorendite
Quelle: Map-Report 879

Neben der Nettorendite wird erstmals auch eine um die Zinszusatzreserve bereinigte Nettorendite berechnet. Gemäß GDV-Formel wird die Nettoverzinsung der Lebensversicherer aus dem Kapitalanlageergebnis – exklusive Fondsgeschäft – im Verhältnis zum mittleren Jahresbestand an Kapitalanlagen berechnet.

Ein Teil der Erträge aus Kapitalanlagen werden als „Gewinne aus dem Abgang aus Kapitalanlagen“ bilanziert und beinhalten die Realisierung von Bewertungsreserven. Seit der Einführung der sogenannten Zinszusatzreserve (ZZR) im Jahr 2011 sind diese Gewinne von rund 4,5 auf 6,4 Milliarden Euro gestiegen.

Für die Lebensversicherer sind die Gewinne aus Abgang ein wirksames Mittel, um der ZZR ausreichend Kapital zuzuführen. Gleichzeitig ergibt sich das Problem, dass die Finanzierung der Zinszusatzreserve das Kapitalanlageergebnis, über das die Nettoverzinsung berechnet wird, direkt beeinflusst. Allerdings steht die ZZR nicht als Ertrag oder Gewinn für die Kunden zur Verfügung, sondern bildet eine Sicherheit für die Garantien der Zukunft.

Auf die Verhältnisse kommt es an

Durch die quasi gesetzliche Auflösung von Bewertungsreserven spiegelt die Nettorendite damit ein verzerrtes Bild der Zinserträge. Einige Gesellschaften sind scheinbar ähnlicher Ansicht und veröffentlichen in ihren Jahresabschlüssen bereits um die Zuführung zur ZZR bereinigte Nettorenditen.

Zudem wurde bei Berichterstattung zur ZZR bisher meistens nur über die absolute Höhe berichtet. Das hat im Vergleich der Anbieter untereinander jedoch nur beschränkte Aussagekraft.

Je größer ein Unternehmen ist und je mehr hochverzinste Altverträge in den Beständen schlummern, umso höher ist in der Regel auch der erforderliche Bestand der Zinszusatzreserve. Um diese Vergleichbarkeit unabhängig der Unternehmensgröße und Bestandsstruktur herzustellen und eventuell die Fähigkeit zur Bildung von künftigen Überschüssen ablesen zu können, wird die gesamte Zinszusatzreserve ins Verhältnis zu den Deckungsrückstellungen gesetzt.

Die Bewertungsreservequote

Die dritte neue Kennzahl ist die Bewertungsreserve-Quote. Bewertungsreserven sind die Folge der in Deutschland geltenden vorsichtigen Bilanzierungsvorschriften.

Die Bewertungsreserve-Quote zeigt, wie groß der Anteil der sogenannten stillen Reserven in Prozent der gesamten Kapitalanlagen zum Bilanzstichtag ist. Nach den handelsrechtlichen Bewertungsregeln dürfen Vermögensgegenstände höchstens mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten, gegebenenfalls vermindert um Abschreibungen, bilanziert werden. Liegt der tatsächliche Wert eines Vermögensgegenstandes über dem Buchwert, führt dies somit zu einer stillen Reserve.

Durch Auflösung stiller Reserven kann eine Erhöhung der Nettoverzinsung der Kapitalanlagen erzielt werden, da aus der Auflösung ein außerordentlicher Kapitalanlageertrag resultiert. Deshalb ist es positiv, wenn ein Unternehmen sowohl eine hohe Nettorendite aufweist als auch über eine hohe Bewertungsreservequote verfügt.

Eigenkapitalquote als Ergänzung zur Solvabilität

Neben der Solvabilität ist wird jetzt auch die Eigenkapitalquote abgebildet.

Das Verhältnis von Eigenkapital zu Deckungsrückstellung wird in der Lebensversicherung im Allgemeinen als Eigenkapitalquote bezeichnet. In der privaten Krankenversicherung wird diese Kennzahl nach PKV-Verbandskennzahlen-Katalog übrigens anders berechnet.

Die Quote ist ein Maßstab dafür, in wieweit die Deckungsrückstellungen als hauptsächliche Verpflichtung der Gesellschaften gegenüber den Kunden, allein durch Eigenkapital abgesichert ist. Insbesondere im Hinblick auf die zukünftig höheren Eigenkapitalanforderungen im Rahmen von Solvency II gewinnt die Eigenkapitalausstattung der Unternehmen zunehmend an Bedeutung.

Schlagwörter zu diesem Artikel
Geschäftsbericht · Lebensversicherung · Mapreport · Private Krankenversicherung · Rating · Solvabilität · Storno
 
WERBUNG
WERBUNG
WERBUNG
Mit Storytelling Kunden gewinnen

Kunden gewinnen mit Vorträgen

Haben Sie schon einmal daran gedacht, Zahlen und Daten mittels einer Geschichte zu veranschaulichen? Storytelling in Gespräch und Vortrag zieht die Aufmerksamkeit Ihrer potenziellen Kunden auf Ihr Thema.

In diesem Praktikerhandbuch wird erklärt wie!

Mehr Informationen...