28.8.2012 – Eine sehr interessante Statistik. Leider meines Erachtens zu kurz gesprungen. Unberücksichtigt bleiben bei der Mittelschicht-Beurteilung leider die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Und zwar konkret der „Sockelbetrag“ für die Lebenshaltung.
Die Grundversorgungskosten (Miete, Lebensmittel, Energie et cetera) sind stärker gestiegen als die Einkommen und vermutlich sogar stärker als die Inflation laut Warenkorb. Insofern dürfte die Zahl der Haushalte mit einem Überschuss am Monatsende beziehungsweise die Höhe dieses Überschusses gesunken sein.
Ein Indiz dafür ist der gestiegene Unterschied bei den Vermögen. Wenn man am Monatsende weniger übrig hat, kann man eben auch kein Vermögen aufbauen. Der Mittelstand sollte aber in der Lage sein, Vermögen (zum Beispiel für Altersvorsorge) aufzubauen, um perspektivisch nicht auf Transferzahlungen angewiesen zu sein. Solche Transfers sind aber laut Definition des Instituts der deutschen Wirtschaft Voraussetzung für die Zuordnung zur Mittelschicht.
Insofern ist eine reine Einkommens- und Vermögensbetrachtung sicher interessant, gibt letztendlich aber nur einen kleinen Teil des Gesamtbildes wieder und ist somit als Zuordnungskriterium zur Mittelschicht nur eingeschränkt tauglich.
Holger Koch
zum Artikel: „Angst vor dem sozialen Abstieg meist unbegründet”.
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