Steuervorteile für zweiten Schreibtisch-Arbeitsplatz?

20.4.2017 – Es kommt auf die Umstände des Einzelfalls an, ob ein Selbstständiger, dem in seinen Betriebsräumen ein Schreibtisch-Arbeitsplatz zur Verfügung steht, die Kosten eines häuslichen Arbeitsplatzes steuermindernd geltend machen kann. Das geht aus einem gestern veröffentlichten Urteil des Bundesfinanzhofs vom 22. Februar 2017 hervor (III R 9/16).

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Gemäß § 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 6b Satz 1 EStG besteht kein Abzugsverbot für die Aufwendungen eines durch einen Selbstständigen genutzten Arbeitszimmers, wenn ihm für seine betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Unzumutbares Ansinnen?

In dem entschiedenen Fall hatte ein selbstständiger Logopäde in zwei Praxen Räume gemietet. Diese wurden weit überwiegend von seinen vier Angestellten genutzt. Für die notwendigen Büro- und Verwaltungsarbeiten nutzte er ein häusliches Arbeitszimmer.

Dessen Kosten machte er im Rahmen seiner Einkommensteuer-Erklärung gegenüber dem Finanzamt geltend. Dieses wollte die Kosten jedoch nicht anerkennen. Denn schließlich habe der Kläger auch in den Praxisräumen die Möglichkeit, die Büro- und Verwaltungsarbeiten durchzuführen.

Angesichts der räumlichen Gegebenheiten hielt der Kläger dieses Ansinnen für unzumutbar. Er zog daher vor Gericht. Dort errang er sowohl vor dem Finanzgericht als auch vor dem Bundesfinanzhof einen Sieg.

Eine Frage der Umstände des Einzelfalls

Nach Ansicht der Richter kommt es auf die Umstände des Einzelfalls an, ob ein Selbstständiger, dem in seinen Betriebsräumen ein Schreibtisch-Arbeitsplatz zur Verfügung steht, die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer steuermindernd geltend machen kann.

Sollte nämlich die Nutzung eines betrieblichen Arbeitsplatzes in einer Weise eingeschränkt sein, dass der Steuerpflichtige in seinem häuslichen Arbeitszimmer einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit verrichten muss, komme das Abzugsverbot nach dem Sinn und Zweck der einschlägigen Bestimmungen des Einkommensteuer-Gesetzes nicht in Betracht.

Denn auch Selbstständige könnten auf ein (zusätzliches) häusliches Arbeitszimmer angewiesen sein.

Höchstbetrag von 1.250 Euro

Anhaltspunkte dafür würden sich sowohl aus der Beschaffenheit des Arbeitsplatzes (Größe, Lage, Ausstattung) als auch aus den Rahmenbedingungen seiner Nutzung (Umfang der Nutzungsmöglichkeit, Zugang zum Gebäude, zumutbare Möglichkeit der Einrichtung eines außerhäuslichen Arbeitszimmers) ergeben, so der Bundesfinanzhof.

In dem entschiedenen Fall hielten es die Richter aufgrund der örtlichen Gegebenheiten für unzumutbar, den Kläger auf einen Schreibtisch-Arbeitsplatz in den Praxisräumen zu verweisen. Dieses verbiete sich unter anderem wegen der Größe des Arbeitsplatzes sowie der erforderlichen Vertraulichkeit für die Büro- und Verwaltungstätigkeiten.

Der Kläger kann daher die Kosten für seinen häuslichen Büroarbeitsplatz, begrenzt auf einen jährlichen Höchstbetrag von 1.250 Euro, in seiner Steuererklärung geltend machen. Die Begrenzung ergibt sich daraus, dass das häusliche Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Klägers darstellt.

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Einkommensteuer
 
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